Reisebericht: Von Eselskarren, Shaolinmönchen und anderen Eindrücken von der Provinz Henan

Reisebericht: Von Eselskarren, Shaolinmönchen und anderen Eindrücken von der Provinz Henan

Am Wochenende habe ich meine Freundin Tine, mit der ich in Köln zusammen studiert habe, in Henan (Nordchina) besucht. Sie absolviert ihr Auslandsjahr in Zhengzhou.

Zhengzhou liegt 700km südwestlich von Beijing. Auf der Hinfahrt nahm ich den Nachtzug. Am Freitag um 6.15 Uhr in Zhengzhou angekommen, hatten wir noch den ganzen Tag vor uns, um ihn für Ausflüge nutzen zu können. Während der Busfahrt vom Bahnhof zum Campus der Zhengzhou Daxue, die übrigens fast eine ganze Stunde dauert, habe ich bereits einen kleinen Eindruck von dieser Stadt bekommen. Zhengzhou wirkte auf mich relativ hektisch, da der Straßenverkehr ziemlich chaotisch ist. Nicht selten sieht man zwischen den unzähligen Bussen auch noch Eselskarren. Als Westler fällt man hier unglaublich auf. Jeder fünfte möchte ein Foto mit einem machen, was ja noch ganz nett ist. Unangenehm ist es jedoch, wenn man heimlich fotografiert oder gefilmt wird. Unser erstes Ziel am Freitag waren die Longmen Grotten in Luoyang. Auf der nahezu dreistündigen Busfahrt dorthin hatten wir Zeit, um uns über die Ereignisse der letzten Monate auszutauschen. Die Longmen Grotten befinden sich auf einem rund einen Kilometer langen Streifen am Westufer des Flusses Yi. Circa 2000 Höhlen oder Nischen und mehr als 100.000 Statuen drängen sich in den Höhlen. Hauptsächlich kann man hier Buddha-Statuen und andere Gottheiten bewundern. Die Longmen-Grotten wurden von den Herrschern der Nördlichen Wei (386-534) angelegt. Die Größe und Individualität der Figuren sind wirklich erstaunlich. Als Besucher fragt man sich, wie viele Generationen damit zugebracht haben, dieses Werk zu erstellen. Während der Kulturrevolution in den 1960er Jahren wurden hier viele Statuen zerstört. In vielen Nischen ist keine Figur mehr zu sehen. Sehr vielen Buddha-Statuen wurde der Kopf abgeschlagen. Seit 2000 gehören die Grotten zum Unesco-Weltkulturerbe. Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Dengfeng um die Kampfkunst des Shaolinordens zu bewundern. Der Eintritt zu dem Shaolin-Tempel-Komplex ist relativ teuer. Im Preis von 100 Yuan (10€) ist jedoch auch eine Vorführung enthalten. Als wir zu der Vorführung gehen wollten, wurden wir von einer Gruppe junger Shaolinschüler abgelenkt. In einem etwas abgelegenen Innenhof übten etwa 30 Jungen im Alter von 7-11 eine Art Drehsprung. Als aus dem Gebäude Musik ertönte, fragte ich einen der Schüler, ob wir einmal einen Blick hineinwerfen dürfen. Er öffnete uns freundlich die Tür zu der Halle. Als wir eine große, hell erleuchtete Bühne sahen, auf der junge Shaolinkämpfer ihr Können unter Beweis stellten, dachte ich zuerst, dass wir schon in der Vorführung seien. Doch der Blick ins Publikum wo keine Besucher sondern nur Shaolinschüler saßen, verriet mir, dass dies eine inoffizielle Aufführung war. Ein freundlicher Mann erklärte mir, dass dies die Show sei, die die Shaolin-Nachwuchstalente während der olympischen Spiele aufführen. Eine Gruppe sei bereits nach Peking gereist. Die Gruppe, die nun auf der Bühne kämpfte, würde in einer anderen Stadt auftreten. Von den Kämpfkünsten und der Gelenkigkeit der Shaolinschüler war ich tief beeindruckt. Natürlich gingen wir dann auch noch zu der richtigen Aufführung. Diese hatte aber für uns nicht soviel Charme, wie die Aufführung, die wir zuvor gesehen hatten. Den nächsten Tag verbrachten wir in Kaifeng, welches 70km östlich von Zhengzhou liegt und Hauptstadt von sieben Dynastien war. Der Besuch des Longting-Parks, wo man den alten Kaiserpalast besichtigen kann, hat mich ein wenig an die Verbotene Stadt in Peking erinnert. Das Wochenende mit meiner Freundin war sehr schön. Ich muss jedoch zugeben, dass ich sie wirklich für ihre Stärke und ihr Durchhaltevermögen bewundere. Ich kann ihr nur zustimmen, dass Henan außer seinen Sehenswürdigkeiten nicht viel zu bieten hat. Es gibt hier für Studenten nur wenige Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten. Tine hat bisher das beste aus der Situation gemacht. Sie gibt Deutschunterricht an der Uni Zhengzhou, wodurch sie sich eine geräumige Wohnung finanziert und nimmt mit viel Begeisterung Taichi – Unterricht.  

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