_

Neue Blasen an den Börsen: Die Geister, die ich rief

von Hauke Reimer

Geld ohne Ende überschwemmt die Finanzmärkte, schon drohen neue Blasen. Warum uns das stören muss – auch wenn die Aktienkurse weiter steigen. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Hauke Reimer.

Wie bekommen die Notenbanken die Zahnpasta wieder in die Tube? Es fehlt eine Exit-Strategie zur Abschöpfung der Liquidität, mit der die Welt geflutet wurde, um Banken zu retten und eine globale Depression zu verhindern. Notenbanken werden frühestens Mitte 2010 damit beginnen, die Zinsen anzuheben, sagt Joachim Fels, Top-Ökonom bei Morgan Stanley in London. Noch fließt mehr statt weniger Geld in die Märkte. Die US-Notenbank will bis ins Frühjahr für 1450 Milliarden Dollar Hypotheken-Anleihen kaufen – Geld drucken pur. Einerseits verständlich, die Realwirtschaft im Westen geht noch am Stock. Doch hilft ihr das viele frische Geld? Fest steht: An den Finanzmärkten werden neue Blasen aufgepumpt.

Anzeige

Die Geldschwemme provoziert neue Blasen

Banken stecken ihr billig aufgenommenes Geld in Finanzanlagen. Zuletzt zogen Kurse von Anleihen und Aktien parallel an – das ist ungewöhnlich. Kapitalerhöhungen über Milliarden, Unternehmensanleihen, demnächst wieder Neuemissionen: Anleger können gar nicht genug bekommen. Abseits der Börse erholen sich Schrottpapiere, machen Hedgefonds wieder Gewinne, strotzen Private-Equity-Manager vor Selbstbewusstsein. „Was stört es mich“, spricht der Aktionär: „Es ist gut, dass die Kurse steigen – meine Crash-Verluste habe ich noch lange nicht aufgeholt.“ Stimmt. Doch der Begriff „Blase“ beinhaltet schon deren Platzen. Dann aber werden wieder alle Anleger ärmer, und zwar ganz schnell.

Etwas läuft schief

Uns allen signalisieren Finanzblasen, dass etwas gründlich schiefläuft: Kapital wird falsch investiert – in überflüssige Tech-Unternehmen (2000) oder Hypotheken armer US-Hausbesitzer (2005/06). Die Folgen – Rezession und enorme Staatsverschuldung, die nur durch Inflationierung von Papiergeld abgebaut werden könnte – treffen alle. Geldtheoretiker fordern deshalb zu Recht, Notenbanken sollten nicht nur die Güterpreis-Inflation bekämpfen, sondern auch die auf den Finanzmärkten.

Aktuell wird das keiner wagen, doch Notenbanker sollen auch vorausschauen. Der von ihnen gesteuerte kurzfristige Zins beeindruckt die Märkte immens. Laut Morgan Stanley, die Daten im Umfeld der sieben US-Zinswenden zwischen 1977 und Juni 2004 ausgewertet haben, stiegen Aktien zwölf bis drei Monate vor der ersten Zinsanhebung weit überdurchschnittlich. So gesehen stünden den Börsen noch ein paar gute Monate bevor – wenn denn nur die Sorge um die Konjunktur nicht wäre.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.11.2009, 15:07 UhrAnonymer Benutzer: Hinterwäldler

    Solange HRE und Konsorten subventioniert werden, geht es im
    schneller Richtung " Süden ". Relativ kurzfristig wird ein neues
    Weltwährungssystem zugunsten der Realwirtschaft und zu
    Lasten der Spielbanken " und Casinos entstehen....... dies ist
    auch der Grund weshalb unsere bundeskanzlerin so locker drauf
    ist......Angie weiss was auf uns zukommt

  • 04.10.2009, 01:15 UhrAnonymer Benutzer: Melanie Gatzke

    Ein paar banken mehr oder weniger, was solls. Wir haben viel zu viele, viele haben eben keine Geschäftsgrundlage mehr.
    Auch das ist Marktwirtschaft, Wer nichts erwirtschaftet, wer zuwenig Kunden hat, wer nur durch betrug noch Gewinne macht, verschwindet.
    Dennoch bleibt eine Frage offen: Warum sind soviele Fachleute
    nicht in der Lage endlich ein tragfähiges Finanzsystem zu schaffen,
    das nicht auf einem Schneeballsystem beruht und kein Ponzischema hat.
    Wir wissen doch mittlerweile alle, dass das jetzige regelmäßig hops geht. Und alle besitzen noch die Frechheit, diese Wahrheit zu vertuschen, die bürger zu belügen und zu betrügen.
    Jeder Schüler müßte schon in der Schule lernen, wie unser Geld funktioniert. Dann wüsste er , wass zu tun ist. Alle 50-60 jahre ist Feierabend- Zahltag! im letzten Jahrhundert sogar noch öfter.
    Darüber schweigen alle. Das ist eine Schweinerei.
    dieses System ist ein betrugssystem, das sollten die bürger wahrnehmen.

  • 02.10.2009, 19:54 UhrAnonymer Benutzer: Das bewegt die Welt.de

    Währungsreform?

    Na das wird noch ein weilchen dauern. Und das es Deutschland nicht so hart trifft ist wohl auch nur ein wunsch. Kann man getrost vergessen. Es heißt die Augen aufmachen dann sieht mach auch was unweigerlich kommen muss. Die Welt wird nicht untergehen das ist fakt aber sie wird in ein paar Jahren ganz anders aussehen. Und zwar für die Masse überhaupt nicht schön. Da kann man Facharbeiter sein oder ganz tolle Autos bauen wie man will, aber wenn kein Geld da ist dann wird weder ein Auto nachgefragt noch benötigt man irgendwelche tollen Fachidioten. 50% Arbeitslose wird es wohl geben. Die jetzt schon in Rente sind oder Hartzbezieher sind werden sich noch an die tollen Jahre erninnern als sie noch almosen vom Staat bekamen. in Zukuft heißt es wieder Arbeiten ohne Mindestlohn jede Arbeit wird angenommen werden müssen. Nur um nicht zu verhungern. Ja richtig nicht bloss mehr in den Urlaub fahren sondern jetzt geht es richtig um die Substanz.
    Und warum? Ganz einfach jetzt ist zahltag da werden alle Schulden beglichen. inflation, Hyperinfaltion, Zinsen im 2 Stelligen bereich Staatsbankrott.
    Und nachdem erst die bürger pleite gehen bevor der Staat pleite geht wird das keine witzige veranstaltung. Und in zukunft wird es so etwas wie Kredit in dem heutigen Ausmass auch nicht mehr geben.
    Unsere Welt ist eine Traumwelt vollkommen auf schulden aufgebaut. Alles auf pump.
    Glücklich die die Edelmetalle ihr eigen nennen können. Die erhalten wenigstens ihre Vermögen alle anderen gehen den bach runter.
    Und das dies nicht kommen sollte ist ausgeschlossen.

Alle Kommentare lesen

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche