Neuemissionen: Angst vor dem Parkett: Finanzkrise durchkreuzt Börsenpläne

Neuemissionen: Angst vor dem Parkett: Finanzkrise durchkreuzt Börsenpläne

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Auf dem Parkett herrscht die Angst vor. Ob die Bahn wirklich - wie geplant - teilweise an die Börse geht, ist nach Expertenmeinung noch nicht sicher

Die Angst vor der Börse breitet sich aus: Die Finanzkrise hat den Markt für Börsengänge weitgehend leergefegt. Kaum ein Anleger ist angesichts des massiven Drucks auf die Aktienmärkte bereit, große Summen zu investieren, schon gar nicht in Neuemissionen. Kein Wunder, dass die meisten Kandidaten ihr Debüt auf dem Parkett verschoben haben.

In diesem Jahr stehen gerade noch zwei Börsengänge an: die Bahn und Schott Solar. Und Experten sehen nicht einmal diese als sicher an. Schon das ganze Jahr über war das Klima für Börsengänge rau. Mit SMA Solar und GK Software starteten bisher nur zwei Firmen im stark regulierten Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse. 2007 gab es noch 21 Neulinge in dem Segment.

Dabei hatte sich der Markt für Neuemissionen seit dem Platzen der New-Economy-Blase gerade erst wieder aufgerappelt: 2002 hatte die Deutsche Börse nur sechs Neuzuänge verzeichnet und ein Jahr später sogar nur einen - den jetzt schwer angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate. Danach ging es erstmal bergauf, besonders der wenig regulierte Freiverkehr war beliebt.

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Größe zählt. Auch international sieht es derzeit mau aus, wie eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Ernst & Young ergeben hat. Danach sind die Zahl der Börsengänge und das aufgebrachte Kapital im dritten Quartal weltweit auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2003 zurückgegangen, als der Aktienmarkt komplett darniederlag. Während in Deutschland zu Beginn des Jahres aber auch noch kleinere Unternehmen mit einem guten Geschäftsmodell Chancen hatten, ist jetzt Größe entscheidend. „Alles was nicht in Dax , MDax oder in einem anderen größeren Index ist, interessiert im Moment nicht“, sagt Aktienhändler Thorsten Peiffer vom Wertpapierhandelshaus Lang & Schwarz. Der Markt für kleine Werte sei quasi tot. Anleger scheuen diese Aktien, da sie zu selten gehandelt werden, ein Ausstieg ist dann schwierig.

Unsicherheit bei Bahn und Schott Solar. Nun geht es aber selbst den großen Börsenaspiranten an den Kragen. Noch immer ist nicht sicher, ob die Deutsche Bahn die 24,9 Prozent der Tochter DB Mobility Logistics zu einem akzeptablen Preis verkaufen kann. Zwar gehen die Vorbereitungen trotz Warnungen aus der Politik in die entscheidende Phase. Die Zeichnungsphase soll am Montag (13. Oktober) starten, die Erstemission ist für den 27. geplant.

Doch ein Branchenexperte ist sich sicher: „Im Extremfall kommt es zum Abbruch in letzter Sekunde. Auch wenn Ärger und Enttäuschung dann groß sein werden, wäre das allemal besser als ein scheiternder Börsengang.“ Auch die Solarfirma Schott Solar ringt seit Wochen um den richtigen Zeitpunkt für ihr Börsendebüt und hat die Pläne schon mehrfach verschoben. Noch heute Nachmittag waren Marktteilnehmer unsicher, ob die Mainzer den Schritt aufs Parkett am nächsten Tag wagen würden. „Der Kapitalmarkt ist derzeit mit anderen Dingen beschäftigt. Ich bin gespannt, ob das Unternehmen unter diesen Umständen seinen Weg an die Börse findet“, sagte Norbert Empting vom Handelshaus Schnigge.

Schon viele Absagen. Die Liste der abgesagten oder verschobenen Börsengänge ist jetzt schon lang. Im März machte die HSH Nordbank einen Rückzieher, weil Bankaktien auf breiter Front eingebrochen waren. Einen neuen Anlauf will das Institut „nach dem Ende der Finanzmarktkrise“ wagen. Als Termin steht 2010 im Raum. Dann soll auch der zuletzt eingebrochene Gewinn wieder stimmen. Trübe sehen die Börsenaussichten auch für MAN Roland aus. Der Druckmaschinenhersteller war Anfang Juni grundsätzlich bereit für den Gang aufs Parkett. Doch seitdem ging es mit der Branche immer weiter bergab, weil die Unternehmen in der Krise als erstes ihre Werbebudgets zurückfahren, die Druckereien weniger Aufträge bekommen und kein Geld in neue Maschinen stecken.

Der Chemie- und Energiekonzern Evonik wählte im Sommer statt eines Börsengangs lieber den direkten Einstieg des britischen Finanzinvestors CVC. Frühestens im kommenden Jahr wollen die Essener nun darüber nachdenken, weitere Anteile über die Börse zu verkaufen. Mit einem gesamten Unternehmenswert von geschätzt rund 10 Milliarden Euro wäre Evonik der mit Abstand größte Börsengang der jüngeren Vergangenheit. Wann es für Evonik und die anderen wieder einen guten Zeitpunkt gibt, das weiß im Moment niemand. „Da müssten wir in die Glaskugel schauen“, sagte ein Händler.

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