Microsoft mit Anleihe: Was will Microsoft mit den Milliarden?

KommentarMicrosoft mit Anleihe: Was will Microsoft mit den Milliarden?

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Der WirtschaftsWoche-Redakteur Christof Schürmann kommentiert die aktuelle Börsenentwicklung

Microsoft hat sich erstmals am Anleihemarkt verschuldet. Der Softwaregigant hat das Geld alles andere als nötig – es sei denn, er will endlich einen großen Konkurrenten schlucken.

Annähernd 99 Prozent haben Inhaber einer bis zum Jahr 2033 laufenden Anleihe des nahezu insolventen Autokonzerns General Motors verloren. Anleihegläubigern schuldet GM insgesamt 27 Milliarden Dollar. Sie sollen nun je 1000 Dollar Ursprungseinsatz mit 225 neuen GM-Aktien abgefunden werden. Hört sich gut an, würde am Ende aber bedeuten, dass die Gläubiger nur zehn Prozent an GM erhalten. Damit sie ihre 27 Milliarden wiedersehen, müsste der GM-Aktienkurs um 37 568 Prozent steigen. Kein Wunder, dass die meisten Gläubiger das Tauschangebot wohl ablehnen werden. GM dürfte in die Insolvenz gehen.

Dass Anleger mit Microsoft ein ähnliches Desaster erleben, ist nahezu ausgeschlossen. Das Unternehmen ist eines von nur noch sechs, denen die Ratingagentur Standard & Poor’s die Top-Bonität AAA zubilligt. Der Software-Monopolist hat sich erstmals über Anleihen finanziert. Die drei Papiere (Laufzeit 2014, 2019, 2039) über insgesamt 3,75 Milliarden Dollar wurden Microsoft aus den Händen gerissen, obwohl die Verzinsung mau ist. Selbst die Anleihe bis 2039 wirft nur eine Jahresrendite von fünf Prozent ab.

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Fragt sich, was Microsoft mit dem Geld will. Ein Unternehmen, das im vergangenen Geschäftsjahr einen freien Cash-Flow von 18,4 Milliarden Dollar erzielt hat, muss normalerweise kein Geld über Anleihen aufnehmen. Angeblich sollen für 40 Milliarden Dollar eigene Aktien zurückgekauft werden. Doch auch Microsoft sollte gemerkt haben, dass die Metamorphose von Cash in Aktien nichts bringt. Der Microsoft-Kurs liegt – trotz Aktienrückkäufen in der Vergangenheit – auf einem Zwölfjahrestief.

Übernahmespekulation

Bliebe natürlich die Spekulation auf eine Übernahme. Reflexartig wurde mit der Ankündigung der Microsoft-Anleihe-Emissionen der Kurs von SAP in Frankfurt nach oben getrieben. Mit einem 30-Prozent-Aufschlag auf den aktuellen Kurs müsste Microsoft für die Walldorfer 70 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. Das wäre der 23-fache jährliche operative Mittelzufluss, den SAP vergangenes Jahr schaffte. Ein bisschen viel.

Yahoo dagegen, schon mehrmals im Visier von Microsoft, würde plus 30-Prozent-Aufschlag derzeit 26,3 Milliarden Dollar kosten. Microsoft hat netto 23,3 Milliarden Dollar in der Kasse. Zusammen mit den frischen 3,75 Milliarden sind’s 27 Milliarden Dollar. Zufall?

Vielleicht wappnet sich Microsoft aber auch nur gegen Inflation. Wird das Geld weniger wert, sind Schulden gut. Deshalb, und weil ein weiterer Verfall des Dollar-Kurses droht, lohnen sich die Microsoft-Anleihen nicht. Dann schon lieber eine schnelle Spekulation mit Yahoo.

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