
KAPSTADT/DÜSSELDORF. Spekulanten treiben die Kakaopreise immer höher. Mit rund 2 350 Pfund (rund 2 700 Euro) je Tonne kostet Kakao in London so viel wie zuletzt vor über 30 Jahren. Dies könnte den Deutschen ihren Appetit auf Schokolade gründlich verderben. Der Bundesverband der Süßwarenindustrie warnt bereits vor der "Schokolade zum Tagespreis".
Kurz vor Weihnachten steht Schokolade hoch im Trend, schließlich darf der Weihnachtsmann auf dem Gabentisch nicht fehlen. Die Hoffnungen der Branche ruhen zudem auf dem Wetter. "Es ist gut, dass wir endlich Schokoladenwetter haben", sagt Torben Erbrath, Geschäftsführer der Fachsparte Schokolade im Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Denn bei niedrigen Temperaturen wird mehr Schokolade gekauft.
Zwar werden die Rohstoffkosten Nikolaus & Co. weitgehend kaltlassen. "Die Preiserhöhungen für das Jahr 2009 sind bereits umgesetzt", sagt Gaby Tschofen, Sprecherin des Konzerns Barry Callebaut, einem der weltweit größten Kakao- und Schokoladenproduzenten. Doch schon für die Osterhasen könnte es knapp werden. "Der Zeitpunkt für Preiserhöhungen am Regal für 2010 ist offen", sagt Tschofen.
"Der Kakaopreis ist dieses Jahr geradezu in die Höhe geschnellt", sagt Erbrath. Doch die Verbraucher hätten bisher von dem "extrem harten Preiskampf im deutschen Einzelhandel" profitiert. Gleichwohl hoffe die Branche im Inland für 2009 "auf eine schwarze Null". Schlechter sieht es im Auslandsgeschäft aus, mit einer Exportquote von 40 Prozent kein unwichtiger Bereich für die Süßwarenindustrie. Bereits im ersten Halbjahr seien die Exporte etwa nach Osteuropa geringer gewesen. Benachteiligt werde die Branche zudem durch den Wegfall der Ausfuhrerstattung für Zucker. Zusätzlich hätten die Unternehmen Probleme beim Abschluss von Exportversicherungen. Laut Erbrath ist dies eine Folge der Wirtschaftskrise: "Die Exportfirmen müssen das wirtschaftliche Risiko nun selbst tragen."
Die unaufhörlich steigenden Kakaopreise und die Spekulation am Markt machen das Geschäft nicht einfacher. Immer stärker verlagert sich das Börsengeschäft im Kakaosektor auf Rohstoffzertifikate mit oft wohlklingenden Namen wie "Chocolate Basket". Spekulanten, Banken und Fonds hoffen, auf den Rohstoffmärkten höhere Gewinne erzielen zu können als mit anderen Investments. Auch deutsche Banken würden sich daran beteiligen, wodurch auf Dauer deutliche Preisschwankungen bei Schololadenerzeugnissen eintreten könnten, befürchtet der BDSI-Experte.
In der Tat gibt es diverse Möglichkeiten, mit strukturierten Produkten in Kakao zu investieren. Als Basiswert dienen oft Kakao-Terminkontrakte, die in verschiedenen Währungen notieren. Aber auch Aktienkörbe mit Titeln wie Lindt & Sprüngli, Hershey, Barry Callebaut und Nestlé dienen als Basiswert.
An der Versorgungslage selbst kann der hohe Preis jedenfalls kaum liegen: Schließlich ist die Ernte in Westafrika besser als erwartet ausgefallen. Schätzungen zufolge dürfte die Menge an der westafrikanischen Elfenbeinküste auf bis zu 1,4 (Vorjahr 1,2) Mio. Tonnen steigen. Das Land ist mit einem Anteil von 40 Prozent der größte Kakaoproduzent weltweit.
Nach Schätzungen der Internationalen Kakaoorganisation (ICCO) hat die Nachfrage das Angebot im Erntejahr 2008/2009 nur noch um 28 000 Tonnen übertroffen. Zuvor war die ICCO von einem Defizit von 73 000 Tonnen ausgegangen. "Mit dem geringeren Defizit im Erntejahr 2008/09 steigt das Risiko, dass der Kakaomarkt in diesem Erntejahr erstmals seit vier Jahren einen Überschuss ausweisen könnte", kommentiert die Commerzbank die Entwicklung. Der Preis sei dadurch aber nicht gebremst worden.
Einige Experten suchen die Ursache für die hohen Preise in den Anpflanzungen. "Ein anderer Grund ist das hohe Alter der Kakaobäume" gibt Günter Tschiderer, Spezialist für Agrarrohstoffe bei BNP Paribas, zu bedenken. Diese tragen fast 25 Jahre lang, ehe der Ertrag zurückgeht. "In der Elfenbeinküste, Ghana und Indonesien, den drei wichtigsten Produktionsländern, sind die Bäume ziemlich alt", sagt er. Vor allem in der Elfenbeinküste wurden neue Kakaobäume nicht rechtzeitig gepflanzt. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bäume erst nach vier Jahren ihre volle Ertragskraft erreichen.
Auch Anthony Ward, Mitbegründer des Londoner Handelshauses Armajaro, das zu den zwei größten Anbietern von Kakao zählt, rechnet mit weiter steigenden Preisen: "Kakao ist zu lange zu günstig gewesen." Durch den lukrativeren Anbau von Kaffee und Zucker habe der Kakao vor allem in Brasilien über die Hälfte der ursprünglichen Anbaufläche verloren. Und an der Elfenbeinküste würden Kakaobäume durch Kautschukbäume ersetzt, mit denen die Bauern das ganze Jahr über Geld verdienen.






