Reisebericht: Ein Jahr China – „Das Resümee“

Reisebericht: Ein Jahr China – „Das Resümee“

Seit einer Woche zuhause angekommen, habe ich viele Eindrücke, die ich während meines einjährigen Auslandsaufenthalts gesammelt habe, verarbeitet. In diesem Resümee möchte ich unter anderem einige Sachverhalte ansprechen, die ich aus Sicherheitsgründen erst zurück in der Heimat ansprechen konnte.

Während des einen Jahres in der Volksrepublik habe ich sehr viel erlebt. Viele Eindrücke habe ich während des Reisens gesammelt, doch auch das tägliche Leben in Shanghai gab mir einen tiefen Einblick in die chinesische Gesellschaft. Fast ausnahmslos sind die Chinesen uns mit sehr viel Freundlichkeit und Offenheit begegnet. Selten habe ich es im Ausland erlebt, das ein Volk so offen und interessiert auf Ausländer zugeht. Doch auch international gesehen, war das Jahr in China für mich von unschätzbarem Wert. Durch den Unterricht an der Uni haben wir Menschen verschiedenster Herkunft kennengelernt. Um nur einige aufzuzählen: Koreaner, Japaner, Indonesier, Kanadier, Mexikaner, Europäer, Australier, Südafrikaner und viele mehr. Durch den täglichen Kontakt hat man auch ihre Charaktereigenschaften, von denen so manche generell für die Nationalität bestimmt werden können, kennen- und somit einschätzen gelernt. Sehr bedauerlich finde ich, dass man bei der Konversation mit Chinesen oft an einen Punkt kommt, wo die Fronten aufeinanderstoßen. Das Weltbild der Menschen in China ist stark geprägt von der zensierten, gesteuerten Presse. Ein Beispiel dafür ist ein chinesischer Freund von uns. Er hegt, wie viele Chinesen, einen Groll gegen Japan. Als wir ihn fragten, warum dies so sei, antworte er uns, dass man in der Zeitung immer wieder lesen könne, dass chinesische Studenten, die nach Japan gehen, misshandelt werden. Männer werden verprügelt und Frauen werden vergewaltigt. Darüber würden häufig Berichte veröffentlicht. Außerdem verkaufe Japan China mangelhafte Produkte. Wir waren in einem Jahr in China, das von vielen Ereignissen geprägt wurde. Zu Anfangs fegte ein Taifun über die Ostküste Chinas, dann brach der kälteste Winter seit 50 Jahren ein, im März kamen die Proteste und Aufstände in Tibet auf, danach brachte das Erdbeben von Sichuan großes Leid über China und nun stehen noch die Olympischen Spiele an. Während der Visadebatte, bei der sich herausstellte, dass alle Studenten, die nächstes Semester nicht mehr an einer chinesischen Hochschule immatrikuliert sind, das Land verlassen müssen, war ich sehr enttäuscht über die Haltung unserer Uni. Natürlich sind die Universitäten an die Beschlüsse von oben gebunden, doch ich hätte erwartet, dass die Unis ihre Studenten wenigstens über die Sachverhalte erkundigen. Unsere einzige Informationsquelle war die ausländische Presse. Das China ein Überwachungsstaat ist, haben wir am eigenen Leib erfahren. Sowohl wurde das Telefon dann und wann abgehört, als auch viele Internetseiten gesperrt, darüber hinaus gab es auch schon mal direkte Anrufe von der Polizei. Russische Nachbarn wurden sogar des Öfteren von der Polizei besucht und über ihre politische Einstellung befragt. Aus diesem Grunde musste ich mich auch sehr bei der Berichterstattung zum Thema Tibet zurückhalten. Interessant ist, dass diejenigen Chinesen, die bereits im Ausland waren, sei es Urlaub oder zwecks Auslandsstudium, hinterfragen deutlich mehr als ihre anderen Landesgenossen. Sie profitieren davon, durch eine internationale Presse informiert worden zu sein. Wenn man sie auf das Thema Tibet ansprach, äußerten sie Kritik bezüglich Chinas Tibetpolitik, sind jedoch hilflos. Dennoch sehe ich darin eine große Chance für Änderungen in der Zukunft. Während meiner schwierigeren Zeiten in China, habe ich ehrlich gesagt schon manchmal darüber nachgedacht, alles abzubrechen. Doch ich bin letztlich zu dem Schluss gekommen, dass nur der Austausch und Handel mit China Änderungen bewirken kann. Bei der Auseinandersetzung mit dem System der VR China tauchen oft Widersprüche der westlichen und der chinesischen Denkweise auf. Wichtig ist meines Erachtens, dass man niemals das Volk an sich ablehnt, denn die Chinesen sind ein sehr freundliches und hilfsbereites Volk. Sehr schön fand ich auch den starken Familienzusammenhalt der Chinesen. Das ist in der Form in Deutschland nur noch selten der Fall. Auch an der Integration der Senioren in der Gesellschaft könnte sich Deutschland ein Scheibchen abschneiden. Der Abschied von China ist mir nicht leichtgefallen. Es war ein großartiges Jahr in China und ich freue mich schon auf den nächsten Besuch in der Volksrepublik. Abschließend möchte ich bei Ihnen, meinen Lesern für Ihr Interesse an meinen Berichten und Ihre zahlreichen, die Diskussion vorantreibenden Kommentare bedanken. Seit einer Woche zuhause angekommen, habe ich viele Eindrücke, die ich während meines einjährigen Auslandsaufenthalts gesammelt habe, verarbeitet. In diesem Resümee möchte ich unter anderem einige Sachverhalte ansprechen, die ich aus Sicherheitsgründen erst zurück in der Heimat ansprechen konnte. Während des einen Jahres in der Volksrepublik habe ich sehr viel erlebt. Viele Eindrücke habe ich während des Reisens gesammelt, doch auch das tägliche Leben in Shanghai gab mir einen tiefen Einblick in die chinesische Gesellschaft. Fast ausnahmslos sind die Chinesen uns mit sehr viel Freundlichkeit und Offenheit begegnet. Selten habe ich es im Ausland erlebt, das ein Volk so offen und interessiert auf Ausländer zugeht. Doch auch international gesehen, war das Jahr in China für mich von unschätzbarem Wert. Durch den Unterricht an der Uni haben wir Menschen verschiedenster Herkunft kennengelernt. Um nur einige aufzuzählen: Koreaner, Japaner, Indonesier, Kanadier, Mexikaner, Europäer, Australier, Südafrikaner und viele mehr. Durch den täglichen Kontakt hat man auch ihre Charaktereigenschaften, von denen so manche generell für die Nationalität bestimmt werden können, kennen- und somit einschätzen gelernt. Sehr bedauerlich finde ich, dass man bei der Konversation mit Chinesen oft an einen Punkt kommt, wo die Fronten aufeinanderstoßen. Das Weltbild der Menschen in China ist stark geprägt von der zensierten, gesteuerten Presse. Ein Beispiel dafür ist ein chinesischer Freund von uns. Er hegt, wie viele Chinesen, einen Groll gegen Japan. Als wir ihn fragten, warum dies so sei, antworte er uns, dass man in der Zeitung immer wieder lesen könne, dass chinesische Studenten, die nach Japan gehen, misshandelt werden. Männer werden verprügelt und Frauen werden vergewaltigt. Darüber würden häufig Berichte veröffentlicht. Außerdem verkaufe Japan China mangelhafte Produkte. Wir waren in einem Jahr in China, das von vielen Ereignissen geprägt wurde. Zu Anfangs fegte ein Taifun über die Ostküste Chinas, dann brach der kälteste Winter seit 50 Jahren ein, im März kamen die Proteste und Aufstände in Tibet auf, danach brachte das Erdbeben von Sichuan großes Leid über China und nun stehen noch die Olympischen Spiele an. Während der Visadebatte, bei der sich herausstellte, dass alle Studenten, die nächstes Semester nicht mehr an einer chinesischen Hochschule immatrikuliert sind, das Land verlassen müssen, war ich sehr enttäuscht über die Haltung unserer Uni. Natürlich sind die Universitäten an die Beschlüsse von oben gebunden, doch ich hätte erwartet, dass die Unis ihre Studenten wenigstens über die Sachverhalte erkundigen. Unsere einzige Informationsquelle war die ausländische Presse. Das China ein Überwachungsstaat ist, haben wir am eigenen Leib erfahren. Sowohl wurde das Telefon dann und wann abgehört, als auch viele Internetseiten gesperrt, darüber hinaus gab es auch schon mal direkte Anrufe von der Polizei. Russische Nachbarn wurden sogar des Öfteren von der Polizei besucht und über ihre politische Einstellung befragt. Aus diesem Grunde musste ich mich auch sehr bei der Berichterstattung zum Thema Tibet zurückhalten. Interessant ist, dass diejenigen Chinesen, die bereits im Ausland waren, sei es Urlaub oder zwecks Auslandsstudium, hinterfragen deutlich mehr als ihre anderen Landesgenossen. Sie profitieren davon, durch eine internationale Presse informiert worden zu sein. Wenn man sie auf das Thema Tibet ansprach, äußerten sie Kritik bezüglich Chinas Tibetpolitik, sind jedoch hilflos. Dennoch sehe ich darin eine große Chance für Änderungen in der Zukunft. Während meiner schwierigeren Zeiten in China, habe ich ehrlich gesagt schon manchmal darüber nachgedacht, alles abzubrechen. Doch ich bin letztlich zu dem Schluss gekommen, dass nur der Austausch und Handel mit China Änderungen bewirken kann. Bei der Auseinandersetzung mit dem System der VR China tauchen oft Widersprüche der westlichen und der chinesischen Denkweise auf. Wichtig ist meines Erachtens, dass man niemals das Volk an sich ablehnt, denn die Chinesen sind ein sehr freundliches und hilfsbereites Volk. Sehr schön fand ich auch den starken Familienzusammenhalt der Chinesen. Das ist in der Form in Deutschland nur noch selten der Fall. Auch an der Integration der Senioren in der Gesellschaft könnte sich Deutschland ein Scheibchen abschneiden. Der Abschied von China ist mir nicht leichtgefallen. Es war ein großartiges Jahr in China und ich freue mich schon auf den nächsten Besuch in der Volksrepublik. Abschließend möchte ich bei Ihnen, meinen Lesern für Ihr Interesse an meinen Berichten und Ihre zahlreichen, die Diskussion vorantreibenden Kommentare bedanken.

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