Startup-Experte im Interview: "Einzelkämpfer werden untergehen"

Startup-Experte im Interview: "Einzelkämpfer werden untergehen"

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Von Einem ist Partner der Anwaltssozietät White & Case. Als solcher berät der Experte für Gesellschaftsrecht, Fusionen und Übernahmen sowie Private Equity zahlreiche Unternehmen.

Der Anwalt und Startup-Experte Christoph von Einem über Geldsorgen von Jungunternehmern in der Finanzkrise, juristische Fallen und Regeln für die Teamarbeit.

Von Einem ist Partner der Anwaltssozietät White & Case. Als solcher berät der Experte für Gesellschaftsrecht, Fusionen und Übernahmen sowie Private Equity zahlreiche Unternehmen. Außerdem coacht er Startups und unterrichtet angehende Gründer an der TU München. Der renommierte Anwalt ist zudem Jurymitglied beim WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb.

WirtschaftsWoche: Herr von Einem, Finanzkrise und Rezession machen Gründern das Leben schwer. Deswegen ist die Versuchung groß, Familie und Freunde um Kredit zu bitten. Ist das der richtige Weg?

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Von Einem: Nein, das ist hochgefährlich. Wer gründen will, sollte auf keinen Fall das Grundstück der Eltern für einen Kredit bei der örtlichen Sparkasse verpfänden. Das Risiko, dass die neue Firma scheitert, ist zu groß – da sollte man weder seine gesamten Ersparnisse noch das Vermögen der Eltern oder des Ehepartners aufs Spiel setzen.

Wenn das Geld knapp wird, versuchen es viele Gründer bei der Bank. Doch die rücken zurzeit weniger Geld für neue Geschäftsideen heraus.

Hausbanken sind ohnehin nicht die richtigen Geldgeber, wenn man als Gründer noch keine Umsätze und Gewinne erzielt und kein Anlagevermögen besitzt, das als Sicherheit dienen kann. Stattdessen sollten Gründer zu denen gehen, die sich darauf spezialisiert haben, Risikokapital zur Verfügung stellen – zum Beispiel Business Angels oder Risikokapitalgesellschaften.

Aber was ist, wenn die auch mit einem Konkurrenten verhandeln oder schon an einem Wettbewerber beteiligt sind?

Gründer stecken in einem Dilemma: Sie müssen einerseits offen über ihre Ideen reden, um Investoren zu überzeugen oder Konzerne als starke Partner bei der Entwicklung ihrer Produkte zu gewinnen. Andererseits müssen sie ihre Ideen schützen. Bevor man Details preisgibt, sollte man deswegen gründlich recherchieren, mit wem man es auf der Gegenseite zu tun hat. Und man sollte auf jeden Fall eine Vertraulichkeitsvereinbarung abschließen. Wird die verletzt, kann man den Investor oder das Partnerunternehmen dafür vor Gericht zerren.

In einem jahrelangen Prozess geht Gründern sicher schneller die Luft aus als einem Konzern. Wie können sie sich trotzdem durchsetzen?

Zunächst mal riskieren selbst große Konzerne ungern ihren Ruf, wenn öffentlich wird, dass sie Ideen Dritter gestohlen oder missbraucht haben. Trotzdem ist es gerade in solchen Fällen sinnvoll, in der Vertraulichkeitsvereinbarung auch eine schmerzhafte Vertragsstrafe festzulegen. Zum Beispiel 500 000 Euro, falls eine solche Vereinbarung im Zusammenhang mit einem Lizenzvertrag gebrochen wird, und weitere 10 000 bis 100 000 Euro für jeden Monat, in dem der Konzern es nicht unterlässt, Ihre Ideen weiter zu verwerten.

"Schwere Zeiten gehören zu einer Gründung dazu“

Angenommen ein Investor ist interessiert, will die Vereinbarung aber nicht unterzeichnen. Sollte ich als Gründer ihm dann absagen?

Ja, da müssen Sie hart bleiben. Bei Finanzinvestoren kann man aber unter Umständen auf die Vertragsstrafe verzichten. In dieser Phase stecken wir übrigens gerade mit Suncoal, den Gewinnern des diesjährigen WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs. Wir sprechen Investoren an und schicken denen ein Executive Summary mit fünf Seiten. In diesem Exposé steht aber nicht das Geheimste vom Geheimen. Erst wenn die Interessenten die Vertraulichkeitsvereinbarung unterschrieben haben, bekommen sie den gesamten Businessplan, und das Team steht für eine ausgiebige Präsentation zu Geschäftsmodell und zugrundeliegender Technologie zur Verfügung. Wer nicht unterschreibt, bekommt auch keine Details.

Halten sich die meisten Gründer an diese Regel, wenn der Investor mit dem Geld winkt, das sie so dringend brauchen?

Das sollten sie! Ich habe beispielsweise einen Fall erlebt, in dem Gründer ihrem potenziellen Investor gegenüber sehr viel geplaudert haben – ohne Vertraulichkeitsvereinbarung und ohne vorher vernünftig recherchiert zu haben. Dann hat der Investor abgesagt, und man hat festgestellt: Der hatte schon in ein Wettbewerbsunternehmen investiert und so auf leichtem Wege die Strategie eines künftigen Konkurrenten in Erfahrung gebracht. Das ist natürlich nicht korrekt. Aber es ist auch eine Dummheit des Gründerteams gewesen.

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