Rohstoffanlagen: Rohstoff-Investments als Inflationsschutz

Rohstoffanlagen: Rohstoff-Investments als Inflationsschutz

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Weizenernte: Agrarrohstoffe sind aus antizyklischer Sicht besonders interessant

von Frank Doll

Die Rettungsmaßnahmen für den Euro heizen die Inflationserwartungen an. Wird die Notenpresse angeworfen, profitieren vor allem Rohstoffe wie Agrargüter, Öl und Uran.

Die Nachfrage aus China ist entscheidend für viele Rohstoffpreise. Aktuell läuft die chinesische Wirtschaft Gefahr, zu überhitzen, der Inflationsdruck steigt. Die Regierung drückt deshalb auf die Bremse. Neue Infrastrukturprojekte werden auf Eis gelegt, die Kreditvergabe der Banken wird eingeschränkt. Die schwache Entwicklung des chinesischen Aktienmarktes mahnt zur Vorsicht. Ein harter Aufprall Chinas würde vor allem die Nachfrage nach Basismetallen wie Kupfer und Nickel treffen. Der Index der Londoner Metallbörse notiert bereits 20 Prozent niedriger als Mitte April.

Andererseits stehen die westlichen Notenbanken, jetzt auch die Europäische Zentralbank (EZB), jederzeit bereit, die Kreditmärkte mit dem Kauf von Staatsanleihen zu stützen – was faktisch Gelddrucken bedeutete. Die Rettungsmaßnahmen für den Euro heizen somit die Inflationserwartungen an. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet versichert zwar, die Zentralbank werde jeden Euro, den sie dadurch zusätzlich in das Geldsystem einschleuse, wieder abschöpfen. Doch die Furcht vor einem Rückfall in die Rezession und politischer Druck der Regierungen könnten die EZB davon abhalten. Vom Anwerfen der Notenpresse profitierten die nominalen Preise von Sachwerten, allen voran von Rohstoffen.

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Profit mit angezogener Handbremse

Nicht alle Rohstoffpreise laufen parallel: Seit Ende 2008 haben sich die Preise von Industrierohstoffen wie Kupfer oder Rohöl zeitweise um etwa 170 Prozent verteuert, die Preise wichtiger Agrargüter wie Weizen oder Reis aber blieben am Boden. Investmentprodukte, die Rohstoffe physisch kaufen und somit deren Preisentwicklung annähernd identisch abbilden, gibt es bisher für Gold, Silber, Platin und Palladium, weil sich Edelmetalle problemlos einlagern lassen. Einen börsennotierten Fonds (Exchange Traded Fonds, ETF), der Öl in Fässern oder auf See in einem Supertanker bunkert, gibt es noch nicht.

Anleger, die mit Anlagezertifikaten oder einem ETF auf Öl setzten, profitierten nur mit angezogener Handbremse vom Ölpreisanstieg. So schaffte etwa der 1,7 Milliarden Dollar schwere United States Oil Fund (USO) seit Ende 2008 in der Spitze nur gut 40 Prozent plus, weil der USO in Futures statt in Fässer investiert. Der Ölpreis legte gleichzeitig um 185 Prozent zu.

Rohstoff-Futures sind standardisierte Verträge, die genau regeln, wann ein Rohstoff zu welchem Preis geliefert oder abgenommen werden muss. Weil an dem vereinbarten Liefertermin niemand Ölfässer ins Haus geliefert bekommen möchte, wird der Future kurz vor dem Ende der Laufzeit wieder verkauft und der Verkaufserlös direkt wieder in einen Future mit späterer Fälligkeit investiert. Dieser regelmäßige Wechsel wird im Fachjargon Rollen genannt. Liegen nun beim Rollen die Preise der länger laufenden Kontrakte über denen der früher fälligen, erhält man über einer Zeitachse eine steigende Terminmarktkurve, auch Contango genannt. In dieser Konstellation handelt man sich als Anleger Rollverluste ein.

Metalle stark gelaufen

Aktuelles Beispiel: Ein Fass der Ölsorte WTI an der Nymex in New York zur Lieferung im Juni 2010 notiert aktuell bei 70,05 Dollar, der Kontrakt für Juni 2011 aber gut 15 Prozent höher, bei 80,67 Dollar. Klammert man Währungsverschiebungen aus, dann müsste der WTI Spotpreis binnen eines Jahres um mindestens 15 Prozent steigen, damit kein Verlust entsteht. Im umgekehrten Fall (Backwardation, die Terminmarktkurve fällt) winken dafür Rollgewinne. Selbst bei gleichbleibenden Spotpreisen entstehen so je nach Verlauf der Terminmarktkurve Gewinne oder Verluste. Das zeigt: Bei der Rohstoffanlage reicht es nicht, allein die Marktpreise der jeweiligen Rohstoffe im Auge zu behalten.

Rohstoffe als Anlagemöglichkeit

Rohstoffe als Anlagemöglichkeit (Klicken Sie auf das Bild, um die gesamte Grafik zu sehen.)

Im Einkauf liegt der Gewinn, auch für Anleger. Ungünstig sieht es deshalb besonders für Industriemetalle aus. Kupfer, Nickel & Co. hängen am Tropf von China, sind am stärksten gestiegen und damit besonders rückschlaggefährdet. Akute Knappheiten gibt es nicht, die Lager sind voll.

Aus antizyklischer Sicht besonders interessant wirken dagegen Agrarrohstoffe wie Weizen oder Reis. Nur ist bei ihnen Contango meist die Regel, und wegen ihrer begrenzten Haltbarkeit lassen sich Investmentprodukte auf physische Ware kaum umsetzen. Eine Alternative wären Agraraktien, etwa K + S oder KWS Saat.

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