
Spaß machen kann das nicht. Es zieht. Es ist laut. Es ist kalt, minus vier Grad, und die Luft stinkt nach Dieselruß. Zwei Männer in dünnen Anzügen stehen fröstelnd in der Ecke und warten, bis ein Fotograf seine Reflektoren und Lampen in Position gebracht hat. Er hat die eisige Tiefgarage des Kölner Medienparks als Kulisse gewählt, um die Herren abzulichten. „Wenigstens müssen wir keine Bademoden präsentieren“, witzelt der eine Darsteller, der 48-jährige Bert Flossbach.
Im Hauptberuf sind Flossbach und sein Partner Kurt von Storch Vermögensverwalter. Sie investieren Geld im Auftrag ihrer Kunden, meist Privatleute, die mehr als eine Million Euro anzulegen haben. Widrige Umstände wie in der Tiefgarage sind sie gewohnt. Seit die Exbanker von Goldman Sachs 1998 ihre Firma gründeten, ereigneten sich allein zwei der drei schlimmsten Börsendesaster der letzten 100 Jahre – 2001/02 und 2008.
Nicht zuletzt, weil es ihnen gelang, in Crashjahren deutlich weniger Geld zu verlieren als die Masse der Profi-Anleger, stehen gleich mehrere ihrer Kundendepots ganz oben im Ranking von Firstfive. Die Analysegesellschaft ermittelt die Renditen von Depots wohlhabender Privatkunden, die diese bei Banken und unabhängigen Verwaltern managen lassen. Anders als viele Ranglisten wertet Firstfive keine Musterdepots mit Spielgeld aus; nur die mit echtem Kundengeld erzielte Rendite zählt.
Enorme Performance-Unterschiede

Die Unterschiede sind enorm. Während etwa die Privatbank Semper Constantia dreistellige Renditen erwirtschaftete, verloren andere selbst im guten Anlagejahr 2009 Geld. Deutlicher noch trennt die Langfrist-Wertung gute von mäßigen Verwaltern. Einige schafften bis zu 60 Prozent Wertzuwachs bei geringen Risiken, andere verloren 2008 mehr als die Hälfte der Kundengelder und sind auch nach fünf Jahren noch tief im Minus. Noch schlechter als den Kunden mediokrer Manager erging es allerdings vielen Privatanlegern. „Die meisten schleppen auf Sicht von mehreren Jahren zweistellige Verluste mit sich herum“, sagt Andreas Beck, Chef des Institutes für Vermögensaufbau, der regelmäßig mehr als 20.000 Depots privater Anleger auswertet.
Die Folge: „Viele Anleger haben resigniert und lassen jetzt die Dinge einfach laufen“, sagt Beck. Passivität und Resignation werden das Depot in den kommenden Jahren aber kaum ins Plus hieven. Dazu wären Aktien und mehrere kräftige Haussejahre nötig.
Was also tun? Für die WirtschaftsWoche haben die besten Geldmanager Portfolios zusammengestellt. Diese Depots sind zwar nur eine Momentaufnahme, ihre Zusammensetzung würde sich in der Praxis täglich ändern; sie eignen sich daher nicht für eine Kaufen-und-liegenlassen-Strategie. Dennoch finden Anleger darin wertvolle Anregungen. Anhand zweier Leser-Depots erklären die Anlagemanager ganz konkret, welche Investments sie behalten und was sie lieber umschichten würden.
Banken arbeiten oft ohne langfristige Strategie
Die Juristin Gitta Hintze hat jahrelang nur in Schatzbriefe und Festgeld investiert. Derzeit hat sie ihre Altersvorsorge, einen sechsstelligen Betrag, komplett in Tagesgeld angelegt. So konnte sie 2002 und 2008 zwar Verluste vermeiden; die Diskussion um die Einlagensicherheit nach der Lehman-Pleite und sinkende Zinsen haben sie aber unsicher gemacht. Inge Weikl-Johansson übergab 1998 mehrere Hunderttausend Mark ihrer Sparkasse. Die baute daraus ein Portfolio aus sechs Fonds, davon allein fünf Aktienfonds, etwa Deka-Telemedien, Deka-Technologie und Deka-Internet. Ergebnis heute: noch immer 40 Prozent Verlust.
„Solche Depots spiegeln die Praxis vieler Banken wider, dem Kunden möglichst viele teure Produkte zu verkaufen, wenn dieser gerade mit Neugeld winkt“, sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Stuttgart, „eine langfristige Strategie wird nicht einmal ansatzweise erarbeitet.“ Dabei wäre genau die dringend nötig. Studien belegen: Die Auswahl einzelner Papiere, auf die viele Anleger sehr viel Zeit und Energie verwenden, ist zweitrangig. 90 Prozent des langfristigen Renditeunterschiedes zwischen guten und schlechten Depots macht die strategische Verteilung der Gelder auf die großen Anlageklassen Aktien, Anleihen, Bargeld, Gold und Rohstoffe aus.





