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Schuldenkrise: Notenbanken sind zurück im Krisenmodus

von dpa und Reuters Quelle: Handelsblatt Online

Erinnerungen werden wach: Am dritten Jahrestag der Lehman-Pleite pumpen die Notenbanken der Welt Milliarden in die Märkte und versorgen Banken unbegrenzt mit Dollar. Achtung, Anleger: Beim Crash von 2008 war es genau so.

Auch nach dem Crash von Lehman Brothers im September 2009 fluteten die Zentralbanken die Märkte mit Dollars. Quelle: handelsblatt.com
Auch nach dem Crash von Lehman Brothers im September 2009 fluteten die Zentralbanken die Märkte mit Dollars. Quelle: handelsblatt.com

Der nächste Coup der Notenbanken im Kampf gegen die Vertrauenskrise an den Märkten: Die wichtigsten globalen Zentralbanken wollen den Banken der Eurozone zusätzliche Dollar-Kredite gewähren und sie so bis ins kommende Frühjahr mit Dollar-Liquidität versorgen. Die Finanzinstitute bekommen bei Bedarf so viele Dollars wie sie wollen. Am Finanzmarkt sorgt die gemeinsame Aktion von EZB, Fed & Co. für ein Kursfeuerwerk.   

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Wie die Europäische Zentralbank (EZB), die Federal Reserve in den USA sowie die Notenbanken von Großbritannien, Japan und der Schweiz am Donnerstag mitteilten, werden sie im Oktober, November und Dezember jeweils drei Monate laufende Dollar-Refinanzierungsgeschäfte auflegen. Diese ergänzen die bereits seit Mai 2010 laufenden wöchentlichen Dollar-Tender. Die erste Geldmarktoperation beginnt Mitte Oktober und läuft bis Anfang Januar. Der dritte und letzte Tender endet dann Anfang März. Alle drei Geschäfte würden zum Festzins bei voller Zuteilung an alle teilnehmenden Banken abgewickelt.

Am Finanzmarkt sorgte der Coup der Notenbanker für steigende Kurse vor allem von Finanztiteln. Der Leitindex Dax legte am Nachmittag zunächst 3,69 Prozent auf 5537,46 Punkte zu. Auch EuroStoxx und der europäische Bankenindex  zogen kräftig an. Der Euro legte ebenfalls kräftig zu. An der Pariser Börse verteuerten sich die Anteilsscheine von BNP Paribas sogar um 22 Prozent. Aktien von Societe Generale und Credit Agricole zogen um zehn Prozent an. In Frankfurt ging es für das Papier der Deutschen Bank ebenfalls um zehn Prozent nach oben.   

Hintergrund der Aktion waren Refinanzierungsprobleme am Dollar-Interbankenmarkt. Vor allem europäischen Kreditinstituten war es zunehmend schwer gefallen, sich Geld in den USA zu leihen. Ihre dortigen Geschäftspartner, vor allem US-Fonds, hatten zunehmend zögerlicher Geld nach Europa verliehen. Dollar waren zuletzt in Europa Mangelware, vor allem französische Geldhäuser hatten dem Vernehmen nach öfter Probleme. Damit wurde es für viele hiesige Banken zunehmend schwieriger sich zu refinanzieren. Grund für die Zurückhaltung war die Sorge, die europäischen Institute könnten aufgrund der Euro-Schuldenkrise in Schwierigkeiten geraten.

"Die Krise hat nicht so stark zugenommen, dass die Notenbanken etwas ganz Neues erfinden mussten", sagt Lutz Karpowitz, Devisen-Analyst der Commerzbank. Gleichwohl sei die konzertierte Aktion ein Zeichen für die große Unsicherheit im Markt. "Wenn es diese Unsicherheit nicht gäbe, würden die Banken, die Liquidität haben, diese nicht zurückhalten", sagt Karpowitz.

Dass der Geldmarkt nicht rund laufe, zeige sich schon länger daran, dass die Übernacht-Einlagen bei der EZB deutlich zugenommen haben. Nun drohe zudem ein Liquiditätsengpass in Dollar. "Vor diesem Hintergrund versuchen die Notenbanken jetzt rechtzeitig gegenzusteuern und den Geldmarkt zu beruhigen", sagt Karpowitz. "Es ist eine Beruhigungspille der Zentralbanken. Sie haben klar gemacht, dass jede Bank, die solide da steht, in jeder wichtigen Währung Liquidität erhält."

Die Aktion erinnert an den Höhepunkt der Finanzkrise 2008

Der außergewöhnliche Schritt beflügelt die Märkte, ist aber auch eindeutliches Warnsignal - ausgerechnet am dritten Jahrestag des Zusammenbruchs der Investmentbank Lehman Brothers. Denn bereits 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise hatten die Zentralbanken auf diesem Weg den Geldmarkt gestützt.

Die EZB kann Banken in beliebiger Menge Liquidität in Euro zur Verfügung stellen - sie kann das Geld selbst drucken. Mit der konzertierten Aktion sorgt sie dafür, dass nun auch die Liquidität in Fremdwährungen wie dem Dollar nicht versiegt. Auch im Herbst 2008 versuchten die Zentralbanken der USA, der Eurozone, Japans und der Schweiz so, die Panik an den Börsen und die Vertrauenskrise an den Geldmärkten zu lindern. Am 18. September 2008, drei Tage nach dem Untergang der Investmentbank, stellten sie den Banken an einem Tag weltweit koordiniert bis zu 180 Milliarden Dollar bereit.

Um die Versorgung mit Devisen auf allen Märkten sicherzustellen und jegliche Liquiditätsengpässe zu vermeiden, müssen die Zentralbanken damals wie heute untereinander Währungen austauschen: Die US-Notenbank Fed stellte im Herbst 2008 13 Notenbanken weltweit sogenannte Swap-Linien im Volumen von 300 Milliarden Dollar zur Verfügung. Dadurch erhielten diese Zentralbanken die Möglichkeit, sich bei der Fed Dollarbeträge zu leihen - um die Währungsreserven bei Bedarf an die Banken ihres Währungsraumes weiterzureichen.

Das war damals nötig, weil nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers plötzlich weltweit Milliardensummen in Dollar benötigt wurden. Ohne diese Vereinbarung hätten Banken in Probleme geraten können, die zwar über ausreichend Liquidität in der heimischen Währung verfügten, aber nur schwer an Dollarkredite kommen konnten.

Am 6. April 2009 erfolgte der Tausch in umgekehrter Richtung: Die US-Notenbank Fed konnte sich bei ausländischen Notenbanken gegen Dollar Geld in den jeweiligen Währung leihen. Die EZB lieh der Notenbank Euros im Wert von 80 Milliarden Dollar. Die britische Notenbank gewährte den USA Zugang zu 30 Mrd. Pfund. Aus der Schweiz und Japan standen 40 Milliarden Franken beziehungsweise zehn Billionen Yen zur Verfügung.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.09.2011, 16:28 UhrAnonymer Benutzer: besserwisser

    "Euro-Gegner" hat recht: Die FED ist eine private Einrichtung amerikanischer banken. Die wenigsten Leute wissen das. Kein Wunder, dass die mit dem Geld um sich werfen, sobald banken in Schwierigkeiten kommen.
    Die Krisen kommen in kürzeren Abständen; am Ende gibt es den großen Knall

  • 15.09.2011, 19:08 UhrAnonymer Benutzer: US-Bürger

    http://www.propagandafront.de/183510/tag-des-zorns-geplante-besetzung-wall-streets-sorgt-fur-angst-vor-ausschreitungen-und-chaos.html
    Der Kampf gegen die FED beginnt ...

  • 15.09.2011, 19:01 UhrAnonymer Benutzer: fred

    Der weltweite Handel mit diesen seltsamen, für die Realwirtschaft nutzlosen Wertpapieren hat inzwischen ein Volumen von mehr als $ 600.000 Milliarden erreicht – das Zehnfache des bruttoinlandsprodukts der ganzen Erde. Solange die Regeln dieses Spiels bleiben wie sie sind, haben die Finanzinstitutionen, die diese Papiere herausgeben und mit ihnen handeln die Macht, die Welt jederzeit in den Abgrund zu stürzen – oder zumindest damit zu drohen und so zu erzwingen, was immer ihnen in den Sinn kommt.

    Der amerikanische Finanzjournalist Max Keiser nennt die Finanzmogule „Papier-Terroristen“ und Präsident Abraham Lincoln (1809 – 1865) erkannte: „Der Finanzsektor ist despotischer als eine Monarchie, unverschämter als eine Diktatur, selbstsüchtiger als die bürokratie. Sie wird ihre Herrschaft ausdehnen, bis aller Reichtum in wenigen Händen und die Republik zerstört ist“. Lincoln ist ermordet worden. Der New Yorker Finanzkolumnist John Cassidy meint, Wall Street und das Finanzzentrum in London könnten einfach abgeschafft werden, ohne irgendeinen Nachteil für die reale Wirtschaft.

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