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Ländervergleich: Deutschland und Japan – ihre verlorenen Jahrzehnte

von Markus Zschaber und Vermögensverwalter in Köln

Japan und Deutschland, die Wirtschaftswunderländer der Nachkriegszeit, befinden sich wieder Seite an Seite - in der Krise. Ein Vergleich von Gastautor Markus Zschaber, Vermögensverwalter in Köln.

Japan

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Japanische Schulmädchen Quelle: dpa/dpaweb
Japanische Schulmädchen schwenken Deutschland-Fähnchen Quelle: dpa/dpaweb

In der Vergangenheit wurde das ökonomische System Japans oft als Symbol für eine verlorene Dekade herangezogen, gekennzeichnet durch eine erstarrte Wirtschaftsstruktur, niedrige Wachstumsraten und vor allem durch Deflation. Lediglich die anziehenden Rohstoff- bzw. Erzeugerpreise haben in 2006 und 2007 dafür gesorgt, dass in Japan so etwas wie der Ansatz einer inflationistischen Entwicklung entstand, welche durch die Weltwirtschaftskrise wieder regelrecht abgewürgt wurde.

Ausgelöst durch die Immobilien- und Bankenkrise in den 1990er Jahren wurde die Volkswirtschaft auf eine harte Probe gestellt. Wie damals wurden auch in der aktuellen Weltwirtschaftskrise die Geldkanäle, so weit nur irgend möglich, geöffnet. Dies führte dazu, dass Japan bis heute, gemessen am BIP, einer nahezu 200-prozentigen Haushaltsverschuldung ausgesetzt ist.

Zurückhaltung der Konsumenten

Der Konsument hielt sich in den vergangenen zehn Jahren massiv zurück. Warum auch nicht? Wenn die Preise fallen, wird es in der Zukunft immer attraktivere Zeitpunkte für eine Anschaffung geben. Das entspricht der ökonomischen Rationalität.

Trotz der milliardenschweren Konjunkturpakete und den monetären Stützungen des japanischen Staates konnte der deflationäre Trend nicht aufgehalten werden. Die Maßnahmen verpufften regelrecht im Dickicht der japanischen Marktstruktur. Dies führte zu einer asymmetrischen Wertschöpfungskette, da der im Inland erstellte Produktionswert in großen Teilen als Exportgut ins Ausland weitergereicht wurde. Das wiederum führte dazu, dass die Handelsbilanzüberschüsse, seit den neunziger Jahren bis zum Krisenjahr 2008, hohe dreistellige Milliardensummen (in Yen) aufwiesen. Mit der Folge, dass Japan weltgrößter Gläubiger wurde und nach China über die größten Währungsreserven der Welt (1 Billion Dollar) verfügt.

Japans Gesellschaft altert

Woher soll die Wertschöpfungskette in Japan neuen Antrieb bekommen? Und vor allem: Wie soll man zukünftigen Generationen erklären, dass sie horrende Steuerlasten zu tragen haben? Diese strukturellen Probleme werden durch die demographische Entwicklung sogar noch verschärft, da die Geburtenrate seit vielen Jahren rückläufig und unter 1,3 Kinder pro Frau gesunken ist. Dennoch gelten weder die japanischen Immobilienmärkte als sonderlich überbewertet, noch werden die Haushalte aufgrund einer hohen Verschuldung zu weniger Konsum gezwungen. Trotzdem ist es Fakt, dass der Konsument keine wirklichen Konsumbeiträge leistet, obwohl die Sparquote gerade der älteren Generation rückläufig ist. Festzuhalten bleibt, dass die ökonomische Grundproblematik in Japan nach wie vor der gänzlich schwache private Verbrauch sowie die horrende funktionale Abhängigkeit zum Export sind.

Zu diesem Artikel
16 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.01.2010, 00:46 UhrAnonymer Benutzer: Arbeitsloser

    Der Autor hat die Entwicklungen in beiden Ländern gut und treffend beschrieben. Das Fazit hinsichtlich der Reformmüdigkeit halte ich aber für bedenklich. Was dort beschrieben wird zeigt in meinen Augen die Lernfähigkeit der Länder, Fehlentwicklungen zu korrigieren. Privatisierung und Liberalisierung haben die bürger in den letzten Jahren sehr viel Geld gekostet. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, aber nicht um diesen irrweg fort zu führen, sondern um die Schäden zu beheben.

  • 28.01.2010, 23:00 UhrAnonymer Benutzer: Seppl

    Tja. irgendwann ist das Spiel aus. Da hilft auch kein Export mehr.
    in einem Zineszinssystem das auf exponentielles Wachstum angewiesen ist, ist irgendwann mal schicht im schacht. Da kann sich der Japaner und der Deutsche anstrengen wie er will. Gegen die Mathematik hat er keine Chance. Wenn Deutschland und Japan noch ihr sauer verdienten Kapitalstock verlieren dann sind beide Länder bald da wo die Rumänen schon heute sind. So wirds kommen beide Länder werden erst viel zu spät aufwachen und dann ist ihr Geldvermögen über die Wupper den Joran und den Rhein. Schützen sie ihr Geld! Gehen sie in physische Rohstoffe. Gute infos bekommen sie hier. informieren sie sich umgehenst über das Geldsystem.
    http://das-bewegt-die-welt.de/

  • 28.01.2010, 14:13 UhrAnonymer Benutzer: Schlossgeist

    Ein sehr instruktiver und plastisch gestalteter Artikel über ein nicht überall verfügbares Thema. Nur das mit den lediglich 90 Prozent Verschuldung Deutschlands ist wohl nur vorläufig. Deutschland wird in dieser beziehung wohl rasch aufholen. Auffällig bei beiden Ländern ist in der Tat die extrem hohe und fatale Anfälligkeit für Störungen im Exportgeschäft. Man vernachlässigt - insbesondere in Deutschland - die binnenkaufkraft zugunsten von Lohndumping (um höchstmögliche Konkurrenzfähigkeit zu sichern) und geht dabei ungeahnte Risiken für die Zukunft ein. Das kurzfristige, einseitig neoliberal-dogmatische Denken muss ein Ende haben.

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