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Profi-Anleger: Die Geldanlagen der besten Vermögensverwalter

von Stefan Hajek

Die Sieger unseres Vermögensverwalter-Wettbewerbs 2009 stehen fest. Wo sie investieren, warum sie in Hausse und Baisse so erfolgreich sind und was die Anlageprofis von Börse, Zinsen, Gold und Inflation erwarten.

Flossbach & von Storch Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Flossbach & von Storch: Die Kölner gewannen den Vergleich der Vermögensverwalter in drei von vier Klassen. Kurt von Storch, Bert Flossbach (von links) Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
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Spaß machen kann das nicht. Es zieht. Es ist laut. Es ist kalt, minus vier Grad, und die Luft stinkt nach Dieselruß. Zwei Männer in dünnen Anzügen stehen fröstelnd in der Ecke und warten, bis ein Fotograf seine Reflektoren und Lampen in Position gebracht hat. Er hat die eisige Tiefgarage des Kölner Medienparks als Kulisse gewählt, um die Herren abzulichten. „Wenigstens müssen wir keine Bademoden präsentieren“, witzelt der eine Darsteller, der 48-jährige Bert Flossbach.

Im Hauptberuf sind Flossbach und sein Partner Kurt von Storch Vermögensverwalter. Sie investieren Geld im Auftrag ihrer Kunden, meist Privatleute, die mehr als eine Million Euro anzulegen haben. Widrige Umstände wie in der Tiefgarage sind sie gewohnt. Seit die Exbanker von Goldman Sachs 1998 ihre Firma gründeten, ereigneten sich allein zwei der drei schlimmsten Börsendesaster der letzten 100 Jahre – 2001/02 und 2008.

Nicht zuletzt, weil es ihnen gelang, in Crashjahren deutlich weniger Geld zu verlieren als die Masse der Profi-Anleger, stehen gleich mehrere ihrer Kundendepots ganz oben im Ranking von Firstfive. Die Analysegesellschaft ermittelt die Renditen von Depots wohlhabender Privatkunden, die diese bei Banken und unabhängigen Verwaltern managen lassen. Anders als viele Ranglisten wertet Firstfive keine Musterdepots mit Spielgeld aus; nur die mit echtem Kundengeld erzielte Rendite zählt.

Enorme Performance-Unterschiede

Tabelle Seite 80
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Die Unterschiede sind enorm. Während etwa die Privatbank Semper Constantia dreistellige Renditen erwirtschaftete, verloren andere selbst im guten Anlagejahr 2009 Geld. Deutlicher noch trennt die Langfrist-Wertung gute von mäßigen Verwaltern. Einige schafften bis zu 60 Prozent Wertzuwachs bei geringen Risiken, andere verloren 2008 mehr als die Hälfte der Kundengelder und sind auch nach fünf Jahren noch tief im Minus. Noch schlechter als den Kunden mediokrer Manager erging es allerdings vielen Privatanlegern. „Die meisten schleppen auf Sicht von mehreren Jahren zweistellige Verluste mit sich herum“, sagt Andreas Beck, Chef des Institutes für Vermögensaufbau, der regelmäßig mehr als 20.000 Depots privater Anleger auswertet.

Die Folge: „Viele Anleger haben resigniert und lassen jetzt die Dinge einfach laufen“, sagt Beck. Passivität und Resignation werden das Depot in den kommenden Jahren aber kaum ins Plus hieven. Dazu wären Aktien und mehrere kräftige Haussejahre nötig.

Was also tun? Für die WirtschaftsWoche haben die besten Geldmanager Portfolios zusammengestellt. Diese Depots sind zwar nur eine Momentaufnahme, ihre Zusammensetzung würde sich in der Praxis täglich ändern; sie eignen sich daher nicht für eine Kaufen-und-liegenlassen-Strategie. Dennoch finden Anleger darin wertvolle Anregungen. Anhand zweier Leser-Depots erklären die Anlagemanager ganz konkret, welche Investments sie behalten und was sie lieber umschichten würden.

Banken arbeiten oft ohne langfristige Strategie

Die Juristin Gitta Hintze hat jahrelang nur in Schatzbriefe und Festgeld investiert. Derzeit hat sie ihre Altersvorsorge, einen sechsstelligen Betrag, komplett in Tagesgeld angelegt. So konnte sie 2002 und 2008 zwar Verluste vermeiden; die Diskussion um die Einlagensicherheit nach der Lehman-Pleite und sinkende Zinsen haben sie aber unsicher gemacht. Inge Weikl-Johansson übergab 1998 mehrere Hunderttausend Mark ihrer Sparkasse. Die baute daraus ein Portfolio aus sechs Fonds, davon allein fünf Aktienfonds, etwa Deka-Telemedien, Deka-Technologie und Deka-Internet. Ergebnis heute: noch immer 40 Prozent Verlust.

„Solche Depots spiegeln die Praxis vieler Banken wider, dem Kunden möglichst viele teure Produkte zu verkaufen, wenn dieser gerade mit Neugeld winkt“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Stuttgart, „eine langfristige Strategie wird nicht einmal ansatzweise erarbeitet.“ Dabei wäre genau die dringend nötig. Studien belegen: Die Auswahl einzelner Papiere, auf die viele Anleger sehr viel Zeit und Energie verwenden, ist zweitrangig. 90 Prozent des langfristigen Renditeunterschiedes zwischen guten und schlechten Depots macht die strategische Verteilung der Gelder auf die großen Anlageklassen Aktien, Anleihen, Bargeld, Gold und Rohstoffe aus.

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5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.03.2011, 18:19 UhrAnonymer Benutzer: Erich

    Der "Selbstversorger" hat recht: Mit "beratergangstern" verliert man nach und nach alles. Man hat soviel Möglichkeiten selbst seine Finanzen in Ordnung zu halten. Absolut ist kein banker interessiert, an der Vermehrung von Kundengeldern. Schon weil er erst auf die Rendite seines instituts sehen muß.

  • 19.02.2010, 18:12 UhrAnonymer Benutzer: Selbstversorger

    Als ich meinen ersten 120.000 DM Job angetreten und nach 5 Jahren 50.000 € zusammengespart hatte , bin ich bei der Deutschen bank vorstellig geworden und wurde durch Mißachtung gestraft. Jetzt - 50.000 € später - können mich bankberater und Co. mal kreuzweise. Getreu dem buffet`schen Motto "Was ich nicht verstehe, tu ích nicht.", brauche ich keine berater mehr. Dafür schlafe ich ruhiger, laß` meine langweiligen Aktien Dividende abwerfen, freue mich über moderate aber stetige Kursgewinne und habe vor Abgeltungssteuerzeiten das Depot geradegezogen. Aktuell wird bargeld gehäuft, dieses scheibchenweise in Gold und Schweizer Franken umgewandelt und gut ists. Mehr als einen Mittelklassewagen auf dem Konto braucht kein Mensch (auch als "Notgroschen"), der Rest ist unspektakulär angelegt.
    Ein schönes Leben noch... und füttert mal ordentlich die ach so seriösen beraterganster...

  • 19.02.2010, 15:56 UhrAnonymer Benutzer: es geht anders

    Die beste Vermögensanlage erfolgt in die Köpfe der Kinder - steuerfrei: Das Raffen von Geld mit einhergehendender Vernachlässigung der Kinder (anders geht es trotz aller heuchlerischen beteuerungen nicht) ist suboptimal: viel Geld bleibt zunächst einmal bei diversen Verlustmechanismen hängen wie mehrere Autos, immobilität, Steuerprogression, Anlagebetrug etc.. Sehr viel wird dann von den Menschen selbst hedonistisch verpraßt: 3x pro Jahr Fernreisen etc.

    Vor allem wird übersehen, daß das „angelegte“ Geld letztlich doch weg ist, weil es noch am selben Tag wieder ausgeteilt wird: Der halbe Staatshaushalt geht in die Sozialschiene und an Leute, die nicht arbeiten. Die banken als unmittelbare Geldverwalter verspielen Unsummen, weil sie unfähig sind, unsere Geschichtserfahrungen so zu berücksichtigen, daß sie den angelsächsischen Finanztricks nicht mehr auf den Leim gehen: bei deutschen banken und bei deutschen Unternehmen wurden bekanntlich die größten Verwüstungen angerichtet.

    Die vermeintlichen Rückflüsse aus wird es so gar nicht geben. Es müßte erst von der nächsten Generation neu erarbeitet werden. Da unsere Hedonismusgesellschaft aber erstmals in der Menschheitsgeschichte erfunden hat, daß man keine Kinder braucht, wird aus der Rückzahlung nichts. Hohe und schleichende inflation wird die Antwort sein.

    Man muß also eigene Kinder haben und dort investieren, und zwar jeder für sich selbst, weil die Allgemeinheit diese Trivialerkenntnis intellektuell nicht mehr bewältigt.

    Der Ratschlag an die Mittelschicht, in die eigenen Kinder zu investieren (natürlich nicht in ein sinnloses Dumm-Studium mit automatisch folgender Arbeitslosigkeit), wurde übrigens immer wieder von dem berühmten börsen-Guru André Kostolany mit der Mahnung bekräftigt, daß nirgendwo die Konzentration an Lügnern und betrügern größer sei als an der börse.

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