Management-Experte Becker: Selbstausbeutung und echte Führungstugenden - Seite 3

Management-Experte Becker: Selbstausbeutung und echte Führungstugenden

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Wenn man eine nachhaltig erfolgreiche Organisationen will, ist das selbst-romantisierende Führungsideal eines John Wayne oder John Chambers fehl am Platz. Der Hebel liegt stattdessen in der Art und Weise, wie die Organisation als Ganzes geführt wird. So fordert Fredmund Malik in Anlehnung an den Nobelpreisträger Friedrich August von Hayek (1899-1992) drei zentrale Prinzipen:

Die Geschicke einer Organisation dürfen nicht von einzelnen Menschen anhängig seinJedermann, auch die Organisationsspitze, haben sich an Regeln zu halten, die nicht dem eigenen Einfluss unterliegenAuf Dauer spielt nicht die individuelle Spitzenleistung, i. S. e. herausragenden Einzelleistung sondern die Stetigkeit auf einem von Menschen für gewöhnlich zu erreichenden Niveau (Kontinuität) eine Rolle**.

Für den Heidelberger Mediziner Gunter Frank zählen zudem die klassischen Führungstugenden wie Transparenz, Fairness und Verlässlichkeit: Wenn die Mitarbeiter eingebunden sind, wenn ihre Kompetenz wertgeschätzt wird, wenn Sie angemessen gefordert werden und wenn sie die Rückmeldung bekommen, wie sie ihren Job gemacht haben, steigt das Leistungspotenzial. Kritisch wird es für ihn, wenn der Mitarbeiter das Gefühl hat, „es ist eh egal, was ich mache, meine Mitarbeit wird nicht wertgeschätzt, ich weiß nicht, wo der Kahn hinschippert und die Zahlenvorgaben sind eh komplett unrealistisch.“  Dann wird nicht nur der Mitarbeiter, sondern auf Dauer die ganze Organisation krank.

Ehrlich gesagt, hält sich mein Respekt für amerikanische Leasing-Manager, die dank dicker Aktienoptionen mit Netz und doppeltem Boden sowie einem Binnenmarkt von 308 Mio. Einwohnern und Finanzierungsinstrumenten, von denen die meisten europäischen Unternehmen nur träumen können, schnell eine dicke Lippe riskieren können, in Grenzen.

Wirklich Respekt habe ich vor dem Zahnarzt, dem Döner-Buden Besitzer oder dem Handwerksmeister, die trotz irrsinniger deutscher Bürokratie, sich vornehm zurückhaltenden Bänkern und eines undurchschaubaren paranoiden Steuersystems sich bis über beide Ohren verschulden, um ihrem Traum von Selbständigkeit zu verwirklichen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Literatur* Gunter Frank/Walter Kromm (2009): Unternehmensressource Gesundheit, Düsseldorf (Symposion)** Malik, F. (2001); Führen, Leisten, Leben 12.Aufl.: München 2001 (Heyne) nach: Hayek, F. A. (1971); Die Verfassung der Freiheit; Tübingen 1971

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9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.03.2010, 22:32 UhrAnonymer Benutzer: WolfgangMüller

    Was, sie machen schon Feierabend? Der typische Satz unseres Chefs. Ein frauenfeindlicher Sadist, der seine Machtspielchen genießt. Die Folge ist ein enorm hoher Krankenstand, den er natürlich in den Jahresabschlussgesprächen immer wieder bedauert. Zwei Kollegen sind im letzten Jahr am burnout erkrankt. Nach seiner Meinung hat das natürlich nichts mit den Arbeitsbedingungen zu tun. Er ist nicht fähig, Selbstkritik zu üben.
    Er verlangt von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vollen Einsatz bis zur Selbstaufgabe. Die Arbeit hat grundsätzlich Vorrang. Das gilt allerdings nur für uns. Er selbst geht seinen diversen Nebenbeschäftigungen nach und verschwindet daher häufig.
    Wir wissen, dass das vorgesetzte Ministerium von diesem unmöglichen Führungsstil weiß. Er fällt auch dort unangenehm auf. Aber es passiert nichts.
    Der Schaden, den dieser Mensch anrichtet, trägt die Allgemeinheit.

  • 12.03.2010, 12:19 UhrAnonymer Benutzer: JobStarter

    Der Artikel trifft genau ins Schwarze. Mein Kompliment.
    Als berufsanfänger traue ich ja heute kaum noch meinen Augen. Da schlägt allerorten die Hybris des Menschen voll durch: Die anderen sind vielleicht sterblich, ich aber nicht, ich kann ohne Probleme 18h arbeiten und wer nicht genau so gut ist, ist halt ein minderwertiger Schmarotzer (siehe auch meinen Vorredner "Leiter"). ich finde diese Einstellung aus vielen Gründen Problematisch: Sie ignoriert den beitrag, den "einfache" Arbeitnehmer zum Erfolg aller beitragen, spaltet die Gesellschaft subversiv in Über- und Minder-Leister und ist schlichtweg menschenverachtend.
    Natürlich arbeite ich auch mal gerne 14h und am Wochenende, wenn es sein muss. Aber eines ist mir noch viel wichtiger als Erfolg: Gesund und glücklich durch Leben zu schreiten – davon haben alle mehr …

  • 06.03.2010, 23:58 UhrAnonymer Benutzer: Ein Ausgebeuteter

    Nach dem Lesen dieses Artikels verestehe ich ein bisschen besser meinen Arbeitgeber: Aldi. Unrealistische Zahlenvorgaben, stets unterbesetzt und permanenter Leistungsdruck - im Grunde genommen Akkord-Arbeit. Lob gibt es nie von oben, immer nur Einläufe und Kritik.
    Doch die Leute lesen solch einen Artikel leider nicht. Es werden "ja nur Vorgaben der Zentrale weitergegeben".
    bzgl. Krankenstand: Na da gibt es Hausbesuche vom Chef, Stasi-System lässt grüßen

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