Neuemissionen: Börsenneulinge aus Verzweifelung

KommentarNeuemissionen: Börsenneulinge aus Verzweifelung

Harte Zeiten schreien nach verzweifelten Maßnahmen: Investmentbanker wollen IPO-Gruftis ans Licht zerren – und bei Mickey-Mouse-Emissionen zahlen Anleger drauf wie eh und je.

Darauf haben wir alle gewartet: General Motors soll 2010 wieder an die Börse. Die US-Regierung, die 60 Prozent des Autobauers an der Backe hat, könnte danach sukzessive Aktien verkaufen und 2020 wieder draußen sein. Wie GM künftig Geld verdienen soll, ist noch offen, ebenso die Frage, wer die Aktie kaufen soll. Vielleicht findet sich ja ein Scheich.

Banker hören die Botschaft dennoch gern. Es läuft halt zurzeit mies mit Börsengängen. In ihrer Verzweiflung, so ist in Frankfurt zu hören, antichambrieren Banken jetzt schon wieder bei Unternehmen, die den Sprung an die Börse nicht schafften, bei Evonik, Schott Solar und auch, wegen der Bahn, beim Bund. Dass die Bahn-Prognosen übel aussehen, stört nicht. „Es geht darum, nicht der Letzte zu sein, der anklopft – und dem Boss zu zeigen, dass man fleißig Firmenbesuche macht“, sagt ein Insider.

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Kleines Geld für Flatex

Deals wie zuletzt in China, wo die Leute wie verrückt 584-mal so viel Aktien eines Anbieters traditioneller Medizin zeichneten wie angeboten wurden, gibt es hier nicht. Die Börse meldete zwar gerade stolz den ersten Börsengang eines deutschen Unternehmens 2009, doch viel Staat ist mit dem nicht zu machen: Drei Millionen Euro sammelte Flatex, ein Online-Broker aus dem Reich des Kulmbacher Verlegers Bernd Förtsch ein. Aktien bekamen nur Kunden und „ausgewählte private und institutionelle Investoren“ – zum Glück. Der Laden wimmelt nur so von Interessenkonflikten. Nur ein Beispiel: Die Hauptaktionärin, eine Förtsch-Gesellschaft, hat sich nur gegenüber der Emissionsbank biw Bank verpflichtet, binnen zwölf Monaten keine Aktien auf den Markt zu bringen. Die biw Bank aber führt die Konten und Depots im Online-Brokerage von Flatex – weil der keine Banklizenz hat. Wie wird die biw Bank wohl reagieren, wenn sie gebeten wird, doch mal einen kleinen Aktienverkauf zu genehmigen? Knapp vier Millionen der 8,5 Millionen Aktien unterliegen zudem überhaupt keinem Halteverbot. Theoretisch könnten Förtsch & Co. es so machen, wie die US-Regierung bei GM: Jedes Jahr Aktien verkaufen und irgendwann wieder raus sein. Auch hier aber die Frage: Wer würde sie ihnen abnehmen?

Wenig Hoffnung macht auch die an dieser Stelle vor einigen Wochen behandelte Lebermedizin-Aktie Hepahope. Das zu 1,52 Euro gestartete Papier wurde kurz auf über 1,80 Euro gezogen und halbierte sich im Anschluss nahezu.

Investmentbanker raten von solchen Papieren, die sie Mickey-Mouse-Aktien nennen, heftig ab. Anleger sollten ihnen vertrauen – ausnahmsweise.

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