
Die Tage kurz vor dem Jahresende sind immer eine willkommene Gelegenheit, innezuhalten, zurückzublicken und Vorsätze für das neue Jahr zu fassen. Auch wir Analysten nutzen die dunkle Jahreszeit gerne dazu, uns von den täglichen Schwankungen der Kapitalmärkte zu lösen und den Blick nach vorne zu richten.
Dabei fällt eines auf: Während sich die meisten Anleger im laufenden Jahr angesichts hoher Schwankungen vor allem intensiv mit ihrem Aktienportfolio auseinandergesetzt haben, wird die große Herausforderung des kommenden Jahres die Rentenanlage. Bereits die letzten Wochen zeigen, dass der langjährige Trend sinkender Renditen beendet wurde. Mit Blick auf die kommenden Quartale heißt es nun, sich auf steigende Zinsen einzustellen - und das, obwohl die beiden großen Notenbanken EZB und Fed auch 2011 an ihrer Niedrigzinspolitik festhalten werden. Steigende Inflationserwartungen und die in der Summe positiv überraschenden Konjunkturdaten bergen aber das Potenzial für eine beginnende Normalisierung des Zinsniveaus.
Konjunkturell läuft es besser als erwartet. Die jüngsten fiskalpolitischen Gedankenspiele in den USA dürften das Wirtschaftswachstum entsprechend positiv befeuern. Die Kehrseite der Medaille: Die dringend notwendige Konsolidierung des US-Haushalts lässt weiter auf sich warten. Doch auch dies wirkt eher renditetreibend, da Anleger hier zukünftig höhere Risikoaufschläge verlangen dürften.
Nicht zu unterschätzen sind auch systematische Nachfrageverschiebungen. Viele Anleger sind nämlich mittlerweile wieder bereit, die "Risikoleiter" Stufe um Stufe nach oben zu klettern. So wurden in den vergangenen Monaten bereits vielfach Staatsanleihen-Bestände in Unternehmensanleihen, Pfandbriefe und andere Kreditvarianten getauscht. Als nächstes rechnen wir teilweise mit Umschichtungen in den Aktienbereich, für den wir 2011 Kursgewinne im zweistelligen Prozentbereich erwarten.
Doch auch mit Anleihen lässt sich 2011 Geld verdienen. Es ist lediglich mehr Fantasie gefragt als noch vor einigen Monaten. Während bei Bundesanleihen der negative Kurseffekt infolge steigender Renditen den Zinscoupon übertreffen und damit die kommenden Monate zu einem Verlustgeschäft machen dürfte, helfen einige wenige Spielregeln, auch 2011 das Rentendepot sicher aufzustellen:
1. Diversifizieren! Eine sorgfältige Streuung über verschiedene Segmente und Laufzeiten hilft, Risiken zu vermeiden und den Ertrag ausgewogener zu gestalten.
2. Über den Tellerrand hinausblicken! In vielen von der Finanz- und Wirtschaftskrise kaum tangierten Ländern ist der Zinserhöhungszyklus bereits weit fortgeschritten. Australien, Neuseeland, Norwegen oder die Schwellenländer bieten daher bereits heute deutlich höhere Zinsen - und zudem noch Chancen auf eine Währungsaufwertung.
3. Den ganzen Instrumentenkasten nutzen! In Zeiten steigender Zinsen sind vor allem Anlagekonzepte gefragt, die flexibel agieren können. Dazu zählt beispielsweise der Pimco Unconstrained Bond Fund, der im Extremfall eine negative Zinssensitivität aufbauen und damit auch bei steigenden Renditen Kursgewinne erzielen kann.
4. Auch ungewöhnliche Ideen in Erwägung ziehen! Der entsprechend risikobewusste Anleger kann auch darüber nachdenken, einen Teil seiner Anleihebestände durch dividendenstarke Aktien zu substituieren. Denn viele Unternehmen zahlen ihren Aktionären doppelt so hohe Renditen wie ihren Gläubigern.
Wichtig ist mit Blick auf 2011 eines: Die Rentenseite des Depots sollte genauso viel Zuwendung bekommen wie die offensiveren Anlageformen. Denn auch hier kann man viel Geld liegen lassen.
Chris-Oliver Schickentanz ist Leiter Investmentstrategie der Commerzbank. Die Anlageempfehlung spiegelt die Einschätzung des Autors wider. Es ist keine Empfehlung der Redaktion.










