Opel-Vorstand Rita Forst: "Von der Quote halte ich gar nichts"

Opel-Vorstand Rita Forst: "Von der Quote halte ich gar nichts"

von Franz W. Rother

Opel-Vorstand Rita Forst hat sich als Ingenieurin und Mutter von zwei Kindern bis an die Spitze des Unternehmens durchgekämpft. Bei vielen jungen Frauen vermisst sie heute Entschlossenheit und eine Karriereplanung.

wiwo.de: Frau Forst, Sie sind als Maschinenbau-Ingenieurin Entwicklungsvorstand der Adam Opel AG und in der Position Chefin von 6000 Ingenieuren in Europa. Haben Sie Karriere gemacht, weil Sie Frau sind oder obwohl Sie Frau sind?

Rita Forst: Gerade in den Ingenieursberufen ist Qualifikation das A und O. Ich habe Karriere gemacht, weil ich gut bin und nicht weil ich eine Frau bin.

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Die Männer haben Sie deshalb von Anfang an respektiert? Rita Forst: Ich habe zunächst eine Industrielehre gemacht und war da die einzige Frau.. Ich habe Maschinenbau studiert – und war fast allein unter 120 Männern. Ich war in der Motorenentwicklung bei Opel die einzige Frau. Ich habe da gelernt, mich durchzubeißen.

Leicht war es also nicht immer? Rita Forst: In den 80er Jahren gab es schon einige Männer, die mir ein schlechtes Gewissen einzureden versuchten, als unser erster Sohn auf die Welt kam. Heute ist die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau ganz anders, wie ich als Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Söhnen weiß: Die Frauen erwarten eine Gleichberechtigung im Haushalt, im sozialen Bereich und auch im Beruf.

Die Erwartung an eine berufliche Karriere erfüllt sich für viele Frauen aber immer noch nicht: In Führungspositionen sind sie unterrepräsentiert. Europaweit wird deshalb eine Frauenquote für die Besetzung von Vorstandspositionen und Aufsichtsratsposten diskutiert. Unterstützen Sie diese Forderung?

Rita Forst: Im siebenköpfigen Opel-Vorstand haben wir zwei Frauen – ohne dass wir eine Frauenquote haben. Im erweiterten Vorstand kommen wir mit vier Frauen auf einen Anteil von ungefähr 25 Prozent. Von der Quote halte ich gar nichts: Wenn es eine Frauenquote gäbe, hätte jede Frau in einer Führungsposition das Problem, dass sie unter Verdacht steht, nur über die Quote in die Position gekommen zu sein und nicht über Qualifikation und Leistung. Frauen müssen sich durchsetzen, beharrlich sein, sich bewähren und beweisen  - genau so wie die Männer.

Und oft auch besser sein als Männer? Rita Forst: Ja, das ist nicht von Nachteil. Bei jeder neuen Aufgabe musste ich immer beweisen, dass ich es packe.   

Im Opel-Vorstand ist die geplante Frauenquote von 30 Prozent fast schon erfüllt. Wie hoch ist der Frauenanteil denn in dem von Ihnen geführten Opel-Entwicklungszentrum?

Rita Forst: Mehr als sieben  Prozent hier in Rüsselsheim und mehr als zwölf Prozent im Diesel-Entwicklungszentrum in Turin.  In Detroit ist soeben Mary Barra zur weltweiten Entwicklungschefin ernannt worden.

Höheres Interesse am Maschinenbau

Worauf führen Sie es zurück, dass die Zahl der Frauen in Ihrem Bereich steigt? Rita Forst: An den Aufgaben. Ich beobachte, dass das Interesse der Frauen am Maschinenbau wächst, je größer der Anteil der Elektrotechnik und Informatik wird.

Weil der mechanische, meist auch schmutzige Anteil an der Arbeit zurückgeht? Rita Forst: Das ist meine Hypothese. Ich habe früher mit meinem Vater noch am Auto geschraubt. Schmutzige, ölverschmierte Hände waren für mich ganz normal. Andere junge Frauen schreckt das auch heute noch eher ab.

Wenn eine Frauenquote nichts brächte außer einem schlechten Gewissen und Rechtfertigungsdruck: welche Alternativen sehen Sie denn, um das Ziel - mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen -- zu erreichen?

Rita Forst: Es ist wichtig, in den Unternehmen  Vorbilder zu haben,  die jungen Frauen Orientierung geben und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen können. Frauen müssen mit Frauen reden, die Erfahrung haben, Karriere gemacht haben. Hier kriegen sie dann auch sicher eine Antwort auf die Frage: Will ich wirklich Karriere machen?

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