Vor allem in den Niederlanden, wo die Euronext NV ihren Sitz hat, sind viele skeptisch. Am Vorabend der Euronext-Hauptversammlung zog das niederländische Finanzministerium noch schnell ein Sicherungsnetz ein. Den Haag will vor allem sicherstellen, dass die Amerikaner ihre Finanzmarktregeln nicht auf die europäischen Märkte ausdehnen. Und dass eine starke eigene Amsterdamer Börse erhalten bleibt. In einer siebenstufigen „Eskalationsleiter“ droht das Ministerium Strafen an, die bis zur Rücknahme seiner Billigung der Fusion gehen, falls die Fusionsbedingungen nachträglich geändert werden. Das kann Théodore nur recht sein, denn es stärkt ihm gegen Thain den Rücken. Schon bei der Abwehr der Übernahmeversuche der Deutschen Börse hatte sich das Euronext-System selbstbewusster Einzelbörsen für Théodore als Faustpfand erwiesen: Der Zentralismus der Frankfurter stieß auf Widerwillen. Das dezentrale Euronext-Modell half Théodore auch, dem politischen Druck der französischen und der deutschen Regierung zu widerstehen, die eine Fusion mit der Deutschen Börse unterstützten. Diese so genannte „europäische Lösung“ war für Théodore ein Gräuel: Die Frankfurter hatten versucht, Euronext im Husarenritt zu erobern, und gelten in Paris als machthungrige Imperialisten. „Der Vorschlag der Deutschen, der alle Macht in einem großen Hauptquartier in Frankfurt konzentrieren würde, war nicht akzeptabel“, sagte Théodore. Nach der Kapitulation der Deutschen Börse im November musste Théodore die eigenen Aktionäre überzeugen. Da war ein schweres Stück Arbeit vor allem bei den langfristig denkenden Kapitalmarktakteuren, die ein „Durchregieren“ der US-Börsenaufsicht auf Europas Märkten fürchten. Als diese Gefahr in Gesprächen mit den Aufsichtsämtern gebannt schien, war der Weg frei. Die kurzfristig orientierten angelsächsischen Fonds waren sowieso für die Fusion: Allein die Spekulationen über den Zusammenschluss haben den Euronext-Aktienkurs in diesem Jahr um rund 120 Prozent steigen lassen. Auch 2005 hatte der Aktienkurs sich bereits fast verdoppelt. Diesen Gewinn wollte keiner mit einem Nein zur Fusion gefährden.
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