Japan

In der Vergangenheit wurde das ökonomische System Japans oft als Symbol für eine verlorene Dekade herangezogen, gekennzeichnet durch eine erstarrte Wirtschaftsstruktur, niedrige Wachstumsraten und vor allem durch Deflation. Lediglich die anziehenden Rohstoff- bzw. Erzeugerpreise haben in 2006 und 2007 dafür gesorgt, dass in Japan so etwas wie der Ansatz einer inflationistischen Entwicklung entstand, welche durch die Weltwirtschaftskrise wieder regelrecht abgewürgt wurde.
Ausgelöst durch die Immobilien- und Bankenkrise in den 1990er Jahren wurde die Volkswirtschaft auf eine harte Probe gestellt. Wie damals wurden auch in der aktuellen Weltwirtschaftskrise die Geldkanäle, so weit nur irgend möglich, geöffnet. Dies führte dazu, dass Japan bis heute, gemessen am BIP, einer nahezu 200-prozentigen Haushaltsverschuldung ausgesetzt ist.
Zurückhaltung der Konsumenten
Der Konsument hielt sich in den vergangenen zehn Jahren massiv zurück. Warum auch nicht? Wenn die Preise fallen, wird es in der Zukunft immer attraktivere Zeitpunkte für eine Anschaffung geben. Das entspricht der ökonomischen Rationalität.
Trotz der milliardenschweren Konjunkturpakete und den monetären Stützungen des japanischen Staates konnte der deflationäre Trend nicht aufgehalten werden. Die Maßnahmen verpufften regelrecht im Dickicht der japanischen Marktstruktur. Dies führte zu einer asymmetrischen Wertschöpfungskette, da der im Inland erstellte Produktionswert in großen Teilen als Exportgut ins Ausland weitergereicht wurde. Das wiederum führte dazu, dass die Handelsbilanzüberschüsse, seit den neunziger Jahren bis zum Krisenjahr 2008, hohe dreistellige Milliardensummen (in Yen) aufwiesen. Mit der Folge, dass Japan weltgrößter Gläubiger wurde und nach China über die größten Währungsreserven der Welt (1 Billion Dollar) verfügt.
Japans Gesellschaft altert
Woher soll die Wertschöpfungskette in Japan neuen Antrieb bekommen? Und vor allem: Wie soll man zukünftigen Generationen erklären, dass sie horrende Steuerlasten zu tragen haben? Diese strukturellen Probleme werden durch die demographische Entwicklung sogar noch verschärft, da die Geburtenrate seit vielen Jahren rückläufig und unter 1,3 Kinder pro Frau gesunken ist. Dennoch gelten weder die japanischen Immobilienmärkte als sonderlich überbewertet, noch werden die Haushalte aufgrund einer hohen Verschuldung zu weniger Konsum gezwungen. Trotzdem ist es Fakt, dass der Konsument keine wirklichen Konsumbeiträge leistet, obwohl die Sparquote gerade der älteren Generation rückläufig ist. Festzuhalten bleibt, dass die ökonomische Grundproblematik in Japan nach wie vor der gänzlich schwache private Verbrauch sowie die horrende funktionale Abhängigkeit zum Export sind.









