Nachgefragt: Ad van Tiggelen: "Ich bevorzuge Staatsgarantien für Wertpapiere"

Nachgefragt: Ad van Tiggelen: "Ich bevorzuge Staatsgarantien für Wertpapiere"

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Ad van Tiggelen, Chefstratege von ING Investment Management über Inflation, Bankenrettung und Chancen bei Aktien.

Ad van Tiggelen, Chefstratege von ING Investment Management, über Inflation, Bankenrettung und Chancen bei Aktien.

WirtschaftsWoche: Herr van Tiggelen, wird die gewaltige Geldvermehrung durch die Notenbanken in eine gigantische Hyperinflation münden?

Van Tiggelen: Vor Inflation braucht niemand Angst zu haben, so lange die Nachfrage nicht anzieht. Dann allerdings müssen die Notenbanken die Zinsen rasch erhöhen. Im Moment stehen wir jedoch einer außer Kontrolle geratenen Wirtschaft gegenüber. Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, um den freien Fall der Konjunktur aufzuhalten.

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Milliarden für Banken haben bisher nicht die Wende gebracht. Was muss noch geschehen?

Es ist unnatürlich für Banken, mehr Kredite zu vergeben, während die Zahlungsausfälle häufiger werden. Das ist eines der größten Probleme derzeit. Die Regierungen sollten Mittel bereitstellen, um direkt Geld an Unternehmen zu vergeben, so wie es in Deutschland geplant ist. Außerdem sollten Regierungen den teilverstaatlichten Banken Vorgaben für die Kreditvergabe machen.

Brauchen wir in Europa eine Bad Bank für toxische Wertpapiere?

Auf dem Papier ist das eine gute Lösung. Aber welche Wertpapiere soll eine Bad Bank kaufen, und zu welchem Preis? Wegen dieser Schwierigkeiten bevorzuge ich Staatsgarantien für Wertpapiere.

Beunruhigt es Sie, dass Staaten Kreditgeber der Banken zur Kasse bitten, wie bei der britischen Bradford & Bingley geschehen?

Ja. Wenn Staaten Banken retten, sollten sie diese Schulden bedienen. Denn ein großer Teil dieser Kredite liegt bei Versicherern. Wenn die nicht zurückgezahlt werden, werden Versicherer die nächsten Opfer der Krise.

Werden weitere Versicherer wie der US-Konzern AIG zusammenbrechen?

Wenn wir eine langjährige Flaute erleben wie in Japan, dann werden Versicherer insolvent werden und viele weitere Banken, aber das erwarte ich nicht.

Wie groß ist die Deflationsgefahr?

Das Risiko liegt bei zehn Prozent. Die USA werden keine Deflation zulassen und notfalls noch mehr Geld drucken. Unser Hauptszenario mit 60 Prozent Wahrscheinlichkeit ist eine schwache Wirtschaftserholung ab 2010. Bei 30 Prozent sehen wir die Gefahr, dass die Erholung erst 2011 kommt.

Gibt es bis dahin für Anleger an der Börse nichts zu verdienen?

Eine dauerhafte Erholung könnte noch auf sich warten lassen. Anleger sollten sich für das Warten bezahlen lassen – zum Beispiel, indem sie Unternehmensanleihen kaufen. Auch Aktien mit hoher und stabiler Dividende sind attraktiv. Die Kurse nehmen bereits einen Gewinneinbruch von 50 Prozent auf das Niveau von 2004 vorweg.

Sie fordern eine neue Zurückhaltung. Gilt das auch für Sie selbst?

ING sponsert dieses Jahr zum letzten Mal die Formel 1. Außerdem musste ich heute erstmals in der zweiten Klasse nach Frankfurt fahren. Das sind doch gute Zeichen, dass auch wir an allen Ecken sparen.

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