Schuldenkrise: Panik an der Wall Street

Schuldenkrise: Panik an der Wall Street

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Börsenhändler an Börse in Chicago

von Frank Doll

Der US-Aktienmarkt ist am Donnerstagabend zwischenzeitlich so stark eingebrochen wie seit dem Crash von 1987 nicht. Nachdem Handelsfehler bekannt wurden, erholte sich die Börse etwas, blieb aber tief im Minus. Der Euro erlitt den stärksten Wochenverlust seit Oktober 2008.

Der Dow Jones Industrial stürzte am Donnerstag um 20.46 Uhr deutscher Zeit auf 9872,57 Punkte, er fiel damit 1054 Punkte unter den Schlussstand vom Vortag. In Punkten gemessen war dies der größte Zwischentagesverlust in der Geschichte des 30 Aktien umfassenden Index, sagten Aktienhändler. In Prozent betrug der zwischenzeitliche Tagesverlust 9,6 Prozent. Der viel breiter gefasste S&P 500 rutschte zeitgleich um 9,2 Prozent ab.

Technische Pannen im Handel haben die Abwärtsbewegung der Börse verstärkt. "Hauptverursacher für den extremen Kursrutsch sind die Aktien von Procter and Gamble (P&G), Accenture und 3M und das Trading-Desk bzw. ein Trader der US-Investmentbank Citigroup", sagt Marktanalyst Patrick Pflüger vom Brokerhaus IG Markets. "Es wird spekuliert, dass dieser Trader irrtümlicherweise Aktien im Wert von 16 Milliarden Dollar verkauft hat, anstatt im Wert von 16 Millionen. Verstärkt hat diesen daraufhin ausgelösten Kursrutsch dann die automatischen Handelssysteme der Investmentbanken und Trader."  Die US-Börsenaufsicht SEC untersucht den Fall.

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Außerdem spielen alternative Handelsplattformen bei dem Kursrutsch eine Rolle, sagt Aktienhändler Thomas Nagel von der Frankfurter Investmentbank Equinet. Wegen der starken Kursverluste bei Procter & Gamble und 3M habe die New Yorker Börse NYSE den Handel dort unterbrochen und nur Preisindikationen veröffentlicht, die an der NYSE nicht von Investoren ausgeführt und bezahlt wurden.

"Aber auf mehreren andere elektronischen Handelsplattformen wurden die Aktien gehandelt, mit Kursabschlägen von 15 und 20 Prozent“, sagt Nagel. “Das Problem ist, dass die Kurse an den alternativen Handelsplattformen den Dow-Jones-Index beeinflussen.“ Während an der Hauptbörse NYSE noch die Auktion lief, „haben die an alternativen Börsen gezahlten Preise den Dow gekillt und ihn auf Talfahrt geschickt“, so der Aktienhändler. Der weltgrößte Konsumgüterhersteller Procter & Gamble hat einen Anteil von 4,36 Prozent im Dow, der Mischkonzern 3M hat 6,05 Prozent Gewicht im Index. “Innerhalb von ein bis zwei Minuten kosteten diese Aktien den Dow 280 bis 290 Punkte“, sagt Nagel. Durch diesen Kursrutsch durchbrach der Index viele Stop-Marken, die Anleger gesetzt hatten, um bei Abwärtsbewegungen zu verkaufen und so größere Verluste zu vermeiden. Diese automatisch ausgeführten Verkäufe vergrößerten und beschleunigten den Kursrutsch.

Als die Handelspannen bekannt wurden, erholten sich die Börsen etwas. Doch auch zum Handelsschluss hatten Dow und S&P 500 Tagesverluste von 3,2 Prozent zu Buche stehen. Damit verdoppelten sie ihren Wochenverlust. Dafür, dass nicht allein Pannen die Kurse abwärts schickten, sprechen auch die Verluste an Europas Börsen am Freitag nach der US-Börsenpanik: Der Frankfurter Dax sank bis zum Mittag um 1,3 Prozent und vergrößerte das Wochenminus damit auf knapp fünf Prozent.

Euro im freien Fall

Der Euro fiel von 1,33 Dollar am 30. April zeitweise unter 1,26 Dollar. Das Minus von mehr als vier Prozent ist der stärkste Wochenverlust seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Mitte Oktober 2008, als die Gemeinschaftswährung wenige Wochen nach dem Kollaps der US-Bank Lehman Brothers um 5,9 Prozent abrutschte.

Der Grund für die Flucht aus dem Euro ist die Schuldenkrise der südeuropäischen Staaten. Griechenlands Überschuldungskrise bedrohe die Bankensysteme in Portugal, Spanien, Italien, Irland und Großbritannien, warnte die Ratingagentur Moody's am Donnerstag.

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