Schwedens Finanzmarktminister Odell im Interview: "Banken eine Lektion erteilt"

Schwedens Finanzmarktminister Odell im Interview: "Banken eine Lektion erteilt"

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Schwedens Finanzminister Mats Odell

Schwedens Finanzmarktminister Mats Odell erklärt, warum sein Land im Kampf gegen die internationale Finanzkrise Vorbild ist. Der Ökonom ist seit Herbst 2006 schwedischer Finanzmarktminister.

WirtschaftsWoche: Herr Odell, wiederholt sich die Geschichte? Von 1990 bis 1992 durchlitt Schweden bereits eine Bankenkrise. Die faulen Kredite wurden in eine sogenannte Bad Bank ausgelagert, für die der Staat haftete. Zudem gab er eine Garantie für alle Banken ab. Trotzdem hat die internationale Finanzkrise jetzt auch Schweden erfasst. Haben Sie aus der ersten Krise nichts gelernt?

Odell: Damals haben die schwedischen Banken eine Lektion erteilt bekommen. Dadurch ist die aktuelle Finanzkrise in Schweden nicht in dem Ausmaße aufgetreten wie in anderen Ländern. Die Finanzaufsicht hat gerade konstatiert, dass der Bankensektor hierzulande gut dasteht. Die schwedischen Banken sind gut konsolidiert und haben sich einen Puffer aufgebaut.

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Hat auch der schwedische Staat seine Lehren gezogen?

Wir haben, bezogen auf die Bevölkerungsgröße, den größten Einlagensicherungsfonds der Erde aufgebaut. Das Volumen beträgt 17 Milliarden Kronen. Ursprünglich wurden bereits 250.000 Kronen (25.200 Euro) pro Gläubiger und Bank garantiert, diese Summe ist mittlerweile verdoppelt worden. Wir haben unser Überwachungssystem stetig verbessert. Es ist aber auch klar, dass das Kontrollsystem europäisch sein muss.

Was können andere Ländern von Schweden lernen?

Die Regierung hat gerade einen Vorschlag gemacht, der auf den gleichen Grundprinzipien beruht wie das Modell in den Neunzigerjahren. Der Staat garantiert Teile der Bilanzsumme der Banken. Wir werden wie zu Zeiten der letzten Krise auch wieder einen Fonds mit staatlichem Kapital aufbauen, der Banken oder Teile davon übernehmen kann. Wir sind in der glücklichen Lage, solide Staatsfinanzen zu haben. Seit Regierungsantritt 2006 haben wir Unternehmen im Wert von rund 120 Milliarden Kronen (12 Milliarden Euro) privatisiert. Einen Teil des erlösten Geldes werden wir für den Fonds benutzen. Doch auch die Branche wird in den Fonds einzahlen.

Die Krise sorgt für europaweite Kooperation. Wäre es jetzt nicht hilfreich, wenn noch mehr Länder den Euro hätten, insbesondere Schweden, Dänemark und England?

Derzeit ist die schwedische Krone geschwächt. Das liegt nicht am Misstrauen gegen die schwedischen Staatsfinanzen, die zu den stärksten in Europa gehören, sondern daran, dass die Krone eine kleine Währung ist. Man braucht nicht zu erwähnen, dass die isländische Krone noch weniger benutzt wird. Länder unserer Größe könnten in Zeiten wie diesen Volatilität vermeiden, wenn sie den Euro hätten. Die Gemeinschaftswährung hat Vor- und Nachteile. Derzeit wäre es ein klarer Vorteil, dabei zu sein.

Dass Schwedens Staatsfinanzen solide sind, liegt auch daran, dass die Steuern hier sehr hoch sind. Ist die Finanzkrise ein Argument für einen starken Staat?

Gute Staatsfinanzen sind eine Grundlage, um ein Unwetter wie das derzeitige durchzustehen. Die schwedische Staatsverschuldung ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesenkt worden und liegt jetzt bei rund 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ist auch eine Stärke, wenn es wie jetzt um konjunkturstabilisierende Maßnahmen geht. Doch genauso wichtig sind gut konsolidierte Banken und vor allem Mitbürger und Unternehmen, die finanziell ebenfalls stark sind. Wir haben deshalb seit Amtsantritt die Einkommensteuern für Bezieher niedriger und mittlerer Einkommen gesenkt. Den Staat auf Kosten der Mitbürger zu stärken führt zu nichts.

Überall ertönen jetzt Forderungen, die Bezüge der Top-Manager zu deckeln. Was tut Schweden?

Teil unserer Kultur ist es, maßvoll zu sein. In Schweden ist man sich darüber im Klaren, dass es für ein Unternehmen nicht gerade vertrauensschaffend ist, wenn der Vorstand Riesengehälter kassiert. Auf den Hauptversammlungen sind die Kleinaktionärsverbände gut vertreten. Sie kümmern sich darum, dass diese Fragen in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Zudem haben wir auch in dem Punkt von der Krise in den Neunzigerjahren gelernt. Es gibt keine großen Optionsprogramme und keine Anreize, die zu riskantes Verhalten belohnen. Bei der teilstaatlichen Bank Nordea beispielsweise können sich die Manager von einem Teil ihres Gehalts-Aktien kaufen, es gibt aber keine Gratisoptionen, die neben dem Gehalt verteilt werden.

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