Legende Peter Drucker: Lehren vom Management-Guru

Legende Peter Drucker: Lehren vom Management-Guru

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Management-Vordenker Peter F. Drucker starb 2005 im Alter von 95 Jahren

Was Vordenker Peter Drucker uns heute noch zu sagen hat – Impressionen vom 2. Peter-Drucker-Forum in Wien.

Er wies als erster auf die zentrale Bedeutung von Innovation und Marketing für Unternehmen hin, predigte die zentrale Rolle des Kunden, die Vorteile von Zielvereinbarungen und dezentraler Entscheidungen und beschrieb schon früh die Entstehung der Wissensgesellschaft und die Notwendigkeit lebenslangen Lernens: Peter Drucker (1909-2005) gilt als Begründer der Managementlehre. Und einer der letzten Universalgelehrten unserer Zeit. Unternehmen und ihre Manager, so eine seiner zentralen Aussagen, haben nicht nur die Aufgabe, Gewinn abzuliefern – sie  haben eine Verantwortung für die Gesellschaft, die sie wesentlich mitgestalten.

Wie aber muss nachhaltiges Management in turbulenten Zeiten aussehen? Welche Herausforderungen gilt es zu meistern in einer Welt, die sich mit rasanter Geschwindigkeit verändert? Fragen, die sich die Teilnehmer des 2. Peter-Drucker-Forums  in Wien stellen – der Stadt, in der Drucker vor 101 Jahren geboren wurde, bevor er über Frankfurt und London Ende der 1930er Jahre in die USA emigrierte.

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"Drucker hat nichts an seiner Modernität eingebüßt, weil er an die Grundlagen geht", sagt Richard Straub, Präsident der europäischen Drucker Gesellschaft. "Er hat immer hinter die Dinge geschaut, hat schon früh Entwicklungen gesehen, die anderen verborgen geblieben sind."

Etwa die rasante Ausbreitung der Wissensgesellschaft. Die allerdings sei durch das Internet eher gefährdet denn gestützt, warnt Andrew Keen. "Jeder gilt heute als Experte, weil er seine Meinung problemlos publizieren kann", klagt der britische Bestsellerautor, "ein Oxford-Professor genauso wie ein 15-jähriger Bengel." Die Bedeutung von Meinung werde heute in Freunden und Followern gemessen – die ersten Auswüchse seien schon sichtbar: Menschen wie Sarah Palin seien es, die perfekt die Macht der Netzwerke nutzten. "Sie ist stolz auf ihre Wissenslücken und redet den Leuten nach dem Mund – wollen Sie solche Autoritäten?"

Oder lieber solche wie den Multi-Unternehmer Simon Liang? Der 47-jährige Chinese hat innerhalb weniger Jahre einen Mischkonzern aufgebaut, der in der Ölförderung, dem Schiffbau, im Immobiliensektor, im Einzelhndel, im Umwelt- und im Bildungsbereich tätig ist. Eine nur auf den ersten Blick ungewöhnliche Mischung: "Es geht doch immer ums Gleiche: Die Suche nach guten Gelegenheiten, Geld (ist nie ein Problem) und die richtigen Mitarbeiter – das ist Unternehmertum", sagt Liang. Und erinnert an ein Motto des früheren chinesischen Staatschefs Mao Zedung: Ob rot, ob schwarz  – welche Farbe die Katze hat, spielt keine Rolle – Hauptsache, sie fängt viele Mäuse."

Auch wegen Erfolgsstorys wie diesen steht für Matthias Horx fest: "Wir brauchen einen neuen Innovationsbegriff." Nicht nur weg von einer Verengung auf technologischen Fortschritt hin zu einer wesentlichen Weiterentwicklung unserer Sozialsysteme, neuen Ideen für die Organisation von Politik, Bildung, Gesundheit. Sondern einen intensiveren Blick auf das Innovationspotenzial, das in Ländern wie China und Indien, Brasilien oder Bangladesh schlummert. Und Lösungen bereit hält, von denen die verkrustete Industriegesellschaft der westlichen Welt profitieren können.

"Vielleicht leiden wir nicht genug, um auf die wirklich wichtigen Innovationen zu kommen", sagte Liisa Välikangas, Professorin für Management an der Aalto University in Helsinki. Einfachere Lösungen seien gefragt – so, wie sie sie neulich bei einer Reise durch Brasilien und einem Besuch der Slums von Rio de Janeiro beobachten konnte: "Diese Leute werfen nichts weg, alles wird wieder und wieder benutzt – diese Art von Intelligenz ist beeindruckend." Und könne auch den Gesellschaften des besser entwickelten Teils der Welt helfen – gerade in Krisenzeiten: So habe der französische Nahrungsmittelkonzern Danone für die Bevölkerung in Bangladesh einen Joghurt entwickelt, der weniger stark gekühlt werden müsse und in kleineren Portionen produziert werde als etwa für europäische oder nordamerikanische Verbraucher. Ein Produkt, das inzwischen auch in hiesigen Kulturkreisen ein Erfolg ist: In französischen Supermärkten ist der kleine Joghurt ein Verkaufsschlager. "Nur Unternehmen, die solche Innovationen schaffen", sagt Välikangas, "haben langfristig Zukunftschancen."

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