Management: Die Herausforderungen der Top-Manager für 2010

Management: Die Herausforderungen der Top-Manager für 2010

Tal der Tränen, schwarze Löcher, tiefrote Zahlen: 2009 bleibt in Erinnerung als Jahr der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Höchste Zeit, um über neue Wege nachzudenken – ob beim Marketing oder bei Gehaltssystemen, bei Innovationsprozessen, bei der Personalarbeit oder der Unternehmenskontrolle. Welche Herausforderungen 2010 auf Top-Manager warten.

Aufsichtsräte : Such den Profi

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Managementtrends 2010: Bei Aufsichtsräten sind Profis gesucht!

Er gilt als Schlüsselfigur beim Aufbau der deutschen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg, saß über Jahrzehnte an den Schalthebeln der wichtigsten deutschen Unternehmen – als Vorstandssprecher der Deutschen Bank, aber auch als Aufsichtsrat wichtiger deutscher Unternehmen. Bis zu 30 Kontrollmandate hatte Hermann Josef Abs in den Sechzigerjahren inne, davon 20 als Vorsitzender des Gremiums. Sorge, dass er angesichts dieser Ämterhäufung den Überblick verlieren, den Unternehmen, aber auch sich selbst schaden könnte, hatte er nicht. Schließlich, so Abs, sei es „leichter, eine eingeseifte Sau am Schwanz zu packen als einen Aufsichtsrat zur Verantwortung zu ziehen“.

Gewissheiten wie diese, die als inoffizielle Jobbeschreibung für Firmenkontrolleure jahrzehntelang als sakrosankt galten, haben nun ausgedient. Vorbei die Zeiten, in denen sich Firmenkontrolleure frühestens im Fond ihrer Dienstlimousine auf der Fahrt zur Aufsichtsratssitzung ein paar Minuten mit der Lage des Unternehmens befassten, dessen Zukunft sie mitgestalten sollten – mithilfe von Unterlagen, die ihnen der Vorstand zusammenstellen ließ, den sie eigentlich kontrollieren sollen. Um dann in gemütlicher Runde die Beschlussvorlagen kurzerhand abzunicken.

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Berufsaufsichtsrat gefordert!

Künftig ist Schluss mit lustig – der Druck auf Aufsichtsräte steigt. Die Finanzkrise machte deutlich: Vorstandsversagen geht oft einher mit Versagen des Aufsichtsrats. Wirksame Kontrolle ist deshalb wichtiger denn je. „Wir brauchen einen Berufsaufsichtsrat“, sagt Ulrich Hocker, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. „Die Anforderungen an das Amt steigen, die Verunsicherung ist groß.“

Denn Aufsichtsräte müssen künftig hohe Kompetenz mitbringen. So fordert das im Sommer verabschiedete Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG), dass dem Gremium künftig ein unabhängiger Finanzexperte angehören muss. Hinter dessen Kompetenz sich die übrigen Aufsichtsratsmitglieder aber nicht verstecken dürfen. Denn die Entscheidung etwa über die Vergütung des Vorstands wird künftig vom Fachausschuss in den gesamten Aufsichtsrat verlagert. Der muss laut BilMoG künftig auch stärker darauf achten, dass der Vorstand ethische Standards einhält. „Ethik ist genauso ein zentraler Faktor nachhaltiger Unternehmensführung wie Arbeits- und Sozialstandards“, sagt Jürgen Kunz, Corporate-Governance-Experte der Managementberatung Kienbaum. Es gelte, „messbare Kriterien und ein stringentes, mit der Unternehmensstrategie konformes Wertegerüst“ zu entwickeln.

Aufsichtsräte haften mit ihrem Vermögen

Auch wenn es derzeit noch kein Unternehmen zugibt: Diese Anforderungen werden hinter den Kulissen zu einem heftigen Stühlerücken führen. Denn in den kommenden Monaten gilt es, den Aufsichtsrat schrittweise umzubauen, um in dem Gremium alle nötigen Kompetenzen und Interessengruppen abzubilden. Für die zunehmend komplexen Kontrollaufgaben geeignete Kandidaten zu finden ist kein Zuckerschlecken – vor allem für kleinere Unternehmen, deren Aufsichtsrat oft nur sechs Mitglieder umfasst. „Die Suche nach guten Aufsichtsräten“, sagt DSW-Sprecher Hocker, „gleicht immer mehr einer Quadratur des Kreises.“

Was mit weiteren Verschärfungen der Gesetzeslage zusammenhängt: War es bislang immer noch weitgehend üblich, dass aus dem Amt scheidende Vorstandsvorsitzende nahtlos auf den Thron des Aufsichtsratsvorsitzenden rutschen, müssen sie künftig zwei Jahre warten, um überhaupt einen Platz im Kontrollgremium zu erhaschen.

Neben höheren Kompetenzen könnten Aufsichtsräte künftig auch einen dicken Geldbeutel gut gebrauchen: Genehmigen sie dem Vorstand ein Gehalt, das dessen Leistung nicht angemessen ist, haften sie für den Schaden mit ihrem eigenen Vermögen. Da wäre wohl auch Altmeister Abs das Lachen vergangen.

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