Musik: Neue CDs

Neue CDs.

Nick Cave: Dig!!! Lazarus Dig!!!

Die elektronische Mandoline ist ein wunderbares Instrument, sie klingt wärmer als eine E-Gitarre und kündet von Sehnsucht, Herz- und Weltschmerz, sobald man an ihr herumzupft. Natürlich hat Nick Cave ein besonderes Faible für den Mandocaster; zu oft und verzweifelt schön hat er die Wechselfälle der romantischen Liebe besungen („No more shall we part“), als dass er im sechsten Lebensjahrzehnt nicht wüsste, mit welchen Mitteln eine glänzend routinierte Einspielung über alle Liebeslagen gelingt. Also kommt der Mandocaster in sieben von elf rhythmisch robusten Stücken zum Einsatz – und sorgt neben einer Menge von Schlaginstrumenten und Elektro-Sounds (Loops, Feedbacks) für ein üppig instrumentiertes Schlechte-Laune-Fest. (Mute)

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Simone White: I am the Man

Mag ein Blick auf den Kalender uns auch vom Gegenteil überzeugen: Bis zum Frühling ist es noch weit, und für die grauen Stunden zwischendurch ist dieses Album eine Ohrenweide. So mild und lind, so sacht und sanft legt sich Simone Whites Stimme auf unser Novembergemüt, dass wir am Ende nichts anderes begehren als einen weiteren Regennachmittag. Und siehe da: Erst beim zweiten Hören fällt uns auf, dass Simone White nicht nur flüstert und wispert und dabei zärtlich ihre Gitarrensaiten streichelt, sondern dass sie dabei auch – harmonisch wie klangfarblich eindrucksvoll – von Piano, Bass und Cello sowie einem ausgewachsenen Bläserensemble begleitet wird. (Honest Jons)

Yael Naim: Yael Naim

Ob die Einführung des dünnen iBooks für Apple ein Erfolg wird, wird sich zeigen; für die Sängerin Yael Naim ist sie es auf jeden Fall. Hat doch angeblich Steve Jobs persönlich ihren Song „New Soul“ ausgesucht, um damit das iBook Air zu bewerben. Aus dem TV-Spot schaffte es der Song in die internationalen Charts. Dennoch ist Naims titelloses Album weit mehr als das hastig zusammengeschusterte Begleitprogramm für eine erfolgreiche Single. Vielmehr verzaubert die 29-Jährige mit einer Stimme, die Frohsinn wie Wehmut in Szene setzen kann – vorm Hintergrund einer klug und sparsam arrangierten Instrumentierung. (Warner)

Adam Green: Sixes & Sevens

Er kann klingen wie Frank Zappa, Elvis, Johnny Cash. Und doch ist Green nur ein freundlicher Verehrer solch’ tief räsonierender Stimmen; zu Greens Markenzeichen avancierte weniger sein Gesang als vielmehr seine Texte, die dank obskurer Wendungen das Hinhören lohnen. Für Sixes & Sevens hat Green 20 humorvolle Schmankerl zwischen Blues, Rock, Andenfolklore und Soul zusammengetragen; die allermeisten sind gerade einmal zwei Minuten lang. Er habe bislang noch keinen Drang verspürt, längere Songs zu schreiben, sagt Green. Macht nichts: Die bunte Tüte voller musikalischer Bonbons schmeckt vorzüglich. (rough trade)

Riccardo Chailly: Schumann, Sinfonien (Mahler-Edition)

Wenn man eine Komposition als Notentext versteht, dann gibt es auch in der Musik leichte und schwere Lektüren. Robert Schumann (1810–1856) gehört fraglos zu den Komponisten, deren Stil etwas sperrig ist und in dessen Orchesterwerke man sich erst „reinlesen“ muss. Das hat auch Gustav Mahler (1869–1911) so gesehen, der Schumanns Werk einem breiten Publikum bekannt machen wollte und dessen Kernaussagen in eine leichter verständliche Form brachte: 830 Revisionen nahm Mahler in Schumanns vier Sinfonien vor, die meisten betreffen Tempi und Klangfarben, steigern die Dramatik und Transparenz. Riccardo Chailly und das Gewandhausorchester Leipzig führen uns diese Änderungen beispielhaft vor und lassen den von Mahler lektorierten Schumann schön klingen wie nie zuvor. (Decca)

Sandrine Piau: Évocation, Lieder von Chausson, Debussy, Strauss etc.

Sandrine Piau gehört zu den beeindruckendsten leichten Sopranstimmen der Gegenwart: Ihr purer, vibratoarmer Ton – in der Mitte kräftig, in der Höhe immateriell, im Piano von enormer Ausdrucksstärke – prädestiniert sie für den Liedgesang. Nach einem schönen Debussy-Album gelingt Piau diesmal ein Meisterwerk: Frauenlieder von sechs sehr spätromantischen Komponisten an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert (Chausson, Strauss, Debussy, Zemlinsky, Koechlin, Schönberg), die meisten betörend lyrisch, luftig, floral – und harmonisch wundervoll verhangen. Vor allem die Chausson- und Strauss-Lieder: Zum Niederknien! (Naive)

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