Eigentlich kann hier nichts schiefgehen. Vor der Tür zum Balkon wacht ein "guter Geist", wie Lovro Mandac die große Holzskulptur nennt. An der Türklinke zum Nachbarbüro hängt ein Schutzengel, und auf dem Beistelltisch vor dem Bücherregal thront eine kleine Puttenfigur. Bisher konnte der Chef der Warenhauskette Kaufhof auf solch überirdischen Beistand verzichten. Während bei der Konkurrenz die Chefs mitunter schneller wechseln als das Sortiment, hält Mandac seit 14 Jahren die Stellung in der Kölner Kaufhof-Zentrale. Vielleicht haben auch deshalb ein paar Sand- und Wasseruhren einen Platz auf seinem Schreibtisch erobert. Der Tisch selbst ist „ein Relikt aus alten Zeiten“, sagt der Kaufhof-Chef. Wie die meisten Möbel steht er seit Mandacs Amtsantritt im Büro. Die Lampe ist allerdings jüngeren Datums. Dank eines Sensors, der auf Körperwärme reagiert, schaltet sie sich automatisch ein, wenn Mandac morgens gegen 7.45 Uhr den Raum betritt und sich daranmacht, den Warenhauskonzern mit 141 Filialen und 18000 Mitarbeitern zu dirigieren. 3,5 Milliarden Euro trug Kaufhof 2008 zum Umsatz des Mutterkonzerns Metro bei – 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr. „Die wahre Freude“ lässt sich daher weniger in den Bilanzen als hinter Mandacs Schreibtisch finden. Zumindest heißt so die in Pastelltönen gehaltene Arbeit des Künstlers Imi Knoebel. Auch das bunte Metallquadrat an der Wand hinter der Sitzgruppe stammt von ihm. Im Regal daneben stapeln sich alte Bände des Englisch-Wörterbuchs "Der große Eichborn".
Text: Henryk Hielscher, Foto: Peter Stumpf für WirtschaftsWoche