Privatanleger: Was Kaupthing-Kunden und Lehman-Anleger wissen sollten

Privatanleger: Was Kaupthing-Kunden und Lehman-Anleger wissen sollten

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Kaupthing-Zentrale in Reykjavik: Sparer hoffen auf isländische Einlagensicherung

Privatanleger kämpfen um ihr Geld: Was Käufer von Lehman-Zertifikaten und Kaupthing-Kunden wissen sollten.

Banker drehen selbst sicherheitsorientierten Kunden statt des guten alten Sparbuchs gern komplizierte – und provisionsträchtige – Konstrukte an. So haben mehr als 10.000 Deutsche Zertifikate der US-Pleite-Bank Lehman im Depot. Das Problem: Die Papiere sind Inhaberschuldverschreibungen – geht der Emittent pleite, droht der Totalverlust. Ein Risiko, das Bankberater offenbar oft verschwiegen haben. Vor allem Citibank, Dresdner Bank sowie die Sparkassen Hamburg und Frankfurt haben massiv Lehman-Zertifikate verkauft.

Allerdings sind Falschberatungsklagen in Deutschland keine Selbstläufer, weil Anleger beweisen müssen, dass ihr Banker wichtige Aspekte verschwiegen hat – und das ist oft schwierig.

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Ein aktuelles Urteil des Landgerichts Hamburg macht Betroffenen aber Hoffnung (319 O 125/08). Wie die Verbraucherzentrale Hamburg jetzt berichtete, verurteilten die Richter die Dresdner Bank am 30. Juni, einer Anlegerin 21.173 Euro zurückzuzahlen. Ein Mitarbeiter hatte der Frau 2007 das „Global-Champion-Zertifikat“ von Lehman empfohlen, das durch die Finanzkrise massiv an Wert verloren hat.

Die Kundin klagte – und bekam recht. Laut Verbraucherzentrale monierten die Richter, dass der offizielle Prospekt und der von der Bank überreichte „Kundenprospekt“ voneinander abwichen. Zudem sei die Anlegerin nicht darüber informiert worden, dass die Dresdner für den Verkauf des Zertifikats eine Provision von Lehman kassierte. Auf solche verschwiegenen Provisionen setzen Anwälte bei Falschberatungsklagen. Denn wenn Banken Provisionen verheimlichen, sind sie schadensersatzpflichtig.

Ob Island in vollem Umfang einspringt, ist offen

Lehman-Geschädigte formieren sich derzeit zu mehreren Interessengemeinschaften. So treibt Deminor, ein Dienstleister für institutionelle Investoren, eine europäische Sammelklage voran, der sich auch Privatanleger anschließen können (www.deminor.com).

Keine Option sind Klagen derzeit für mehr als 30.000 deutsche Kunden der taumelnden isländischen Kaupthing-Bank. Die Finanzaufsicht BaFin hat die Konten eingefroren, Betroffene müssen hoffen, dass die Bank gerettet wird – oder dass die isländische Einlagensicherung einspringt. In Island sind pro Sparer 20.887 Euro abgesichert, die Regierung hat den Entschädigungsfall aber noch nicht verkündet.

„Betroffene können ihre Ansprüche vorsorglich bei der isländischen Einlagensicherung anmelden, müssen das aber jetzt noch nicht machen“, sagt Heinz Steinhübel von der Kanzlei Dr. Steinhübel & von Buttlar in Stuttgart. Erst wenn der Entschädigungsfall ausgerufen sei, beginne die zweimonatige Frist. Weitere Informationen gibt’s auf der Homepage der isländischen Einlagensicherung (www.tryggingarsjodur.is/QA).

Allerdings ist offen, ob Island in vollem Umfang einspringt, wenn Kaupthing endgültig pleitegeht – selbst in dem Fall, dass das Land am Staatsbankrott vorbei kommt.

„Ich kann mir gut vorstellen, dass Island in Vergleichsverhandlungen eintritt und versucht, eine niedrigere Entschädigungsquote auszuhandeln“, sagt Steinhübel. Das überschuldete Argentinien beispielsweise setzte Anfang 2002 die Zinszahlungen auf Staatsanleihen aus. Bei späteren Vergleichen verloren Anleger bis zu zwei Drittel ihres Geldes.

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