Neuemissionen: Börsenneulinge werden teuer

Neuemissionen: Börsenneulinge werden teuer

Am 22. März will Kabel Deutschland an die Börse, auch Chemikalien-Transporteur Brenntag strebt sein Börsendebüt an. Beide Unternehmen brauchen viel Geld - für hohe Schulden und die Besitzer.

Nur noch heute können Anleger Aktien von Kabel Deutschland (KDG) ordern, Handelsstart soll am 22. März sein. Die geneigte Öffentlichkeit soll für ein Drittel der Anteile 645 bis 765 Millionen Euro plus Mehrzuteilung an den Eigner Providence zahlen, einen US-Finanzinvestor. Das macht 21,50 bis 25,50 Euro pro Aktie.

Der Anbieter von TV-, Internet- und Telefonanschlüssen ist mit drei Milliarden Euro verschuldet, das ist das 4,6-Fache des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), typisch für Private-Equity-Beteiligungen.

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Geld für die Alteigentümer

Das frische Geld fließt dennoch komplett an die Alteigentümer. Eine Dividende ist unwahrscheinlich, denn vorher müssten 696 Millionen Euro spezielle Schulden vorzeitig zurückgezahlt werden, die mit allen bis dahin aufgeschobenen Zinsen ansonsten erst 2014 fällig würden. Trotzdem sollen Anleger eine Unternehmensbewertung (einschließlich Schulden) zwischen 5,0 und 5,3 Milliarden Euro akzeptieren.

Das ist rund das Siebenfache des von Analysten für 2010 erhofften Ebitda. Allerdings: Damit diese Hoffnung sich erfüllt, müsste der Gewinn um mehr als zehn Prozent steigen.

Der belgische Rivale Telenet sei an der Börse noch etwas teurer, werben Banker für KDG. Telenet trauen Analysten allerdings 4,8 Prozent Dividendenrendite für 2010 zu. Ungünstig für Neueinsteiger: Der Telenet-Kurs steht trotz Krise ein Drittel höher als vor dem Crash im Juni 2008. Alle 18 Analysten, die Telenet beobachten, empfehlen sie zum Kauf: Das bedeutet hohe Erwartungen, die leicht zu enttäuschen sind.

Börsenkandidat Brenntag

Auch der zweite große deutsche Börsenkandidat, Chemie-Transporteur Brenntag, ist mit dem 5,1-Fachen des Ebitda „hoch verschuldet“, sagen selbst die Analysten des Konsortialführers Deutsche Bank.

Das Debüt soll mindestens 450 Millionen Euro in die Firmenkasse spülen. Besitzer BC Partners peilt zusätzlich 380 Millionen Euro Einnahmen an. Jedenfalls ist das die Schwelle, ab der Brenntag-Manager als Lohn für einen erfolgreichen Börsengang eigene Aktien verkaufen dürfen.

Um 830 Millionen Euro einzusammeln, müsste Brenntag ein Viertel der Aktien platzieren— selbst wenn die Bewertung in der Mitte der geschätzten Spanne von 3,1 bis 3,9 Milliarden Euro liegt. Dann wäre der Neuling mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15 teurer als der Vergleichswert Bunzl, den Anleger für das 12,7-Fache des Gewinns bekommen.

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