
Fehlleistung muss sich wieder lohnen: Als Citigroup-Chef Charles Prince vor wenigen Tagen seinen Rücktritt wegen des Hypotheken-Desasters in den USA erklärte, wurde ihm der Abschied mit rund 40 Millionen Dollar Abfindung erleichtert. Dafür hat Prince auch ganze Arbeit geleistet: Wenige Stunden nach seinem Abgang vermeldete die Bank, dass sie in Folge der Kredit-Krise mit weiteren Abschreibungen von bis zu elf Milliarden Dollar rechnet. Doch selbst bei seinen Abfindungsverhandlungen bewies Prince - wie so oft – wenig Fortune. Das belegt eine neue Erhebung des Beratungsunternehmens Corporate Library unter 16 US-Finanzinstituten. Der Lohn des Scheiterns liegt danach im Schnitt bei rund 66,4 Millionen Dollar und damit 20 Millionen über dem Citgroup-Abschiedstarif. Doch auch Ausreißer nach oben sind durchaus an der Tagesordnung. Top Ten der höchsten Abfindungen Bestes Beispiel: Stan O’Neal, der Ende Oktober von der Investment-Bank Merrill Lynch verabschiedet wurde. Der Banker verlässt das Institut mit einem Paket von 161,5 Millionen Dollar. Seine Leistung lässt indes ein wenig zu wünschen übrig: Als Folge der US-Finanzkrise musste die Investment-Bank bisher 8,4 Milliarden Dollar abschreiben. Mit 2,3 Milliarden Dollar fuhr die Bank zudem den höchsten Quartalsverlust ihrer Geschichte ein. Mit dem Ruhestands-Präsent von Merrill Lynch dürfte es O’Neal mühelos in die Top Ten der höchsten Abfindungen geschafft haben. Spitzenreiter ist dort der frühere Exxon-Chef Lee Raymond, der mit 351 Millionen Dollar in Pension ging. Aber immerhin stieg die Exxon-Aktie in der Amtszeit des Öl-Managers um durchschnittlich 13 Prozent pro Jahr. Dagegen sackte der Kurs des Pharmariesen Pfizer unter der Führung von Henry McKinnell um rund 40 Prozent ab. Dennoch vergoldete er seinen Abschied mit einem Mix aus Abfindungen, Boni, Urlaubsgeld und Aktien: Gesamtwert rund 200 Millionen Dollar. Im Januar feuerte Home Depot Bob Nardelli, der die US-Baumarktkette sechs Jahre lang mit eiserner Hand geführt hatte. Aktionäre mussten fassungslos mit ansehen, wie Nardelli zum Abschied 210 Millionen Dollar inklusive 20 Millionen Dollar Abfindung kassierte. Wenig später meldete die Kette einen Gewinnrückgang um fast 30 Prozent. Inzwischen darf Nardelli sein Glück beim Autobauer Chrysler versuchen. Sieg der Aktionäre Genugtuung erfuhren Aktionäre dagegen im Oktober 2006, als ein US-Gericht den früheren Chef der New Yorker Börse Nyse, Richard Grasso, zwang, 100 Millionen Dollar aus seinen exorbitanten Bezügen zurückzuzahlen. Grasso war im Herbst 2003 zurückgetreten, nachdem sein Gehalts- und Pensionspaket von 188 Millionen Dollar bekannt geworden war. Im November musste 2006 der Chef des Baukonzerns KB Home, Bruce Karatz, zurücktreten, nachdem eine Untersuchung ergeben hatte, dass Aktienoptionen unerlaubt zurückdatiert worden waren. Zwar erklärte er sich bereit, dem Unternehmen 13 Millionen Dollar zurückzuzahlen. Das hinderte ihn jedoch nicht, eine Abfindung von 175 Millionen Dollar einzustreichen. Hasch statt Hypotheken Und wer kann demnächst einen etwas üppigeren Ausstand feiern? Als heißer Kandidat gilt James Cayne, der 73 Jahre alte Chef der Investmentbank Bear Stearns. Cayne hat sich nicht nur durch das Hypotheken-Desaster qualifiziert, ihm wird auch ein bisweilen seltsamer Umgang bei der Krisen-Bewältigung vorgeworfen. So berichtete das „Wall Street Journal“, der Vorstandschef habe während einer kritischen Phase im Sommer, als zwei Hedge-Fonds der Bank in eine schwere Krise gerieten, lieber außerhalb seines Büros Golf und Bridge gespielt, statt sich um seinen Job zu kümmern. Aus Caynes privatem Umfeld soll zudem zu hören sein, der Banken-Veteran rauche ab und zu Marihuana. Cayne wies die Vorwürfe in einer E-Mail an seine Belegschaft zurück. Mehr dazu bei wiwo.de: Lohn des Scheiterns - in Bildern









