Neuemissionen: Finanzkrise schreckt Börsenkandidaten ab

Neuemissionen: Finanzkrise schreckt Börsenkandidaten ab

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Zentrale des Versicherungskonzerns Talanx in Hannover

Die Finanzkrise schreckt die meisten deutschen Börsenkandidaten von einem Gang an den Kapitalmarkt ab.

Bis auf das Hamburger Beschichtungsunternehmen Ropal Europe hat noch kein Einziger genaue Pläne für 2008 vorgelegt. „Das wird sicherlich kein großartiges Jahr“, fasst ein Banker zusammen. 2007 hatten bis Ende April bereits acht Firmen den Sprung aufs Parkett gewagt, mit Versatel hatte der erste Börsengang mit einem Emissionsvolumen von über einer Milliarde Euro kurz bevorgestanden.

Doch nach Ausbruch der US-Immobilienkrise im Sommer verging vielen Unternehmen die Lust auf ein Listing. Die meisten der insgesamt 23 Börsenneulinge des vergangenen Jahres, die in den stark regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse gegangen waren, hatten vor der Sommerpause debütiert.

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Weit und breit ist kein Vorreiter in Sicht, der die Kehrtwende einläuten könnte. Noch bis Ende April gilt es als machbar, ein Initial Public Offering (IPO) über die Bühne zu bringen. Die weiteren von regulatorischen und psychologischen Faktoren bestimmten Zeitfenster öffnen sich von Ende Mai bis Ende Juli, Anfang September bis Ende Oktober und als letzte Chance von Mitte November bis Mitte Dezember.

Zwar beginnt sich der Aktienmarkt langsam zu stabilisieren, aber noch ist die Stimmung Bankern zufolge einfach zu wacklig. Durch die heftigen Verluste an den Börsen ist der Marktwert vieler börsennotierter Unternehmen stark gesunken. Da diese aber zum Vergleich für die Bewertung der Neulinge herangezogen werden, spült ein Börsengang momentan weniger Geld in die Kassen.

Wegen der Risikoscheu der Anleger müssten die Papiere zudem zu niedrigeren Preisen angeboten werden, wird befürchtet. Auch stünden Finanzinvestoren, die viele börsenreife Unternehmen in ihren Portfolios haben, nicht unter Druck, ihre Beteiligungen zu jedem Preis zu verkaufen, sagen Banker. „Ganz viele schielen deswegen auf 2009“, sagte einer.

Bahn ist keine Rettung

Der Chef des Versicherers Talanx hält einen Börsengang 2009 für wahrscheinlicher als 2008. In Fall des Mischkonzerns Evonik sollen die Anteile erst einmal an Finanzinvestoren verkauft werden. Und die HSH Nordbank verschob den Gang an den Kapitalmarkt auf unbestimmte Zeit. Dass der Beschichtungsspezialist Ropal nun aus der Deckung kommt, macht für den Gesamtmarkt keinen Unterschied, sagen Experten - dafür sei der Börsengang mit einem Emissionsvolumen von sechs Millionen Euro einfach zu klein.

Immerhin konkretisieren sich die Pläne für einen Börsengang der Deutschen Bahn, der nach politischen Querelen zu kippen drohte. Die SPD-Führung hat sich nun darauf geeinigt, nur etwas weniger als ein Viertel der Verkehrssparte des Konzerns an den Markt zu bringen um zu verhindern, dass private Investoren Einfluss auf die Geschäftspolitik des Unternehmens ausüben. Am 28. April soll im Koalitionsausschuss über den neuen Vorschlag beraten werden.

Die Rettung für das IPO-Jahr 2008 wäre ein Bahn-Börsengang aber nicht, da dieser erst für Oktober oder im November im Gespräch ist. Zudem rechnen viele Experten mit einem Aufstieg der Bahn-Aktie in den Dax. Damit spielt die Bahn in einer anderen Liga als die meisten Anwärter.

Wer den Startschuss für das IPO-Jahr 2008 gibt, ist noch offen. Die besten Chancen hätten Experten zufolge Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien, aus dem aber auch noch keine Firma aus der Deckung gekommen ist. Sicher ist für Experten aber, dass der erste größere Börsengang in diesem Jahr mit Argusaugen verfolgt werden dürfte.

„Die Investoren schauen sich jeden Börsengang genau an - aber der erste größere IPO in diesem Jahr wird sicherlich noch genauer angeschaut werden“, sagte ein Banker. Und wenn sich dann die Möglichkeit für einen gelungenen Börsenstart biete, dürfte eine Reihe von Unternehmen versuchen, schnell zu folgen.

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