Konsequenzen gezogen: Weber hatte keine Wahl

kolumneKonsequenzen gezogen: Weber hatte keine Wahl

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kaum hat Bundesbank-Präsident Axel Weber seinen Abschied angekündigt, sagen ihm Kritiker Nervenversagen und verletzte Eitelkeit nach oder unterstellen ihm Ambitionen auf den Chefsessel der Deutschen Bank. Dabei ist er sich nur treu geblieben - und hat die Konsequenzen gezogen.

Lässt man alle Spekulationen in der Presse beiseite und hört, was Axel Weber selber sagt, klingt das so: Dem Chef der Euro-Notenbank komme eine Sonderstellung zu und „wenn er jedoch zu wichtigen Fragen eine Minderheitsmeinung vertritt, leidet die Glaubwürdigkeit dieses Amts“. Der scheidende Präsident sagte dem „Spiegel“, er habe bei einigen wichtigen Entscheidungen in den vergangenen zwölf Monaten eindeutige Positionen bezogen. „Diese Positionen mögen für die Akzeptanz meiner Person bei einigen Regierungen nicht immer förderlich gewesen sein“.

Weber spielt damit wohl auf den Mai 2010 an als er sich – zum Höhepunkt der Griechenlandkrise – klar gegen seine 21 Bankierskollegen in der EZB stellte und nicht nur den Ankauf von Staatsanleihen in großem Stil ablehnte, sondern auch damit drohte, seine ablehnende Position öffentlich bekannt zu machen. Das geschah auch prompt und war neben dem Bruch mit den Gepflogenheiten in diesem Gremium auch ein Signal: Weber vertritt im Kreise der Staatsbanker eine Minderheitsmeinung und ist vom Wesen her nicht Diplomat genug, die Kollegen einzufangen und umzudrehen. Mit dieser Haltung und diesem Charakter hätte Weber ganz offensichtlich nur ein EZB-Präsident werden können, der Gremiums-Beschlüsse verkünden müsste, die er selbst für falsch hält. So eine Konstruktion wäre ungesund für alle Beteiligten - nicht zuletzt für den Euro.

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Weber konnte sich mit seiner Minderheitsmeinung nicht durchsetzen und damit war ihm wohl klar, dass er derart isoliert auch nicht mehr ernsthaft zur Wahl stand. Das Amt des EZB-Präsidenten nun gar nicht erst anzustreben, anstatt darauf zu hoffen, dass Angela Merkel ihn doch noch irgendwie politisch durchdrückt, war nur folgerichtig und versinnbildlicht, was für ein konsequenter Mann Weber ist. Mir imponiert diese Geradlinigkeit, zeigt sie doch, wie ernst dieser Staatsdiener sein Amt nimmt.

Weber als Führungskraft

Fachlich ist Weber erste Wahl; eine andere Frage ist, ob er auch eine herausragende Führungspersönlichkeit ist. Ganz offensichtlich ist er kein überlegener Komunikator und kein Menschenfänger, es fällt ihm nicht leicht, Kollegen in Mitstreiter zu verwandeln. Weber ist im Grunde seines Wesens Professor geblieben und in der Rolle erklärt er anderen lieber die Zusammenhänge, als sich auf die Diskussion seiner Positionen einzulassen. Die Kompromisslosigkeit, die ihn als Bundesbankier immer als „Stabilitätsgarant“ erscheinen ließ, würde ihn in einem großen Unternehmen leicht den Ruf eines Sturkopfs eintragen. Wer im Konzern so kompromisslos auftritt, verliert schnell das Vertrauen und kann dann nur noch entweder selbst gehen oder auf die Abfindung pokern.

Wegen dieses Mangels an Geschmeidigkeit glaube ich persönlich auch nicht an Webers Aussichten auf den Vorstandsvorsitz bei der Deutschen Bank, zumal der Professor für ein Institut dieser Größe nicht die Führungserfahrung mitbringt. Den Entscheidern in den Frankfurter Türmen dürfte die Gefahr durchaus bewusst sein, dass die Berufung Webers einen internen Aufstand nach sich ziehen könnte.

Bewundernswerte Integrität

Insgesamt hat da ein durch und durch integerer Mann die Konsequenzen aus seinen Erfahrungen gezogen und bewiesen, dass er weiß, wer er ist, wofür er steht und was er kann und was nicht. Das ist bewundernswert. Mir leuchtet sein Vorgehen jedenfalls eher ein als das seines Kollegen, des Wirtschaftswissenschaftlers Bert Rürup. Der Ex-Wirtschaftsweise, Rentenexperte und einflussreichste Politikberater der letzten Jahre tat sich nach seiner Emeritierung mit dem umstrittenen Ex-AWD-Chef Carsten Maschmeyer zusammen, um mit der neu gegründeten MaschmeyerRürup AG deutsche Altersvorsorgeideen ins Ausland zu verkaufen. Weber hingegen will nun erst mal ein Jahr Karenzzeit legen zwischen das Amt und weitere Aufgaben. Alles weitere wird sich finden.

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