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Lohnendes Sponsoring: Das Millionenspiel Eurovision Song Contest

von dapd Quelle: Handelsblatt Online

Wenn am 14. Mai in Düsseldorf Lena ihren ESC-Titel verteidigt, versprechen Millionen von Zuschauern stattliche Einnahmen. Sponsoren sind handverlesen, mit im Boot: die dortigen Dax-Konzerne. Der Wirtschaftsfaktor ESC.

Die Sponsoren des Eurovision Song Contest erreichen über Lenas Titelverteidigung rund 100 Millionen Menschen. Quelle: handelsblatt.com
Die Sponsoren des Eurovision Song Contest erreichen über Lenas Titelverteidigung rund 100 Millionen Menschen. Quelle: handelsblatt.com

ARD-Unterhaltungschef Thomas Schreiber verspricht den Zuschauern des Eurovision Song Contests (ESC) eine atemberaubende Show. „Wir wollen in der Arena in Düsseldorf eine Show auf die Bühne bringen, die wirklich zeitgenössische Unterhaltung ist“, sagte der Teamchef der ARD für den Gesangswettbewerb im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd. Während die 35.000 Menschen in der Halle eine riesige Party feierten, solle diese Atmosphäre auch bei den Fernsehzuschauern ankommen, „sodass am Ende alle ihren Spaß haben“, sagte Schreiber.

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Trotz langjähriger Erfahrung geht der Unterhaltungschef mit einer gewissen Portion Ehrfurcht an die Ausrichtung des Song Contests heran. „Das ist für alle Beteiligten die größte Show, die sie jemals gemacht haben“, sagte Schreiber. Niemand habe bislang an einer Show mitgewirkt, die weltweit von 120 Millionen Fernsehzuschauern gesehen werde und mit 43 Teilnehmerländern größer sei als die Fußballweltmeisterschaft. Die Rolle Deutschlands entspreche dabei der eines Dienstleisters, der Gäste empfange und ihnen optimale Arbeitsbedingungen bieten wolle. „Am Ende soll sich ein französischer Solist auf dieser Bühne genauso wohlfühlen wie eine türkische Rockband oder ein slowenischer Punker“, sagte Schreiber.

Als Ausrichter der Show stellt die ARD rund 12,1 Millionen Euro bereit. „Das ist ohne Frage eine Menge Geld“, sagte Schreiber. Dennoch liege das deutsche Fernsehen damit ein Viertel unter der Summe, die im vergangenen Jahr von den norwegischen Kollegen für den ESC in Oslo gezahlt worden sei. Zusätzliche Einnahmequellen bildeten die Teilnahmegebühren der Länder, Gelder aus dem Ticketverkauf und Sponsorenerlöse.

Über Geld spricht man allerdings nicht: Das gilt besonders für die Sponsoren des Eurovision Song Contest (ESC). Neben dem Ticketverkauf gehören Einnahmen durch Sponsoren zu den „weiteren Einnahmequellen“ des größten europäischen Gesangswettbewerbs, für den in diesem Jahr der NDR federführend ist. Bekannte Namen wie Metro, Schwarzkopf und Lufthansa zählen zu den kommerziellen Partnern des Grand Prix in Düsseldorf.

Details zu der finanziellen Größenordnung des Engagements werden allerdings nicht genannt. „Wie in solchen Fällen üblich machen wir dazu keine Angaben, da die mit unseren Partnern geschlossenen Verträge einer Vertraulichkeit unterliegen“, sagt etwa ein Sprecher der Lufthansa, die als „offizielle Airline“ beim ESC firmiert.

Die zum Düsseldorfer Konsumgüterunternehmen Henkel gehörende Marke Schwarzkopf trat bereits beim ESC 2009 in Moskau als Sponsor auf. Als „alleiniger Presenting Partner“ des Eurovision Song Contest 2011 erhalte Schwarzkopf „für die Events in Deutschland umfassende europaweite Rechte in Bezug auf Medien, Partnerschaften, Events und Neue Medien“, heißt es beim Konzern.

Der ESC gehöre tatsächlich „zu den wenigen TV-Sendungen, die tatsächlich europaweit und zur Hauptsendezeit über das frei empfangbare Eurovision-Satellitennetzwerk und inzwischen auch online übertragen werden“. Die drei Shows erreichten 100 Millionen Zuschauer in Europa und darüber hinaus. „Mit ein Grund für Henkel, sich mit der Marke Schwarzkopf für das Sponsoring beworben zu haben.“ Unter anderem ein von Karl Lagerfeld gestalteter „mobiler Haar-Tempel“ soll in Düsseldorf vier Wochen lang bis zum 14. Mai auf den „offiziellen internationalen Beautypartner“ des ESC aufmerksam machen.

Auch die ebenfalls in Düsseldorf ansässige Metro Group darf sich in diesem Jahr „offizieller Partner“ nennen. Damit hat Deutschlands größter Handelskonzern die Genehmigung, mit dem Logo des ESC zu werben. Die Großmarktsparte Cash & Carry tritt zudem als Lieferant des Gesangswettbewerbs in Erscheinung. Sowohl das Catering für Künstler, Mitarbeiter und Journalisten hinter der Bühne als auch die Verkaufsstände für die Zuschauer in der Arena werden von den Großverbrauchermärkten versorgt. Während der Aufbauarbeiten wurden bislang schon rund 1.000 argentinische Rumpsteaks, 250 Kilogramm Spareribs und 120 Kilogramm Äpfel geliefert.

Nicht nur weil der Song Contest in diesem Jahr am Düsseldorfer Unternehmenssitz des Handelskonzerns über die Bühne geht und der internationale Charakter der Unterhaltungsshow genutzt werden soll, tritt die Metro als Partner auf. Auch auf den großen Stellenwert, den der ESC in vielen osteuropäischen Ländern hat, zielt der Konzern ab. „Osteuropa ist neben Asien eine unserer wichtigsten Wachstumsregionen“, sagt eine Metro-Sprecherin. Insgesamt sei der Konzern in 23 der 43 Teilnehmerländer mit Märkten vertreten.

Ganz bestimmte Erwartungen an ihr ESC-Engagement hat auch Europas größte Fluggesellschaft, unter anderem „den Lufthansa-Standort Düsseldorf zu stärken“ und die „mit dem Event verbundene Präsenz nutzen, um neue Zielgruppen zu erschließen und mehr Passagiere zu Lufthansa zu bringen“. Als „Official Airline Partner“ sei die Lufthansa mit einer „Vielzahl von Aktivitäten“ präsent, am Flughafen, in der Stadt und im Internet, betont der Sprecher. Dazu zählen eine „vergünstigte Anreise“ für ESC-Fans und eine Boeing 737-500 mit einer „Sonderbeklebung im Eurovision Song Contest-Look“, die ab Ende April zwischen Düsseldorf und den Metropolen Europas pendelt.

Um einen reibungslosen Transport der 43 Delegationen innerhalb der Stadt sicherzustellen, hat der Eurovision Song Contest auch einen „Logistikpartner“. Der Münchner Fahrzeughersteller MAN hat sich diesen Titel gesichert und liefert dafür 43 spezielle ESC-Busse nach Düsseldorf. „So oft hat man nicht die Gelegenheit, eine solche Großveranstaltung zu unterstützen“, sagt MAN-Sprecher Detlef Hug. Die in der Türkei gefertigten Reisebusse werden thematisch zum Song Contest lackiert und mit dem Logo des Wettbewerbes bedruckt.

Auch wenn der diesjährige Song Contest am späten Abend des 14. Mai wieder Geschichte sein wird und die Delegationen dann zurück nach Hause fahren, werden die ESC-Busse nicht ganz verschwinden. „Wir gehen davon aus, dass sie kurz nach der Veranstaltung alle veräußert werden“, sagt Hug. Schon jetzt gebe es mehrere Kaufinteressenten für die Fahrzeuge. Manche wollten sogar die aufgeklebten Logos und Fahnen auf den Bussen lassen, um das „positive Image“ des Song Contest zu nutzen.