Pay-TV: Bundesliga-Drohungen lassen Sky-Aktionäre kalt

KommentarPay-TV: Bundesliga-Drohungen lassen Sky-Aktionäre kalt

Bild vergrößern

Das Senderlogo des Bezahlsenders Sky am neugebauten Firmensitz bei München

von Hauke Reimer

250 Millionen Euro pro Jahr überweist der notleidende Bezahl-TV-Sender Sky an die Bundesliga für TV-Rechte. Deren Manager wollen, dass das so bleibt - und bauen als Drohkulisse die Einführung eines eigenen Senders auf. Wieder einmal. Die Aktionäre lässt das kalt.

FC-Bayern-Vorstandschef  Karl-Heinz Rummenigge sagt in der aktuellen „WirtschaftsWoche“ (ab heute am Kiosk):  „Ich mache mir große Sorgen, weil es uns gemeinsam - Liga und Bezahlsender - in 20 Jahren nicht gelungen ist, Pay-TV in Deutschland wirklich zu etablieren.“ „Die Liga muss am Szenario eines eigenen Senders arbeiten“, forderte der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, Thomas Röttgermann, im „Handelsblatt“.

Die Aktionäre von Sky schreckt die Drohung wenig, die Aktie behauptet sich. Zum einen ist  der Vorschlag eines eigenen TV-Senders nicht gerade taufrisch. Bayern-Manager Uli Hoeneß und sein damaliges Dortmunder Pendant Michael Meier hatten ihn 1996 gemacht, seither kamen Clubmanager immer mal wieder, wenn ihnen TV-mäßig etwas nicht passte, damit rüber.

Anzeige

Geldvernichtungsmaschine

Zum anderen haben Sky-Aktionäre ihren Schock schon hinter sich: Anfang August war die Aktie des Bezahlsenders um gut ein Fünftel eingebrochen, als der Sender seine siebte Kapitalerhöhung nach dem Börsengang ankündigte. Zugleich  hatte  der neue Konzernchef Brian Sullivan das Ziel einkassiert, den Sender bis Ende 2011 profitabel zu machen. Weil Medienmagnat Rupert Murdoch für die Kapitalerhöhung garantiert, kann von einer Sky-Pleite erst mal keine Rede sein. Die Manager des Senders haben der Bundesliga offenbar auch signalisiert, dass niemand an eine Aussetzung von Zahlungen oder Nachverhandlungen für TV-Rechte denke.

Mit Murdoch an Bord und auf dem ausgebombten Niveau bei etwa einem Euro könnte die Sky-Aktie eine lukrative Wette sein - einerseits. Andererseits sind an Pay-TV in Deutschland schon viele verzweifelt: Allen voran Filmhändler Leo Kirch, der Premiere 1991 gründete und elf Jahre später pleite ging, auch wegen der über drei Milliarden Euro Premiere-Schulden. Bertelsmann zog sich nach acht Jahren zurück, heute schlägt sich Medienmogul und Hauptaktionär Rupert Murdoch mit der Geldvernichtungsmaschine herum. Profitiert haben nur die Private Equity Fonds von Permira und Georg Kofler, der Premiere 2005 im Auftrag der Finanzinvestoren und Banken an die Börse brachte - zum stolzen Preis von 28 Euro. Permira und Kofler verabschiedeten sich noch zu satt zweistelligen Kursen. Aktionäre, die es ihnen nicht nachtaten und die Papiere bis heute hielten, verloren über 95 Prozent.

Längst nicht profitabel

Sky hat heute keine 2,5 Millionen Abonnenten, von den 2,8 Millionen, die der Sender braucht, um profitabel zu arbeiten, ist er noch weit entfernt, geschweige denn von den vier Millionen, die Kofler beits für Mitte 2008 angekündigt hatte. Beim Börsengang hatten die Banken die Aktie vor allem mit Verweis auf die Erfolge von Pay-TV in Großbritannien und den USA vermarktet. Doch der deutsche Markt ist anders, wie auch Murdoch gerade lernen muss. Die mit Gebühren gefütterten halbstaatlichen Sender können bei Sportrechten - und die sind für Pay-TV entscheidend - locker mitbieten.

"Was aber ist der Wert eines Unternehmens, das es nicht schafft, profitabel zu werden, das regelmäßig und ganz regulär Kapitalspritzen braucht und Geld verbrennt wie ein Buschfeuer?", fragte Peter-Thilo Hasler, Analyst von Viscardi, vor zwei Wochen - und setzt das Kursziel auf 50 Cent.

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%