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Rekordjagd: Preisexplosion bei Benzin und Rohöl

Quelle: Handelsblatt Online

Superbenzin und Rohöl haben am Freitag neue Rekordpreise erreicht - und ein Ende ist nicht in Sicht. Das Ölkartell Opec sagt für die kommenden Wochen sogar neue Spitzenpreise beim Rohöl von bis zu 170 Dollar voraus. Und auch die vorläufigen Zahlen zur Inflation in Deutschland lassen nichts Gutes erahnen.

Ständig neue Rekorde beim Ölpreis belasten zunehmend die Geldbörse der Autofahrer. Quelle: dpa
Ständig neue Rekorde beim Ölpreis belasten zunehmend die Geldbörse der Autofahrer. Quelle: dpa

HB NEW YORK. Die Benzin- und Dieselpreise haben am Freitag einen kräftigen Sprung nach oben gemacht und neue Höchststände erreicht. Super war mit einem bundesweiten Durchschnittspreis von 1,58 Euro pro Liter nach Angaben aus der Mineralölbranche so teuer wie nie zuvor. Für einen Liter Diesel mussten 1,53 Euro gezahlt werden.

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Der Rohölpreis kletterte zum ersten Mal über 142 Dollar pro Barrel (159 Liter). Nicht einmal eine Woche nach dem Krisengipfel der OPEC in Dschidda mussten an der New Yorker Börse zeitweise 142,99 Dollar pro Barrel gezahlt werden. Zum Handelsschluss gab der Preis wieder leicht nach und schloss bei 140,21 Dollar.

Grund des Anstiegs waren neben einer erneuten Schwächung des Dollars vor allem Äußerungen von OPEC-Präsident Chakib Khelil. Er halte einen Ölpreisanstieg auf 150 bis 170 Dollar noch in diesem Sommer für möglich, hatte Khelil am Donnerstag gesagt. Ende des Jahres könnten die Preise dann wieder etwas sinken.

Ein noch düsteres Bild zeichnete der Chef des russischen Energiegiganten Gazprom, Alexej Miller, in der "Financial Times". Er sagte Ölpreise von 250 Dollar pro Barrel für das kommende Jahr voraus.

Für weitere Unsicherheit sorgte der Chef der staatlichen Ölgesellschaft Libyens, der Medienberichten zufolge eine Produktionskürzung nicht ausschloss. Der Markt sei hinreichend versorgt, wird er zitiert.

"Das bedeutet mehr Inflation und weniger Wachstum", sagt Miguel Angel Fernandez Ordonez, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bezeichnete die galoppierenden Energiepreise als größte Bedrohung für die Weltwirtschaft.

Die Preisexplosion beim Rohöl schlägt auch zunehmend auf die Börsenplätze durch. Der Dax schloß 0,6 Prozent niedriger bei 6421 Punkten. Auf Wochensicht verlor der Leitindex damit 2,4 Prozent.

Viele Anleger kauften Öl und Gold, um sich gegen die Abwertung des Dollar und die Kursverluste an den Aktienmärkten abzusichern, erklärten Marktteilnehmer den Preisanstieg. Sie sprachen von einem Teufelskreis: Der steigende Ölpreis schüre die Angst vor einer höheren Inflation. Die Flucht der Anleger in Öl und andere Rohstoffe treibe wiederum deren Preise noch höher.

Rekordinflation in Deutschland

In Deutschland wird infolge das Leben in rasantem Tempo teurer. Die Inflation sprang nach vorläufigen Daten im Juni auf den höchsten Stand seit 15 Jahren Nach Angaben der Statistischen Landesämter stiegen die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3,0 bis 3,8 Prozent. Eine stärkere Inflation war zuletzt im Dezember 1993 mit 4,2 Prozent gemessen worden.

Die Preise klettern auch in anderen Euro-Ländern rasant. In Spanien wurde mit 5,1 Prozent die bislang höchste Teuerungsrate ermittelt. In Belgien lag sie mit 5,8 Prozent so hoch wie seit fast 24 Jahren nicht mehr. Für den gesamten Euro-Raum erwarten die von Reuters befragten Analysten eine Rekordinflationsrate von 3,9 Prozent.

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht stabile Preise auf mittlere Sicht nur bei Raten von knapp unter zwei Prozent gesichert. Sie hat deshalb signalisiert, ihren Leitzins kommende Woche erstmals seit gut einem Jahr von derzeit 4,0 auf dann 4,25 Prozent anzuheben.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 28.06.2008, 18:29 UhrPepe

    Da muss Rolf Lienau recht geben.
    Die Entwicklung wurde schlicht verpennt, keiner hat sich auch nur die Mühe gemacht in den entsprechenden Chefetagen, sei es Politik oder Konzerne, über solche Szenarien genauer nachzudenken.
    Wo bleiben die Pläne für Notzeiten? Hat bisher niemand an einem Worst Case Szenario gearbeitet ? Jedes Rechenzentrum hat sowas in der Schublade!
    Welch ein Schande für Europa!
    Wenn sich die Situation für die breite Masse in Europa extrem verschlechtern sollte, sehe ich für alle kommenden Wahlen europäischer Länder schwarz. Und hier meine ich die Parteien der demokratischen Mitte.
    Solche Zeiten sind für politische Hardliner und Demagogen ein gefundenes Fressen.
    Man sollte auch nicht vergessen, das Rohstoffknappheit der Grund Nr.1 für bewaffnete Konflikte seit Menschengedenken sind.
    Wenn sich die "Großen" von Politik und Wirtschaft nicht zusammentun und eine volksnahe Lösung oder zumindest einen Ansatz dafür präsentieren, wird sich eines Tages die Wut des Volkes entladen. Nicht nur Deutschland hat unter totalitären Regimen gelitten, ganz Europa hat schon blutige Erfahrungen gemacht.
    ich sehe dunkle Wolken am Horizont der freiheitlichen Demokratie..
    Und diese Wolken könnten der Welt das bringen, was wir hier seit über 50 Jahren nicht mehr hatten : Krieg.

    Auch wenn es sehr weit hergeholt ist. Ganz abwegig ist nicht.

  • 28.06.2008, 12:50 UhrRolf Lienau

    Jetzt rächt sich, was 50 oder mehr Jahre lang versäumt worden ist.
    Seit beginn der Erdölföderung ist bekannt, dass dieser Energieträger endlich ist und irgend wann von der Erde verschwindet.
    Für stationär und schienengebunden betriebene Anlagen ist das kein Problem weil man hier immer elektrische Energie, aus welchen Quellen auch immer, verwenden kann.
    Das Problem sind unsere geliebten Autos (und Flugzeuge und Schiffe), für die es z.Zt. noch keine brauchbaren Alternativen zum herkömmlichen Verbrennungsmotor gibt. Es ist das grosse Versäumnis, dass jahrzehntelang die Entwicklung von Energiespeichern verpennt wurde, die zukunftssichere Antriebsarten ermöglicht.

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