Startups: „Viele versuchen gerade, ohne Schaden aus dem Web-2.0-Abenteuer auszusteigen“

Startups: „Viele versuchen gerade, ohne Schaden aus dem Web-2.0-Abenteuer auszusteigen“

Wieso es in diesem Jahr Startup-Sterben geben wird, in welche Richtung sich die deutsche Web-Gründerszene entwickeln wird und womit man jetzt noch Geld verdienen kann – ein Gespräch mit Oliver Beste, der mit Founders Link Investoren Gründer und Ideen zusammenbringt.

Letztes Jahr hat es einen Boom bei Internet-Gründungen gegeben: Erst kamen die Mütter-Netzwerke, dann die Tiercommunities und schließlich die Sportler-Plattformen. Nun deuten Anzeichen auf ein Ende des Hypes hin. War es das jetzt?

Es wird eine Ausdünnung geben. Vor allem viele der Nachahmer amerikanischer Ideen ohne unternehmerische Vision werden 2008 nicht überleben.

Anzeige

Warum?

Für viele ist nun das erste Jahr überstanden und sie sehen, dass sie mit ihrer Idee keine nennenswerten Umsätze generieren können. Erste Pleiten werden dafür sorgen, dass sich  viele Investoren wieder zurückziehen – vor allem die  Business Angels ohne Industrieverständnis, zum Beispiel Zahnärzte und Rechtsanwälte, die nur heiß darauf waren, ihr Geld zu multiplizieren.

Aber durch einen Börsencrash wird das Sterben diesmal nicht ausgelöst, kaum eines der Web-Unternehmen ist an der Börse.

Stimmt. Aber wie damals wurden zuletzt wieder sehr viele schlechte Geschäftsmodelle finanziert, vor allem von Investoren, die sich mit dem Internet wenig auskennen.

Wo wird das Sterben der Quatsch-Ideen einsetzen?

Vor allem unter den sozialen Netzwerken.. Mir wurden schon Startups zu Selbstkosten der Softwareprogrammierung angeboten. Eine ganze Reihe von Leuten versucht gerade, ohne Schaden aus dem Web-2.0-Abenteuer auszusteigen.

Sehen wir das Ende der zweiten deutschen Internet-Euphorie?

Ja und nein. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht alle Startups in einen Topf werfen. Denn es gibt sehr wohl Internetfirmen, die gutes Geld verdienen, oder die kurz davor stehen.

Das mussten Sie ja jetzt sagen, weil Sie auch selbst investieren.

Wir in Deutschland neigen dazu, alles schnell zu verdammen. Als die New Economy zusammenbrach gab es für niemanden mehr Kapital. Sehr wohl gab es aber neue Ideen, mit denen man Geld verdienen konnte. Mein Unternehmen MyToys wäre fast über die Klinge gesprungen, weil wir keinen Investor gefunden haben. Heute sind wir sehr profitabel. Wir müssen die guten Ideen fördern. Aber ich bin mir sicher, dass die dieses Mal genügend Kapital finden werden.

Warum?

Viele Investoren haben dazugelernt. Oft haben sie selbst schon ein Internet-Unternehmen gegründet, manchmal schon zwei. Sie wissen, dass man gerade in schwachen Zeiten viele gute Ideen finden kann, und die besonders günstig. Die Gründer auf der anderen Seite haben gelernt, wie sie in einer Industrie wie dem Internet Geld verdienen können. Wichtig ist also, dass die Gründer mit guten wirtschaftlichen Ideen nach den ersten Pleiten 2008 nicht die Flinte ins Korn werfen.

Was wird in den nächsten Monaten passieren?

Es gibt wieder eine härtere Anfangsauswahl, heißt, es  werden weniger Startups in ganz frühen Phasen finanziert. Und man wendet sich eher Business-to-Business-Modellen zu. Die sind zwar weniger sexy aber in dem Sektor gibt es geringeren Wettbewerb.

Und das Vertrauen in werbefinanzierte Modelle sinkt.

Genau. Doch die Weiterentwicklung der Internetwerbung bleibt ein großes Thema, etwa lokale Werbung, Monetarisierung von Videoplattformen, Behavioral Targeting, Ingame Advertising, also Werbung in Konsolenspielen, die über das Internet angesteuert werden können. Die Investoren setzen nach langer Verteufelung des Ecommerce auch wieder auf Transaktionen: Sie wollen Geschäftsmodelle sehen, bei denen die Kunden tatsächlich Geld zahlen für Produkte oder Dienstleistungen. Investoren werden 2008 auch sehr interessiert sein an Ideen für das mobile, über das Handy genutzte Internet.

Wo wird in den nächsten Monaten Geld verdient?

Es lohnt sich, die großen Cash Cows des Internets, neben Sex und Auktionen also Dating und Recruiting im Auge zu behalten. Da wird es innovative Modelle geben. Und wie in den USA bleibt Cleantech, Geschäftsmodelle rund um erneuerbare Energie, auch in Deutschland 2008 ein ganz großes Thema.

Sie haben mit FoundersLink gerade ein Unternehmen gegründet, das Investoren, Geschäftsideen und Gründer zusammenbringt. Wieso ausgerechnet jetzt?

Wir glauben, dass für gute Geschäftsmodelle  immer Saison ist. Gründer und Investoren dürfen sich in Deutschland nicht noch einmal verschrecken lassen, selbst wenn die Interneteuphorie noch öfter schwankt. Indem FoundersLink.com einerseits Gründerpersönlichkeiten und andererseits gute Geschäftsideen zusammenbringt, möchten wir ein wenig zur Fortsetzung der Gründungswelle in Deutschland und Berlin beitragen.

Woher wollen Sie das Geld nehmen, wenn die deutschen Investoren sich weigern?

Wir bauen Verbindungen zur internationalen Investoren auf. Die haben großes Interesse an Deutschland.

Warum?

Weil die deutschen Startups im internationalen Vergleich oft unterbewertet sind. Sie investieren aber oft nicht, weil sie glauben, die Unternehmen nicht richtig zu verstehen und beeinflussen zu können . Wir werden langfristig mehr ausländische Investoren in Deutschland sehen.

Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%