Reisebericht: Lächeln statt Streitfragen zu diskutieren

Reisebericht: Lächeln statt Streitfragen zu diskutieren

Bei ihrem Treffen in Peking verkündeten Außenminister Steinmeier und Premier Wen das Ende der Eiszeit zwischen Deutschland und China. Doch viele deutsche Manager kritisieren nun die Volksrepublik und fühlen sich von der Regierung schikaniert.

Die Eiszeit zwischen Deutschland und China war durch den Empfang des Dalai Lamas im vergangenen Herbst entstanden. In der Regierungszentrale Zhongnanhai bedankte sich die chinesische Regierung für die deutsche Erdbebenhilfe in Sichuan: „In der Not erkennt man den wahren Freund.“ China erhielt von Deutschland Hilfe im Wert von 20 Milliarden Euro, darunter ein mobiles Krankenhaus des Roten Kreuzes. Darüber hinaus stellte Steinmeier den Chinesen in Aussicht, dass deutsche Unternehmen acht Schulen für die Kinder im Erdbebengebiet bauen wollen. Der Tibetkonflikt wurde schnell mit dem folgenden Kommentar abgehakt: „Meinungsunterschiede und Konflikte sind nur Nebenströmungen in unseren Beziehungen“, mit „wirtschaftlichem Austausch“ seien sie zu überwinden. Wen nutzte die Gelegenheit für mehr Handel und Investitionen in China zu werben: China sei "politisch und gesellschaftlich stabil", das "Rechtssystem transparent", das "geistige Eigentum" werde "respektiert und geschützt". Peking halte außerdem an der Öffnungspolitik fest. Die deutschen Manager agierten nach dem Motto „gute Miene zum bösen Spiel“. Lächelnd stellten sie sich zum Gruppenfoto mit Wen auf. Doch draußen vor der Tür konnten sie sich nicht mehr halten. Sie sind stocksauer, weil Pekings Diplomaten entgegen Wens Beteuerungen neuerdings die Geschäfte erschweren, Mehrfachvisa verweigern, Besuche von Experten willkürlich abkürzen, die unmöglichsten Dokumente verlangen. Auch ausländische Journalisten bekommen die neue Politik zu spüren: Obwohl die Regierung ihnen zu den Olympischen Spielen offene Berichterstattung zugesichert hat, blockiert sie wenige Wochen vor Beginn plötzlich die Einreise vieler Berichterstatter.

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