Personalberater Thorborg: Kompetenz ist keine Altersfrage

Personalberater Thorborg: Kompetenz ist keine Altersfrage

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

von Oliver Voß

Mit Franz Koch rückt ein 32-jähriger an die Puma-Spitze. Personalberater Heiner Thorborg erklärt, welche Gefahren auf ihn lauern und warum junge Chefs die gleichen Fehler machen wie alte.

Der 32-jährige Franz Koch wird neuer Chef von Puma, kann das gut gehen?

Die Position ist mit der vom bisherigen Puma-Chef Jochen Zeitz nicht zu vergleichen. Puma hat ja eine neue Rechtsform und Zeitz behält als Executive Chairman die Kontrolle. Die Rolle von Koch ist daher eher die eines Chief Operating Officer.

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Es würde auch niemand einen 32-jährigen von außen als Chef in ein Drei-Milliarden-Unternehmen holen. Aber Koch ist ja schon seit vier Jahren im Unternehmen, das Risiko, dass er scheitert ist also überschaubar.

Aber die Risiken sind bei jungen Chefs generell höher?

Das kann man so nicht verallgemeinern. Natürlich muss Koch genauso wie jeder andere, der in so eine Position kommt aufpassen, was er dort macht. Doch das betrifft einen 50-jährigen ganz genauso.

Die Gefahren liegen darin, dass Chefs abheben, ihre Angestellten von oben herab behandeln und nicht mehr richtig zuhören. Vielleicht treten Anfang 30-jährige etwas ungestümer auf, doch ansonsten ist es keine Frage des Alters, sondern der Kompetenz.

Aber junge Chefs haben plötzlich Untergebene, die vom Alter ihre Eltern sein könnten und viel mehr Berufserfahrung haben. Gibt es da im Umgang nicht automatisch ein größeres Konfliktpotenzial?

Nein, entscheidend ist die Persönlichkeit und die ist altersunabhängig. Koch sollte wie andere in so einer Position am Anfang viel zuhören und sich mit allen die direkt an ihn berichten zusammensetzen. Er sollte auch in die Kantine gehen und den Mitarbeitern signalisieren, dass man mit ihm reden kann.

Viele seiner Mitarbeiter kennt er ja schon, inwieweit muss man da sein Verhalten ändern, wenn man nun deren Vorgesetzter ist?

Um Gottes Willen. Man muss vor allem authentisch sein. Wer vorher ein Kumpeltyp war, sollte das beibehalten, auch wenn man in bestimmten Situationen etwas mehr Distanz waren muss. Das ist manchmal ein Spagat, aber der größte Fehler wäre es, sich plötzlich zu sehr über die anderen zu stellen oder beispielsweise wieder Mitarbeiter zu Siezen.

Kommen junge Talente heute generell schneller in Führungspositionen?

In Unternehmen wie Amazon oder Google arbeiten natürlich mehr junge Leute als in reiferen Branchen wie dem Maschinenbau. Aber generell sind schon immer junge Leute nach oben gekommen, wenn sie gut sind. Durch den demografischen Wandel kann die Zahl tendenziell zunehmen.

Aber wenn ich Kandidaten für eine Stelle suche, interessiert mich das Alter nicht. Wichtig ist,  welche Fähigkeiten jemand mitbringt, ob er die notwendige Erfahrung und die richtige Persönlichkeit hat. Zudem gibt es ja auch zahlreiche 50-jährige, die im Kopf viel jünger sind. Das biologische Alter spielt dabei eigentlich eine immer kleinere Rolle.    

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