Kurs-Gewinn-Verhältnis: Der schöne Schein des KGV

Kurs-Gewinn-Verhältnis: Der schöne Schein des KGV

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Das Kurs-Gewinn-Verhältnis eines Unternehmens kann in die Irre führen

Für viele Aktionäre gehört das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) zu den wichtigsten Kennzahlen börsennotierter Unternehmen. Bei der Anlageentscheidung kann es jedoch schnell in die Irre führen.

Mehrere Hundert Seiten dicke Bilanzen zu lesen ist nicht jedermanns Sache. Seit Jahrzehnten orientieren sich Investoren, auch viele Profis deshalb vor allem am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – dem anteiligen Gewinn, den ein Unternehmen je Aktie erwirtschaftet und den dieses dem Anleger netterweise auch noch selbst vorrechnet. Der Haken: Kaum eine Kennzahl ist leichter zu beeinflussen als das KGV. „Ein schlüssiges Konzept, was Gewinn ist und was nicht, gibt es nicht. Das hilft mitunter natürlich Unternehmen, wenn sie es denn wollen, ihre Ergebnisse in einem besseren Licht darzustellen“, so Thomas Kaiser, Chef der Unternehmensanalyse bei der Landesbank Baden-Württemberg.

Viele Unternehmen rechnen ihre Zahlen schön und lassen vermeintlich nur außer der Reihe auftretende negative Einflüsse außen vor. Geschönte Gewinne halten das Kurs-Gewinn-Verhältnis unten, die Aktie ist scheinbar günstig zu haben. So präsentierte Arcandor in ihrem letzten Quartalsbericht ein um „Sonderfaktoren und Desinvestitionen“ bereinigtes Ergebnis je Aktie. Selbst ein fair berechnetes KGV – auf Basis des tatsächlichen Nettogewinns inklusive aller vermeintlichen Sonderposten – kann Anleger noch täuschen. Schieben Unternehmen eigentlich notwendige Abschreibungen auf die lange Bank oder packen sie Verluste aus ihrem Altersvorsorgemanagement in ihr Eigenkapital statt in die Gewinnrechnung, sieht das KGV besser aus, als es der tatsächlichen Ertragskraft des Unternehmens entspricht.

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Vorsicht Falle

Investoren, die nur auf das KGV achten und nicht auch Wertveränderungen des Eigenkapitals, Verschuldung und Mittelzuflüsse mit in ihr Anlagekalkül einbeziehen, laufen also oft in eine Falle. Aktuell sind die 30 Unternehmen im Dax mit dem 13-Fachen ihrer künftig erwarteten Jahresgewinne bewertet – etwas günstiger als im historischen Durchschnitt, der in den vergangenen 20 Jahren bei gut 15 lag.

Doch so billig sind die Aktien in der Realität nicht. Analysten unterstellen einen Zuwachs der Gewinne der Dax-Unternehmen von im Schnitt rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Angesichts von Rezession und Quartalsverlusten etwa bei Daimler oder ThyssenKrupp wirkt diese Annahme zum Gewinnzuwachs unrealistisch. Gemessen am freien Cash-Flow – den Mittelzuflüssen minus der für Investitionen verwendeten Gelder –, sind die Dax-Werte keineswegs günstig. Sie kosten im Schnitt den 5,7-fachen freien Mittelzufluss des laufenden Jahres und liegen damit nur einen Hauch unter dem Durchschnittswert der letzten 20 Jahre von 6,0.

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