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Archiv: Kosten-Streichen und als Gutmenschentum verkaufen. Eine skurrile Idee der Ergo-Versicherungsgruppe.

von Blog Quelle: Handelsblatt Online

Prost Mahlzeit. Mit dem Gutmenschentum kann man es auch übertreiben. Sogar als Versicherer und sogar bei seinen PR-Maßnahmen. Die Ergo-Versicherungsgruppe (Victoria) aus Düsseldorf tut genau das gerade - ausgerechnet im fröhlichen Rheinland.

Da berichtet die "Rheinische Post" als zuständige Regionalzeitung: Die Versicherungsgruppe will beim Nichtraucherschutz ein Zeichen setzen. Aber nicht etwa, indem sie ihren nichtrauchenden Mitarbeitern Prämien zahlt, rauchenden Mitarbeitern Prämien fürs Abgewöhnen gibt und ihren Versicherten Prozente gewährt, wenn sie nicht rauchen - nein, so viel Gesundheit soll es gar nicht sein. Rauchende Mitarbeiter sollen von der Ergo "Tipps zur Nikotin-Entwöhnung" bekommen. So, als gebe es die nicht an jeder Ecke und auf jeder Party. Nein, die Ergo Gruppe übt sich in Nichtraucherschutz, indem sie ihren Leuten nicht mehr jede Bewirtungsrechung erstatten. Und zwar diejenigen nicht, die aus so genannten Raucher-Clubs stammen. Raucher-Clubs sind solche Restaurants und Kneipen, wo Rauchen auch heute noch erlaubt ist. Die letzte Bastian und Fluchtburg der Raucher. Übrigens sei an dieser Stelle gesagt: Ich rauche nicht. Aber diese Freiheitsbeschränkung, die muss nicht sein.

Denn die Ergo bringt als Arbeitgeber sicher so manchen Mitarbeiter in die Zwickmühle: Nämlich den, der Raucher zu bewirten hat - man kann sich seine Kunden und Geschäftspartner schließlich nicht aussuchen, weder nach der Augenfarbe noch danach, ob sie rauchen. Fakt bleibt aber jedenfalls: Man muss sich als Einladender und Gastgeber um das Wohlbefinden seiner Gäste kümmern - und dazu kann es durchaus auch gehören, Lokale aufzusuchen, wo jene und ihrer Raucherleidenschaft auch nachgehen können. Gerade wenn es Gäste aus dem Ausland sind, die in ihrem Heimatland derlei Reglements nicht gewohnt sind. Wird also jener Ergo-Mitarbeiter, der genau solche Gäste vielleicht nach einer Messe oder Konferenz in der fremden Stadt bewirten muss, nun - zur Strafe - aus eigenen Tasche die Restaurantrechnung begleichen? Bitter. Insbesondere bei den Preisen in der Gastronomie nach der Euro-Einführung.

Ich frage mich, ob solche Spesenregelungen dann auch bald Unterscheidungsmerkmale sein werden, wonach sich hochqualifizierte und begehrte Leute ihre Arbeitgeber aussuchen. Entsprechende Wettbewerbe und Ranking-Urheber wie "Best places to work" oder "Beste Arbeitgeber" sollten die Spesenregeln der Unternehmen vielleicht gleich mit in ihre Kriterienkataloge aufnehmen. Schließlich kann so eine Rechnung in einer Großstadt zum Beispiel für eine Gruppe Japaner samt Wein - der in deren Augen vom Preis her keine Beleidigung darstellt - auch durchaus einen Gutteil des Nettogehalts ausmachen. Und dass man das Finanzamt an so einem Posten (wenigstens teilweise) beteiligen kann, später bei den Werbungskosten, das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Dessen Argument kann ich mir schon jetzt lebhaft vorstellen: "Sie haben einen Anspruch auf Erstattung. Warum klagen Sie nicht gegen Ihr Unternehmen." So wird die Finanzamt-Argumentation lauten.

Hin wie her: Belohnen fürs Nichtrauchen oder Nicht-mehr-Rauchen ist in Ordnung, meinetwegen auch vom Arbeitgeber. Aber sonstige Erziehungsmaßnahmen, insbesondere mit derartigen Bestrafungsaktionen, (und schon gar nicht über Gehaltskürzungen, sprich übers Portemonnai) hat man nach Vollendung des 18.Lebensjahres hierzulande normalerweise hinter sich gelassen.

PS: Kosequent zu Ende gedacht sollte Ergo vielleicht auch keine Benzinkosten für Dienstreisen mehr erstatten, die mit dunkelfarbigen Autos unternommen werden. Schließlich soll ja erwiesen sein, dass helle Autos besser gesehen werden und Unfälle bei denen seltener sind.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.07.2008, 04:33 UhrAnonymer Benutzer: Michael Weber

    Mein Auto hat zwar keinen Aschenbecher, aber zum Januar
    kriegt es einen schönen neuen Vertrag.Es reicht!
    Michael Weber

  • 28.07.2008, 04:52 UhrAnonymer Benutzer: jennicar

    @Timo: ich frage dann offen: wollen Sie meinen Vertrag übernehmen?
    Das ist doch eine allenpassende Lösung:
    Lassen Sie doch die E-Mail-Adresse von ihnen hier stehen. ich will ja schließlich kündigen. Sie wollen die Gruppe und deren Methoden unterstützen. ERGO will sich ja auch freuen?! Also: wo liegt das Problem ?!

  • 27.07.2008, 16:06 UhrAnonymer Benutzer: Timo

    Die Nikotinsüchtigen, die sich hier echauffieren, haben doch sowieso keine Verträge bei der Ergo-Gruppe, weil ihr budget durch den Kippenbedarf aufgezehrt ist.
    Auf die Orthographischen Delikatessen von "heiki ott" und "Serejenkov" brauche gar nicht erst eingehen, da kann sich jeder selbst ein bild davon machen.

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