_

Nach Strategieschwenk: Haniel will neue Struktur bei Metro

von Von Christoph Schlautmann Quelle: Handelsblatt Online

Wie geht es bei Deutschlands größtem Handelskonzern weiter? Vorstandschef Eckhard Cordes will heute eine Strategie im Aufsichtsrat vorstellen. Scheinbar steht eine Bereinigung des Metro-Portfolios auf der Agenda. Experten erwarten eine Trennung von den Kaufhof-Warenhäusern.

Wie geht es mit Metro weiter? Quelle: AP Photo
Wie geht es mit Metro weiter? Quelle: AP Photo

DÜSSELDORF. Die Entscheidung über die Zukunft des Düsseldorfer Metro -Konzerns rückt näher. Am heutigen Montag wird Vorstandschef Eckhard Cordes im Aufsichtsrat eine dreistündige Präsentation abliefern, wie es bei Deutschlands größtem Handelskonzern weitergehen soll. Analysten rechnen damit, dass er die Pläne am 18. März öffentlich wiederholen wird.

Anzeige

Cordes führt in Personalunion ebenfalls den Familienkonzern Haniel, der mit 34 Prozent größter Anteilseigner bei der Metroist. Auch die Duisburger Sippe plant einen baldigen Strategiewechsel, will sich der Clan mit seinen 560 Gesellschaftern in Zukunft doch auf den Handel und handelsnahe Dienstleistungen konzentrieren (Handelsblatt vom 6. 3.). Beteiligungen wie das Baustoffunternehmen Xella und der Anbieter von Hygieneartikeln HTS stehen deshalb bei Haniel zur Disposition.

Zunächst aber steht offenbar die Bereinigung des Metro-Portfolios auf Cordes? Agenda. Dass der Vorstandschef schon heute vor dem Aufsichtsrat ganz konkrete Verkaufsabsichten ansprechen wird, ist indes eher nicht zu erwarten. Das erfuhr das Handelsblatt aus Konzernkreisen.

Bereits seit August loten die Haniels aus, auf welche Weise sich die Metro auf eine höhere Rendite trimmen lässt. Der Konzern ist mit 66 Mrd. Euro Umsatz, 31 Auslandsmärkten und 270 000 Mitarbeitern der weltweit viertgrößte Handelskonzern. Die Synergien zwischen den vier Geschäftsfeldern Cash & Carry, SB-Warenhaus ("Real"), Warenhaus ("Kaufhof") und Elektronikhandel ("Media-Markt", "Saturn") gelten aber als begrenzt.

In einer Analyse schilderte die BHF -Bank vor wenigen Tagen, wie es mit dem Konzern weitergehen könnte. Danach erwartet BHF-Handelsexperte Clemens Müller, dass es zunächst zu einer Trennung von den Kaufhof-Warenhäusern kommt. Den Wert schätzt er auf drei Mrd. Euro, davon 1,7 Mrd. Euro allein für die Immobilien. Gespräche über einen Verkauf hat es nach Informationen des Handelsblatts bereits gegeben.

Zu den Interessenten gehört der von Thomas Middelhoff geführte Essener Wettbewerber Arcandor ("Karstadt"), dem aber offenbar das Geld für eine Komplettübernahme der Kaufhof-Warenhäuser fehlt.

Auch für Real sehen die BHF-Analysten nur noch eine kurze Verweildauer im Konzern. "Wir glauben, dass Real nach dem Nichterreichen des angestrebten Margenziels 2009 verkauft werden wird", schreibt Müller. Als Kaufpreis hält er das 0,3-Fache des geschätzten Umsatzes in 2008 für angemessen: 3,4 Mrd. Euro. Die damit aufs Spiel gesetzten Synergien, die Metro durch den bislang gemeinsamen Einkauf von Real und Cash & Carry erzielen, bewertet er im Gegenzug mit 920 Mill. Euro.

Durch die Zerschlagung der Metro ergäbe sich nach BHF-Berechnungen ein Eigenkapitalwert des Konzerns von 21 Mrd. Euro - 3,4 Mrd. Euro mehr, als der Dax-Konzern derzeit an der Börse wert ist. Wesentlicher Grund für die höhere Bewertung: Die enormen Holding-Kosten, die von den Analysten mit einem Barwert von 4,7 Mrd. Euro veranschlagt werden, entfielen bei einem Einzelverkauf der Sparten an Wettbewerber.

Mit Widerständen gegen solche Pläne hätte Haniel bei der Metro kaum noch zu rechnen. Schon im vergangenen September quittierte der damalige Metro -Chef Hans-Joachim Körber den Dienst, weil er am Konzerngeflecht festhalten wollte.

Auch im Aufsichtsrat hat Haniel einen familienfremden Kritiker beseitigt. Ex-Bayer -Chef Manfred Schneider scheidet dort auf Druck von Aufsichtsratschef Franz Markus Haniel am 3. April aus.