Neuemissionen: Lieber gebrauchte Aktien kaufen

KommentarNeuemissionen: Lieber gebrauchte Aktien kaufen

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Es gibt wieder Börsengänge, aber das ist kein Grund zum Jubeln. Denn neue Aktien bieten, anders als neue Autos, keine Vorteile. Die aktuellen Angebote sind weder billig noch revolutionär.

Freuen Sie sich schon auf die neuen Aktien, die Sie bald an der Frankfurter Börse kaufen können? Auf den Chemie-Transporteur Brenntag, die Textilkette Tom Tailor oder den chinesischen Sanitäranlagenhersteller Joyou? Tun Sie es lieber nicht. Verglichen mit neuen Auto-Modellen oder Handys, ist der Spaßfaktor bei neuen Aktien gering: Sie sind nicht schöner, sie sind nicht besser, sie glänzen selten. Vor mehr als zehn Jahren war das anders, als Technologieaktien ihren Kurs am ersten Handelstag häufig verdoppelten. Doch kaum jemand glaubt, dass heute eine rasante Kursrally wie Ende der Neunzigerjahre bevorsteht.

Außer in Zeiten des massenhaften Börsenwahnsinns gibt es nur zwei Gründe, sich über neue Aktien zu freuen: wenn es neuartige Geschäftsideen gibt, an denen man sich nun erstmals beteiligen kann. Und wenn die neuen Aktien richtig billig sind.

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Ein an der Börse bisher fehlendes Geschäft bietet zum Beispiel Schott Solar: Die Tochter des Glasherstellers Schott stellt Röhren her, die Sonnenenergie einfangen und — anders als Solarzellen — auch speichern können. Der einzige börsennotierte Wettbewerber, Solel aus Israel, wurde im Oktober von Siemens gekauft. Aber Schott sagte den Börsengang im Sommer 2008 ab.

Neue Aktien kennt nur der Verkäufer gut

Was für revolutionäre Ideen bieten die Neulinge des März 2010? Brenntag mischt und transportiert Chemikalien – Chemie-Aktien gibt es reichlich. Tom Tailor verkauft Mode — wie andere auch. Wasserhähne von Joyou sind auch nicht das große neue Ding.

Deshalb müssten die Neuen billig sein, um interessant zu werden. Gemessen am vorsichtig geschätzten künftigen Nettogewinn, sollten die Kandidaten wenig kosten.

Doch hier haben viele Börsenkandidaten ein Problem: Sie gehören Finanzinvestoren. Die haben auf Pump gekauft und die Schulden den Unternehmen aufgehalst. Auch heute zahlen diese noch die Zinsen, für neue Aktionäre bleibt wenig Gewinn übrig. Bei vielen altbekannten Aktien an der Börse sind Schulden und Pleiterisiko niedriger.

Auch an Joyou ist Private Equity beteiligt, 20 Prozent gehören der mit Credit Suisse verbandelten Gesellschaft China Renaissance. Weitere zehn Prozent hält der deutsche Rivale Grohe, an dem neben der Schweizer Bank auch US-Investor TPG beteiligt ist. Die Marke Joyou dürfte übrigens auch in China nicht sehr bekannt sein. Bis vor drei Jahren verkaufte die Firma gar nicht unter dieser Marke, sondern lieferte nur an Markenanbieter. So ein Strategieschwenk ist riskant. Das Problem bei neuen Aktien ist, dass nur der Verkäufer sie richtig gut kennt. Deshalb sind Gebrauchte an der Börse meist besser.

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