SGL Carbon: "3000 Tonnen Carbon"

SGL Carbon: "3000 Tonnen Carbon"

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Koehler

von Anton Riedl

SGL-Chef Robert Koehler erwartet Großaufträge von BMW und höhere Gewinne. Mit Banken will er so wenig wie möglich zu tun haben.

Herr Koehler, Stahlkonzern Arcelor warnt vor einer schwächeren Branchenkonjunktur. Grafitelektroden zur Herstellung von Elektrostahl sind Ihr Kerngeschäft. Wie stark trifft Sie der Rückschlag beim Stahl?

Wenn von einem Rückschlag in der Stahlindustrie gesprochen wird, sind meist die Stahlpreise gemeint und weniger die Mengen. Die Auftragseingänge signalisieren uns aber, dass die Produktion im zweiten Halbjahr insgesamt weiter zunehmen dürfte.

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Den Preisrückgang spüren Sie aber trotzdem?

Kaum. Grafitelektroden machen bei der Elektrostahlproduktion nur drei Prozent der Herstellungskosten aus. Das Risiko sinkender Preise sehen wir nicht. Vor allem wegen höherer Rohstoffkosten haben wir schon im Mai erhöhte Preise für alle Neuaufträge bekannt gegeben.

Das Geschäft mit Kathoden für die Aluminiumindustrie, ebenfalls ein Schwerpunkt von SGL, ist aber rückläufig.

Kathoden sind ein Investitionsgut, das vom Zyklus der Aluminiumindustrie abhängt. 2006 bis 2008 kam es zu einer Investitionsphase, die mit der Krise 2009 beendet wurde. Seit 2010 sehen wir wieder Investitionen in Aluminiumhütten, verbunden mit einem Lagerabbau. Für 2011 rechnen wir mit einer besseren Nachfrage.

SGL stellt auch Rotorblätter für Windkraftanlagen her. Immer öfter stellen sich Banken bei der Finanzierung quer. Beeinträchtigt das Ihre Auftragslage?

Hier spielt uns die technische Entwicklung in die Hände: Erstens entstehen immer mehr Anlagen auf offener See, sogenannte Offshore-Windparks, aber auch große Onshore-Anlagen an Land. Zweitens werden Rotoren immer größer. Beides führt zum vermehrten Einsatz von Carbonfasern und zu mehr Bestellungen bei uns.

Dennoch gibt es bei Carbonfasern derzeit Überkapazitäten.

Die Preise haben sich aber auf niedrigem Niveau stabilisiert. Vor der Finanzkrise hatten die meisten Carbonproduzenten in großem Umfang investiert, das führte zu einem erhöhten Angebot. Darüber hinaus gab es hohe Lagerbestände, die jetzt abgebaut sind. Die Nachfrage zieht durch die konjunkturelle Erholung und durch die neuen Luftfahrtprogramme von Airbus und Boeing an.

Im ersten Halbjahr machte SGL mit Kohlenstofffasern Verlust. Wann verdienen Sie hier Geld? 

Es handelt sich hier um einen Megatrend, andere Materialien werden durch Carbonfasern ersetzt. Der Markt steht erst am Anfang seiner Lebenszykluskurve. In zehn Jahren könnte unser Umsatz mit Carbonfasern von derzeit 300 Millionen Euro pro Jahr auf bis zu drei Milliarden Euro steigen. Gemessen am Ertrag vor Zinsen und Steuern (Ebit), wollen wir im Carbonfaser- und Verbundwerkstoff-Geschäft 2011 die Gewinnschwelle erreichen und mittelfristig zehn Prozent vom Umsatz verdienen.

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