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Nachhaltigkeit: Fonds wollen grüner werden

von Susanne Bergius Quelle: Handelsblatt Online

Offene Immobilienfonds berücksichtigen bei Investitionsentscheidungen zunehmend die Umwelt- und Sozialverträglichkeit von Immobilien. Auch beim Management des Gebäudebestands sollen entsprechende Kriterien ein größeres Gewicht bekommen. Das ergab eine Handelsblatt-Umfrage bei großen Fondsanbietern.

Der Umbau des Emporio Hochhauses in Hamburg erfolgt nach den Regeln des nachhaltigen Bauens. Quelle: handelsblatt.com
Der Umbau des Emporio Hochhauses in Hamburg erfolgt nach den Regeln des nachhaltigen Bauens. Quelle: handelsblatt.com

BERLIN. Union Investment Real Estate führt seit Jahresbeginn ein "Nachhaltigkeitsscreening" bei der Ankaufsprüfung durch. Abgelehnt werden Gebäude mit nicht optimalen Energieeffizienzwerten. "Auch unsere Bestandsgebäude unterziehen wir einem Nachhaltigkeitscheck, aus dem wir Ziele und Maßnahmen für jedes Gebäude ableiten", sagte Vorstand Frank Billand dem Handelsblatt.

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So geschehen bei der derzeitigen Komplettsanierung des denkmalgeschützten "Emporio-Hochhauses" in Hamburg, das man sich 270 Mio. Euro kosten lässt. Vorgaben gibt es für Energie und Klimaschutz, Wasserverbrauch, Abfall und Recycling, Effizienz und Flexibilität, Standortqualität sowie Gesundheit und Wohlbefinden. Die Kohlendioxidemissionen werden um 64 Prozent sinken, desgleichen die Betriebskosten für Heizung und Kühlung. Das Objekt erhielt ein Vorzertifikat in Silber vom Deutschen Gütesiegel für nachhaltiges Bauen (DGNB).

Bei UBS Real Estate wird dieser Tage ein Zielkatalog verabschiedet, wonach Checklisten für Akquisitionen, Mietverträge, Lieferantenverträge und Leistungsansprüche an Bauunternehmen um nachhaltige Aspekte zu erweitern sind. Für den Ankauf gibt es Ausschlusskriterien, etwa hohe Schadstoffbelastung, unflexible Grundrisse oder Mieter aus ethisch fraglichen Branchen. Eine Nachhaltigkeitsanalyse identifiziert zurzeit nach DGNB zertifizierbare Gebäude. Neubauten sind nur noch danach zu bewerten. Bisherige Ankaufsausbeute in Deutschland: drei Gebäude. Im Ausland hat UBS vier zertifizierte Immobilien.

Pramerica Real Estate Investors hat kürzlich den TMW Immobilien Weltfonds strategisch neu ausgerichtet: Bei allen Anlageentscheidungen werde Nachhaltigkeit beachtet,sowohl beim Objektportfolio als auch bei der Anlage der Liquidität, heißt es. Da grüne Gebäude noch Mangelware sind, geht der Fonds einen Kompromissweg: Er kann neue Objekte vorrangig unter ökonomischen Vorzeichen erwerben, sofern er ihre ökologische Weiterentwicklung sichert. Bisher ließ Pramerica 17 der 29 Bestandsobjekte unter Nachhaltigkeitsaspekten durch einen externen Experten analysieren. Für die Bürogebäude gibt es ökologische Maßnahmenpläne, die bis 2010 umzusetzen sind. Bis 2012 sollen für alle Objekte Maßnahmenpakete definiert, budgetiert und gestartet sein. Kaum sanierungsfähige Objekte will der Fonds schrittweise abstoßen. Bis 2015 sollen drei Viertel des Portfolios zertifiziert sein.

Auch Axa Real Estate Investment Managers (Axa Reim) will vorrangig die Ökoleistung bestehender Gebäude verbessern. Mit einem externen Büro wurde 2008 ein Ratingsystem entwickelt und bei 15 Gebäuden in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Spanien getestet. "Mindestens 30 weitere Gebäude werden wir 2009 auditieren", sagt Gilles Bouteloup, Leiter Nachhaltige Entwicklung bei Axa. Der Fokus liegt auf Energie und Emissionen, Wasser, Abfall, Gesundheit und Sicherheit. Bei Neubauten orientiert sich die Gesellschaft an nationalen Gütesiegeln und hat hier bereits einige Gebäude vorzuweisen. "In Deutschland haben wir 70 000 Quadratmeter nach Minergie-Label entwickelt, weitere 9 000 Quadratmeter sind im Bau", berichtet Bouteloup.

Auch bei Commerz Real gewinnen nachhaltige Aspekte an Bedeutung. Maßnahmen zugunsten ökologischer Nachhaltigkeit könnten oft einen erweiterten Mieterkreis erschließen, der nicht selten bereit sei, Mietanpassungen zu akzeptieren, sagt Vorstandsmitglied Hans-Jaochim Kühl. "Harte Entscheidungskriterien, zum Beispiel im Sinne des obligatorischen Vorliegens von Zertifizierungen, haben wir jedoch bislang nicht definiert", räumt er ein. Aberdeen Immobilien (vormals Degi) schließlich wolle ebenfalls sukzessive nachhaltige Objekte in alle offenen und Spezialfonds aufnehmen, sagt Researchleiter Thomas Beyerle. Die Erfüllung von Standards sei jedoch nicht nötig.