„Richtige Rockstars“

Archiv: „Richtige Rockstars“

Ronald Hovsepian » Der neue Chef des amerikanischenSoftwarekonzerns Novell über seine Wachstumspläne unddie deutsche Linux-Tochter Suse. 

WirtschaftsWoche: Herr Hovsepian, das alternative Betriebssystem Linux ist Ihr wichtigstes Wachstumsgeschäft. Doch da hat Konkurrent Red Hat mit 60 Prozent Marktanteil die Nase vorn. Warum sollten Kunden zu Ihnen gehen? Hovsepian: Die Investmentbank Bear Stearns hat das beispielsweise getan. Wir bieten eine ganze Bandbreite an, also nicht nur Unternehmensrechner, sondern auch PCs, Kioske und Kassen. Mit solchen komplexen, vernetzen Systemen kennen wir uns aus. Da sind wir die Besten. Warum haben Sie dann nicht mehr Marktanteile bei Linux? Red Hat ist fünf bis sieben Jahre vor uns in diesem Geschäft gestartet. IBM, Red Hat und Novell sind die Top-3-Anbieter in Sachen Linux Expertise. Wir hatten den Nachteil, dass wir unsere Kunden nicht selbst registriert haben. Das lief über unsere Partner. Wir wussten also nicht, wen wir kontaktieren sollten, wenn wir mehr Service und Unterstützung verkaufen wollten. Aber wir sind dabei, das zu ändern. Wenn Sicherheits-Updates heruntergeladen werden, dann bitten wir die Nutzer höflich darum, sich zu registrieren. Das Geschäft ist noch jung. Wenn man es mit einem Fußballspiel vergleicht, dann sind wir in den ersten zehn Minuten. Weder unsere Wettbewerber noch wir können Siegesflaggen hissen – das wird erst in drei bis fünf Jahren geschehen. Wie beurteilen Sie heute den Erwerb der deutsche Linux-Tochter Suse? Im Markt gab es einige Unruhe, nachdem sowohl einer der Suse-Gründer als auch Ihr Europachef Richard Seibt Novell verließen. Strategisch gesehen war der Kauf von Suse das Beste, was wir machen konnten, um Novell neu aufzustellen. Ich könnte nicht zufriedener sein mit unserem Team in Nürnberg. Wir haben dort 30 richtige Rockstars der Open-Source- Szene. Ihre Einsichten gaben uns die Grundlage, eine langfristige Strategie zu entwickeln. Ich will ihre Talente künftig noch stärker nutzen. Wie wollen Sie Novell insgesamt auf Wachstum trimmen? Es sind im Wesentlichen drei Sachen: Erstens, unser Geschäftsmodell vereinfachen. Dann ein stärkerer Fokus auf unsere Kunden und Märkte. Und schließlich das konsequente Umsetzen unserer Pläne – wie das vor wenigen Tagen begonnene Ausliefern der neuen Version unseres Suse Linux Enterprise. Hat Novell den Kontakt zu den Kunden vernachlässigt? Man kann immer vereinfachen und Sachen leichter machen... Zum Beispiel? Beim Erneuern von Lizenzen. Das hatten wir unseren Vertriebspartnern überlassen. Wir hatten keine Funktion in unserer Software, die das erlaubte. Seit Juli haben wir das in unserem neuen Produkt – zum ersten Mal. Heißt das, dass Sie künftig mehr direkt – unter Umgehung von Händlern – an Ihre Nutzer verkaufen wollen? Wir setzen weiter auf unsere Vertriebspartner. 73 Prozent unseres Umsatzes gehen schließlich durch ihre Hände. Ich erwarte, dass beide Seiten an der Beziehung mehr teilhaben. Novell ist mit seinem Netzwerk-Betriebssystem Netware groß geworden, verliert dort aber Marktanteile. Wie wichtig ist das Produkt noch? Netware wird ja schon seit zehn Jahren von Microsoft attackiert. 80 Prozent unserer Kunden haben allerdings einen Vertrag mit uns, bei dem sie zwischen Netware oder Suse Linux wählen können. Wir sind da langfristig aufgestellt.

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