Rock und Pop: Neues aus Elektroland (Portishead, Goldfrapp)

kolumneRock und Pop: Neues aus Elektroland (Portishead, Goldfrapp)

Kolumne

Die britische Band Portishead ist im 21. Jahrhundert angekommen. Hat ja auch lange genug gedauert.

Portishead – Three


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Elf Jahre nach dem letzten Album legen die Elektro-Sound-Tüftler um Sängerin Beth Gibbons ihr drittes Werk vor - und wahrlich, es hat nur noch entfernt mit dem zu tun, was ein Musikjournalist im vorigen Jahrtausend einmal als „Triphop" eingeführt hat – eine Stilbezeichnung für sample-reichen Zeitlupen-Trance-und-Sphären-Hiphop, der Mitte der 1990er Jahren mit Werken von Tricky, Massive Attack und eben Portishead eine musikavantgardistische Qualität erreichte – eine Qualität allerdings, die aufgrund der engen stilistischen Bandbreite der Musik nicht reproduzierbar schien – und die von zahlreichen Apologeten der Triphop-Trias (u.a. Hooverphonic, Moloko) nicht wirklich erreicht werden konnte. Nun also starten Portishead eine Art Comeback. Und siehe da: Sie schaffen mit deutlichem Verweis auf den Industrierock der guten alten „Kraftwerker" (und mit seltenem Rekurs auf den Singer-Songwriter-Folk-Rock) einen Neuanfang: Die Sounds und Samples sind schneller, irrlichternder, stampfender, jagender – was Beth Gibbons brüchige Stimme, ihrem Stoßseufzern und ihrem Flehen eine fast schon beängstigende Intensität verleiht: als sei hier jemand vor der Wirklichkeit auf der Flucht – ohne dass ihm ein Ausweg bliebe. Entsprechend die Titel der Songs. Sie heißen „Hunter", „Machine Gun" und – „We carry on". Die Krönung des Album aber sind die beiden Abschlussstücke: "Magic Doors" und "Threads". Bis zum nächsten Album also bitte nicht noch einmal elf Jahre verstreichen lassen! (Universal)

Weitere Informationen im Internet.

Goldfrapp: Seventh Tree

Auch das britische Pop-Duo Goldfrapp um Alison Goldfrapp (Gesang) und Will Gregory (Keyboard) firmierte mal unter dem Stilbezeichnung Triphop: Das Debüt des britischen Pop-Duos - "Felt Mountain" war eine höchst betörende, noch heute verzückende Elektro-Melange - und es bleibt mit "Seventh Tree" unerreicht: Die irritierend irrlichternde Leuchtkraft der elektronischen Balladen von damals lässt sich auch auf dem mittlerweile vierten Album nicht wiederholen. Und doch ist Goldfrapp ein wunderbares Album gelungen. Es übersetzt die Flower-Power-Ästhetik ins 21. Jahrhundert, raubt den Frühlingsgefühlen der Hippies ihre endzeitliche Dimension und sonnt sich in der Naivität froher Zukunftserwartung. Abgesehen von der neuen Fröhlichkeit, ist alles wie gehabt: Die Arrangements sind ausgefeilt; Goldfrapps morsche Stimme erhebt sich über einem dicht gewobenen Elektro-Soundteppich. Lassen wir die Sonne in unser Herz. (EMI)

Weitere Informationen im Internet.

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