Pay-TV: Sky Deutschland: Unendliche Geschichte

Pay-TV: Sky Deutschland: Unendliche Geschichte

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Auf einem Moderatoren-Pult des Pay-TV-Senders Sky liegt ein Mikrofon

von Hauke Reimer

Um mehr als ein Fünftel brach am Dienstag die Aktie des Bezahlsenders Sky Deutschland (früher: Premiere) in Frankfurt ein. Sky braucht mal wieder Geld, eine Kapitalerhöhung steht an, die siebte nach dem Börsengang.

Eine neue Kapitalerhöhung und eine Wandelanleihe sollen mindestens 340 Millionen Euro in die Kassen der Münchner bringen. Zugleich  kassierte der neue Konzernchef Brian Sullivan gestern das Ziel ein, den Sender bis Ende 2011 profitabel zu machen.

An Pay-TV in Deutschland sind schon viele verzweifelt: Allen voran Filmhändler Leo Kirch, der Premiere 1991 gründete und elf Jahre später pleite ging, auch wegen der über drei Milliarden Euro Premiere-Schulden. Bertelsmann zog sich nach acht Jahren zurück, heute schlägt sich Medienmogul und Hauptaktionär Rupert Murdoch mit der Geldvernichtungsmaschine herum. Profitiert haben nur die Private Equity Fonds von Permira und Georg Kofler, der Premiere 2005 im Auftrag der Finanzinvestoren und Banken an die Börse brachte - zum stolzen Preis von 28 Euro. Permira und Kofler verabschiedeten sich noch zu satt zweistelligen Kursen. Aktionäre, die es ihnen nicht nachtaten und die Papiere bis heute hielten, verloren über 95 Prozent. 

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Sky hat heute keine 2,5 Millionen Abonnenten, von den 2,8 Millionen, die der Sender braucht, um profitabel zu arbeiten, ist er noch weit entfernt, geschweige denn von den vier Millionen, die Kofler beits für Mitte 2008 angekündigt hatte. Beim Börsengang hatten die Banken die Aktie vor allem mit Verweis auf die Erfolge von Pay-TV in Großbritannien und den USA vermarktet. Doch der deutsche Markt ist anders, wie auch Murdoch gerade lernen muss.  Die mit Gebühren gefütterten halbstaatlichen Sender können bei Sportrechten - und die sind für Pay-TV entscheidend - locker mitbieten.

Politik bestimmt

Für Fußball-WM und Olympia braucht hierzulande niemand Pay-TV, selbst Bundesliga gibt es reichlich bei den Öffentlich-Rechtlichen. Deshalb ist Sky von politischen Regelungen abhängig  - so wie die Solaraktien, deren Wohl und Wehe an den staatlich festgelegten Einspeisevergütungen hängt. Wenn die Rundfunkgebühr fällt oder ARD und ZDF sich auf Druck der Politik aus dem Wettbieten um Sportrechte zurückziehen, wäre Sky ein klarer Kauf. Darauf deutet aber nichts hin.

"Was aber ist der Wert eines Unternehmens, das es nicht schafft, profitabel zu werden, das regelmäßig und ganz regulär Kapitalspritzen braucht und Geld verbrennt wie ein Buschfeuer?", fragt Peter-Thilo Hasler, Analyst von Viscardi, der sich noch aus Neuer-Markt-Zeiten gut mit Cash verbrennenden Medienwerten auskennt - und setzt das Kursziel auf 50 Cent.

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