Reisebericht: Die letzten Tage in Shanghai

Reisebericht: Die letzten Tage in Shanghai

Die Zeit kurz vor der Rückreise ist sowohl geprägt von Prüfungs- und Auszugsstress, ein bisschen Bedauern, dass das Auslandsjahr nun zuende geht, als auch von schönen Momenten, wie dem Besuch meines Vaters und Onkels, wo es noch mal zu vielen lustigen, durch den Kulturunterschied verursachten Situationen kam.

Nun endet mein einjähriger Studienaufenthalt in China. Aufgrund von Prüfungsstress, Wohnungsauflösung und Besuch meines Vaters und Onkel liegt eine längere Zeit zwischen dem letzten Blogeintrag und diesem Bericht. Mein Vater und mein Onkel haben mich für eine Woche in Shanghai besucht. Die Zeit mit ihnen war sehr schön und interessant. Ich habe festgestellt, dass ich mich schon so sehr an China gewöhnt habe, dass ich viele Dinge, die einem Frischangekommenen auffallen, gar nicht mehr registriere. Es gab viele Situationen, bei denen wir aus dem Lachen nicht mehr herauskamen. Die beiden wohnten in einem Hotel, das in der Nähe meines Campus liegt. Nachdem sie am ersten Tag eingecheckt hatten, sind wir zunächst Mittag Essen gegangen, wo sich alsbald eine lustige Situation ergab. Als wir das Restaurant um 14.30 Uhr betraten, lagen einige Kellner auf den Bänken und hielten ein Mittagschläfchen. Mein Vater stellte sich direkt vor, wie er seinen Angestellten sagen würde, dass sie während des Mittags- und Abendsgeschäfts doch gar nicht nach Hause fahren müssten, sondern im Restaurant auf den Bänken schlafen könnten. Darüber hinaus zog das Wohlstandsbäuchlein meines Onkels oftmals die Aufmerksamkeit der Chinesen auf sich. Dies zeigte sich in bewundernden, oder erstaunten Blicken bis hin zur Imitation der Form des Bauches (durch einen Polizisten!). Mein Onkel reagierte stets gelassen darauf und hatte immer einen lockeren Spruch zu jeder Situation. Kurzweilig gab es die Überlegung aus dem Bauch Kapital zu schlagen und für das Streicheln des Bauches jeweils eine Gebühr von 4€ zu verlangen. Die Angestellten des Hotels hatten wirklich viel Spaß mit/ und Interesse an meinem Vater und Onkel. Sie stritten sich fast darum, wer ihnen das Bier servieren durfte. Nicht selten passierte es auch, dass die beiden anstatt 2 Flaschen, gleich 8 Flaschen Bier bestellten. Das Ausstrecken des Daumens und des Zeigefingers bedeutet nämlich „Acht“. Im Großen und Ganzen hatte ich den Eindruck, dass die beiden die Zeit in China genossen haben, auch wenn es manchmal ziemlich anstrengend und hektisch war. Zusammenfassend sagten sie mir, dass sie in einer Woche soviel erlebt hätten, wie man sonst in 3 Wochen unternommen hätte. Heute Abend geht mein Flug zurück nach Deutschland. An meinem letzten Tag in China mache ich noch ein paar letzte Einkäufe, besorge Souvenirs etc. Ich verlasse China mit einem lachendem und einem weinenden Auge, denn ich habe die Zeit hier sehr genossen und die Ferne vom Heimatland dazu nutzen können, meinen Horizont zu erweitern. Der Abschied von Shanghai fällt mir fast schwerer als der vor einem Jahr von Deutschland. Als ich mich damals von meinen Freunden und Verwandten verabschiedete, um mein Auslandsjahr anzutreten, hatte ich die ruhige Gewissheit, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit alles so wieder vorfinden werde, wie ich es verlassen habe. Mit Shanghai verhält es sich anders, ich werde nicht wieder in meine Wohnung ziehen können und auch das Studentenleben – sowohl die Aktivitäten als auch die Freunde, die man hatte – wird man nicht wieder in der Form vorfinden, wenn man wieder nach Shanghai kommt. So geht ein schöner Lebensabschnitt zu Ende. Aber jedes Ende bedeutet auch wieder einen Neuanfang. Sobald ich angekommen bin, werde ich Ihnen von meinen ersten Eindrücken zurück in der Heimat berichten.

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