Spezial Zertifikate: Hautnahes Erlebnis

Spezial Zertifikate: Hautnahes Erlebnis

Diese Papiere wollen mehr bieten als Aktien und Anleihen. Ein Test der wichtigsten Zertifikate zeigt, was sie im Börsenalltag können.

Die WirtschaftsWoche macht die Probe aufs Exempel und untersucht, was die wichtigsten Zertifikatetypen im Börsenalltag bringen: Was erleben Anleger hautnah, wenn sie Zertifikate im Depot haben? Basiswert unseres Tests ist der beliebte europäische Aktienindex EuroStoxx 50, auf den es derzeit mehr als 3000 Zertifikate am Markt gibt. Die Charts auf dieser Seite zeigen den Kursverlauf des EuroStoxx in den vergangenen sechs Monaten und darunter jeweils die prozentuale Entwicklung der wichtigsten Zertifikate. Während Indexzertifikate exakt wie ihr Basiswert laufen, legen Outperformancezertifikate einen Gang zu, wenn der Index den Basispreis des Zertifikats überschreitet. Das getestete Zertifikat bietet bei Kursen über 3400 Punkten eine Partizipation von 160 Prozent. Das müsste bedeuten: Das Papier steigt von da an 1,6-mal schneller als der Index. Ein Effekt, der sich Anfang Oktober bemerkbar machte. Während der EuroStoxx um 3,7 Prozent kletterte, machte das Zertifikat 4,9 Prozent gut A. Im folgenden Rückschlag die Kehrseite: Der Index verlor im Oktober 6,4 Prozent, das Zertifikat 8,3 Prozent B. Auch im Kursanstieg von Oktober bis Februar enttäuschte das Zertifikat C. Der Index lag zu diesem Zeitpunkt 15 Prozent im Plus, das Outperformancezertifikat gerade mal mit 16,7 Prozent. Grund: Die Hebelwirkung des Zertifikats entfaltet sich erst zum Ende der Laufzeit. Wer auf schnelle Gewinne aus ist, für den eignen sich andere Zertifikate oder Optionsscheine besser als Outperformancezertifikate.

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Der Unterschied zwischen Hochrechnungen zum Ende der Laufzeit und dem, was Anleger täglich mit ihren Zertifikaten erleben, zeigt sich auch beim Bonuszertifikat. Sowohl in der Korrekturphase im Oktober 2005 D als auch im Rückschlag von Februar auf März E verlor das getestete Bonuszertifikat mehr als der Index. Dazu schnitt es auch noch in der Aufwärtsphase schlechter ab: Während der EuroStoxx in der Spitze bis zu 15 Prozent gutmachte, hinkte das Bonuspapier mit plus 10,5 Prozent um fast ein Drittel hinterher F. Dass die Papiere am Ende ihrer Laufzeit am stärksten wirken, birgt auch positive Überraschungen, etwa bei Discountpapieren. Während sich Maximalgewinne von 10 oder 15 Prozent zur Fälligkeit nicht berauschend anhören, zeigen Discounts während der Laufzeit Steherqualität. In allen drei Korrekturphasen des Vergleichszeitraums ging der geprüfte Discounter weniger stark in die Knie als der EuroStoxx G. Dass nach sechs Monaten nur ein Plus von knapp zehn Prozent blieb, ist kein großes Manko – schließlich sind Discounts nicht für den Boom gebaut, sondern für Schaukelbörsen. Dafür zeigt sich ein anderer, positiver Effekt: Zum Jahreswechsel kletterte der EuroStoxx über 3600 Punkte und damit über die Gewinngrenze des Discounts H. Trotzdem stieg das Zertifikat weiter. Grund: Da der Discount auch dann noch günstiger ist als sein Basiswert (35,30 Euro gegenüber 38,15 Euro eines reinen Indexpapiers), hat er noch Luft. Kein Wunder, dass Discounts zu den Lieblingen der Profis gehören. Unter Privatanlegern auf dem Vormarsch sind Expresszertifikate. Sie erschließen eine feste Rendite, wenn der Basiswert am Stichtag ein bestimmtes Niveau behauptet. Entsprechend kontinuierlich ist ihr Kursverlauf. Da der Anfangsstand des getesteten Expresszertifikats (2891,48 Punkte) weit unter dem aktuellen EuroStoxx liegt (3815 Punkte), ist die für Juni in Aussicht gestellte Rückzahlung von 106 Euro in greifbare Nähe gerückt. Klingt nett, ist aber ein verschenkter Gewinn. Lohnt sich der Puffer, wenn der Kunde aus einem so starken Aktienanstieg wie zuletzt eine Halbjahresrendite von nur 1,7 Prozent herausholt? Expresszertifikate sind allenfalls eine Alternative zu Festverzinslichen. Das gilt erst recht für Garantiezertifikate, selbst wenn sie mit einer Beteiligung von 100 Prozent am Kursverlauf ausgestattet sind und zum Laufzeitende die gleichen Gewinne versprechen wie der EuroStoxx. Wer Mitte September ein solches Papier kaufte, machte den nachfolgenden Anstieg des Index nicht mit und rutschte im Oktober sogar ins Minus I. Nach sechs Monaten blieb nicht einmal halb so viel Gewinn wie mit einem günstigen Indexzertifikat.

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