DUBAI. "Deutsche Betriebe sind auf diesem Sektor weltweit führend", sagte der Chef des Staatsfonds, Khaldoon Al Mubarak, dem Handelsblatt. "Wir schauen uns derzeit in Deutschland um."
Ein 100-prozentiges Tochterunternehmen Mubadalas, die Masdar Abu werde die Investitionen steuern. "Masdar hat in den vergangenen Monaten exzellente Kontakte und Beziehungen aufgebaut, das ist vielversprechend", betonte Al Mubarak. Seine Gesellschaft sei fest dazu entschlossen, ein starkes Portfolio auf dem Feld der alternativen Energien aufzubauen.
Erste Energie-Projekte in Deutschland hat Mubadala bereits begonnen. So kündigte die Tochter-Firma Masdar im Mai an, eine Solarzellen-Fabrik in der Nähe von Erfurt zu bauen. In dem Photovoltaik-Werk mit einem Investitionsvolumen von rund 300 Mio. Dollar sollen Dünnschicht-Solarzellen hergestellt werden. Bis 2010 will das Unternehmen 180 Arbeitsplätze schaffen, mittelfristig sind bis zu 600 Jobs vorgesehen.
In einem Jahr ist geplant, nach dem Modell der Anlage in Erfurt eine Fabrik in Abu Dhabi hochzuziehen. Auch in der Windenergie sind die Araber schon aktiv: Vor drei Wochen erwarb Masdar für 120 Mio. Euro Anteile am finnischen Windturbinen-Hersteller Win-Win-D.
Mit diesen Projekten unterstreicht Abu Dhabi seinen Ehrgeiz, Vorreiter für alternative Energien zu sein. Bis zum Jahr 2015 will das Emirat mit Masdar City die erste CO2-freie Stadt der Welt bauen - ebenfalls ein Vorhaben von Mubadalas Tochter Masdar.
Das Programm für die Stadt liest sich wie ein Vorzeige-Katalog grüner Umweltpolitik: Statt Erdöl, das die Region reicht gemacht hat, soll die Sonne zum wichtigsten Energie-Spender werden. Autos sind in der Stadt tabu, der Wasservorrat speist sich aus einer Entsalzungsanlage, Abfall wird recycelt und kompostiert. Masdar City soll insgesamt 50 000 Einwohner haben und 1 500 Unternehmen beherbergen.
Die Kooperation zwischen Masdar City und deutschen Organisationen kocht jedoch bislang nur auf Sparflamme. Derzeit ist lediglich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt in der Sonnenstadt vertreten - das DLT misst Solarstrahlung und Windgeschwindigkeit. "Es arbeiten wenig Deutsche hier, die als Türöffner für heimische Unternehmen fungieren könnten. Der Markt ist zum großen Teil in der Hand von Amerikanern", sagt ein Manager von Masdar. So habe etwa die US-Consulting-Firma CH2M Hill rund 100 amerikanische Ingenieure angeheuert, die sich um Design und Energieversorgung kümmern.
Allerdings haben deutsche Unternehmen Aufträge für den Bau von Shams 1, des größten Solar-Kraftwerks der Welt, ergattert. Die Solarthermische Anlage in der Nähe von Abu Dhabi hat eine Gesamtleistung von 100 Megawatt. Der Münchener MAN-Konzern liefert eine Dampfturbine, die bayerische Firma Flabeg Spiegel und die Schott AG Absorberrohre. Insgesamt beläuft sich das Volumen der Aufträge für das Projekt auf 60 Mio. Euro.
Nach Ansicht von Experten bietet der Nahe Osten einen wachsenden Markt für regenerative Energien. "Solarenergie wird sich zu einer wichtigen Komponente im Energie-Mix der Region entwickeln", sagt Eckart Woertz vom Gulf Research Center, einer unabhängigen Denkfabrik in Dubai. "Im kommenden Jahrzehnt sind ähnliche Produktivitätsschübe zu erwarten, wie sie bei der Windenergie in der letzten Dekade stattgefunden haben." Deutsche Unternehmen hätten eine gute Wettbewerbsposition, könnten aber im Vertrieb besser organisiert sein.








