Orderhilfe: Kritisch beim Anleihenkauf

Orderhilfe: Kritisch beim Anleihenkauf

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Anleihen können wie Aktien an der Börse geordert werden. Dabei ist Geduld gefragt.

Depot eröffnen und los geht’s: worauf Anleger beim Kauf von Anleihen achten sollten.

DepotZunächst einmal benötigen Anleger ein Depot bei ihrer Bank. In das Depot kaufen sie über die Börse die Anleihen hinein, genau wie auch Aktien oder Fonds. Online-Banken bieten Depots in der Regel umsonst an. Filialbanken erheben – geringe – Jahresgebühren, die sich zum Beispiel am Depotbestand am Jahresende orientieren.

BörsenhandelAnleger ordern die Papiere über die Börse in Frankfurt oder eine Regionalbörse, wo ebenfalls viele Anleihen gehandelt werden. Gibt es wenig Handel, können Banken die Papiere auch über ihre Plattformen besorgen. Wichtig ist – wie bei Aktien auch –, ein Kauflimit zu setzen und etwas Geduld mitzubringen. Anders als Aktien werden Anleihen nicht laufend umgeschlagen, es kann durchaus auch mal Tage dauern, bis ein Kauflimit zum Zuge kommt. Dabei ist zu beachten, dass Anleihen nicht wie Aktien in Euro und Cent, sondern in Prozent gehandelt werden. Ihr Nominalwert jedoch lautet in Euro. Beispiel: Wer die ThyssenKrupp-Anleihe mit der Kennnummer (ISIN) XS0188733207 kaufen möchte, zahlt zurzeit 102,35 Prozent. Für 1000 Euro Nominalwert müssen also 1023,50 Euro hingeblättert werden. Die Rückzahlung der Thyssen-Anleihe erfolgt dann am 19. März 2011 zu 1000 Euro.

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StückzinsenDie tatsächliche Kaufsumme einer Anleihe liegt aber immer über der errechneten Summe aus Nominal- und Prozentwert. Das liegt daran, dass der Käufer der Anleihe zum jährlichen Zinstermin die volle Zinszahlung für zwölf Monate erhält (es gibt auch halb- oder vierteljährliche Zinstermine). Thyssen zahlt für seine 2011er-Anleihe jeweils am 19. März fünf Prozent auf den Nominalwert, also 50 Euro auf 1000 Euro. Für 10.000 Euro Einsatz gibt es 500 Euro Zinsen. Ein Beispiel: Ein Anleger kauft die Thyssen-Anleihe mit Zinstermin 19. März am 19. Mai über die Börse. Dem Verkäufer stehen dann für zwei Monate Zinsen zu. Der Käufer zahlt ihm also ein Sechstel des Jahreszinses von 50 Euro, also 8,33 Euro. Die Kaufsumme der Thyssen-Anleihe erhöht sich also von 1023,50 Euro auf 1031,83 Euro.

SteuernWer seinen Sparerfreibetrag (801 Euro) ausgeschöpft hat, dem zieht der Fiskus 25 Prozent Abgeltungsteuer (plus Soli und Kirchensteuer) von seinen Zinserträgen ab. Die dem Verkäufer beim Kauf über die Börse gezahlten Stückzinsen dürfen Anleger aber steuerlich mit ihren Zinseinnahmen verrechnen (negative Stückzinsen).

KostenBei Direktbanken liegen die Anleihekauf-Kosten bei zehn bis zwölf Euro (inklusive Courtage für den Börsenmakler), Filialbanken nehmen teilweise noch ein paar Euro mehr. Wer also am 19. Mai die Thyssen-Anleihe kauft, zahlt für 1000 Euro Nominalwert unterm Strich etwa 1043 Euro. Die Kosten mindern die jährliche Rendite, auf die knapp zwei Jahre Laufzeit der Anleihe verteilt, um jährlich 0,6 Prozent. Bei einer zehn Jahre laufenden Anleihe geht die Jahresrendite nur um 0,1 Prozent zurück. Gleiches gilt, wenn Anleger mit höheren Einsätzen einsteigen, weil in der Regel lediglich die geringe Maklercourtage variabel ist, die sonstigen Gebühren aber fix sind.

RatingVor der Finanzkrise haben Ratingagenturen Schrottpapiere viel zu gut bewertet und wurden dafür massiv kritisiert. Bei Unternehmensanleihen bieten sie aber nach wie vor sehr gute Orientierung. Grundsätzlich teilen sie die Landschaft in zwei Hälften: Unternehmen mit exzellenter bis mittlerer Bonität (AAA bis BBB-) und mit schwächerer Bonität bis hin zu Pleitekandidaten (BB+ bis D). Dass die Agenturen kritisch hinschauen, zeigt sich daran, dass sie nur noch sechs Firmen das Top-Rating AAA zubilligen.

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