Rohstoffradar September 2010: Zwischen Gold-Gier und leerem Tank

Rohstoffradar September 2010: Zwischen Gold-Gier und leerem Tank

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Ein Mähdrescher bei der Weizenernte

von Andreas Toller

Im Agrarsektor bleibt es spannend, Edelmetalle - vor allem Gold - locken immer mehr Anleger an. Die Rohstoffmärkte sind ständig in Bewegung. Rohstoff-Experte Eugen Weinberg beleuchtet Trends und Hintergründe.

Generell hat sich der Rohstoffmarkt in den Augen von Rohstoffanalyst Eugen Weinberg von der Commerzbank weiter professionalisiert und damit auch differenziert, da weniger übergreifende Trends dominieren, sondern einzelne Rohstoffsegmente auch eigene Trends herausbilden. „Derzeit verlangsamen sich zudem Nachfragewachstum und Konjunkturerholung, die Dynamik der Märkte lässt nach“, so Weinberg. „Die einzige Ausnahme bilden die Schwellenländer, deren Dynamik sehr unterschiedlich ausfällt. Auf die Rohstoffpreise wirkt sich das jedoch nur in einzelnen Segmenten klar aus.“

Landwirtschaftsprodukte

Rohstoffradar September 2010 Quelle: Commerzbank

Rohstoffradar September 2010

Bild: Commerzbank

Im Agrarsektor war zuletzt richtig Bewegung. Nachdem im ersten Halbjahr keine großen Preisschwankungen auftraten und für spekulative Anleger nichts zu holen war, zeigten die Rohstoffpreise in den vergangenen drei Monaten eine ungewohnte Dynamik. Rohstoffexperte Weinberg macht dafür verschiedene Ursachen verantwortlich: „Die Getreidesilos waren nach zwei guten Erntejahren sehr voll, das Angebot war groß. Die Prognosen gingen daher von fallenden Preisen bei den Agrarrohstoffen aus, zum Beispiel an der Rohstoffbörse in Chicago. Dann kam es zur Hitzwelle und Brandkatastrophe in Russland, die Exporte wurden gestoppt. Das traf viele Investoren unvorbereitet und sie sahen sich gezwungen, ihre Positionierung auf ein Szenario mit steigenden Preisen umzustellen.“

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Die Preisschwankungen nahmen rasant zu, im Juli verdoppelte sich der Weizenpreis. Aber auch nachdem wieder etwas mehr Ruhe eingekehrt war, hielten Anleger den Weizenpreis unter scharfer Beobachtung. Jede schlechte Nachricht bewegte die Märkte erneut: das Wetter in Kanada ebenso wie die Regenfälle in Europa. Zum Beispiel war die Weizenernte in Europa hoch, die Qualität allerdings schlecht. Das Getreide kann nur zur Hälfte für die Brotproduktion verarbeitet werden, der Rest ist nur noch Futterweizen.

Dieses intensive Anlegerinteresse übertrug sich vom Weizensektor auch auf die Märkte für Soja und Baumwolle: In den USA blieb die Maisernte unter den Erwartungen, die Baumwoll-Nachfrage aus China ist gestiegen – und die Preise gingen hoch. „Der Agrarsektor hat seine eigenen Zyklen“, sagt Eugen Weinberg. „Eventuell kommt es Anfang 2011 wieder zu einer Beruhigung.“

Industriemetalle

Bei den Industriemetallen sind die Preise überwiegend gestiegen, auch die Höhe der Preisausschläge hat zugenommen. Grund dafür ist einerseits die solide Nachfrage im Aufschwung, insbesondere aus China. Dort wird andererseits auch ein Energiesparplan gestartet, der die Energieeffizienz der chinesischen Produktionsstätten bis zum Ende des Jahres um 20 Prozent gegenüber 2005 steigern soll – 15 Prozent sind bereits erreicht. Insbesondere die Energie raubende Stahl- und Aluminium-Produktion ist betroffen. Viele Betriebe müssen umgerüstet werden, andere werden schließen. Die Auswirkungen strahlen auf den gesamten Metallsektor aus. „Da China sowohl zu den größten Konsumenten als auch größten Produzenten gehört, ist das Angebot entsprechend knapper und die Nachfrage muss über zusätzliche Importe gedeckt werden“, sagt Rohstoffexperte Weinberg. „Deshalb sollten die Preise für Industriemetalle mittel- bis langfristig wieder ansteigen.“

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