Deutsche Post: Aufnahme in den Club der Denker

Die Vorgaben des Herstellers waren eindeutig: Alle 8000 Betriebsstunden, also etwa einmal pro Jahr, sollten die Drucker bei der Deutschen Post generalüberholt werden. Für den Hersteller ein lukratives Geschäft in Millionenhöhe – für Bernhard Birnbach und sein Team dagegen ein Ärgernis.
„Das geht billiger“, dachte sich der Ingenieur aus der Abteilung Materialwirtschaft am Standort Darmstadt. Erst fing er nur an zu rechnen, dann gründete er mit seinen Kollegen innerhalb weniger Wochen eine eigene Druckerwerkstatt. Die wartet die Geräte seit Februar dieses Jahres jetzt selbst – und zwar nur noch alle 16000 Betriebsstunden. Jährliche Ersparnis: rund 500000 Euro.
„Es hat mir Spaß gemacht, darüber nachzudenken, wie die Post Geld sparen kann“, erklärt Birnbach sein Engagement. Den anderen Grund nennt er aber auch: Umgekehrt bringe das Unternehmen ihn selbst ebenfalls voran.
Und zwar mit einem ausgeklügelten Konzept für Ideenmanagement: Der ‧Logistikkonzern melkt seine Mitarbeiter nicht nur als Ideenlieferanten, er belohnt sie auch fürstlich für ihren Einfallsreichtum. Wer Verbesserungsvorschläge macht, die sich langfristig bewähren, wird Mitglied im exklusiven „Club der Denker“.
Für die Neumitglieder bringt das zahlreiche Vergünstigungen: Sie werden mit zehn Prozent an der Summe beteiligt, die der Konzern jährlich durch das Umsetzen ihrer Idee spart.
Wichtiger aber noch als der finanzielle Lohn sind die immateriellen Anreize: regelmäßiger Erfahrungsaustausch mit den hellsten Köpfen des Unternehmens, gesponserte Weiterbildungsprogramme sowie reichlich Aufmerksamkeit durch die Konzernspitze, was nicht selten die Karriere befördert.
Das rechnet sich für alle Beteiligten. Rund 1,5 Millionen Verbesserungsvorschläge haben die weltweit knapp 500000 Post-Mitarbeiter ihrem Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren geschenkt. Und über 1,4 Milliarden Euro hat der Konzern dadurch gespart.
Die bessere Lösung liegt oft ganz nahe. So empfahl Michelle Merrick, Mitarbei‧terin der Post-Tochter DHL Global Forwarding in Dallas, die Verträge mit den Energielieferanten wieder auszuschreiben und neu zu verhandeln. Allein in Dallas sparte die Post dadurch knapp 150000 Dollar.
Merricks Vorschlag wurde daraufhin in allen nordamerikanischen DHL-Standorten aufgegriffen, Pilotprojekte in Großbritannien und den Niederlanden folgten.
Allein 2009 reichten die Post-Mitarbeiter mehr als 222000 Verbesserungsvorschläge ein. Hinweise auf eine effizientere Kühlung empfindlicher Waren waren ebenso dabei wie Empfehlungen für die Enteisung von Frachtflugzeugen oder Spritspartipps für Briefträger.
Dank dieses Engagements konnte die Post im vergangenen Jahr rund 274 Millionen Euro sparen. Im Vergleich zu 2008 noch einmal ein sattes Plus. Und 2010, so die interne Prognose, wird höchstwahrscheinlich noch mehr gespart.
Nach den Berechnungen des Deutschen Instituts für Betriebswirtschaft nimmt die Post mit ihrem Ideen- und Innovationsmanagement seit Jahren den Spitzenplatz in der deutschen Unternehmenslandschaft ein. Mit weitem Abstand.
„Kreativität und Innovation sind die Garanten für den künftigen Unternehmenserfolg“, sagt Günter Raffel, Leiter des Ideenmanagements bei der Deutschen Post. Deshalb will der Konzern 2011 sein Ideenmanagement noch weiter ausbauen – insbesondere in den regionalen Niederlassungen und Tochtergesellschaften außerhalb Deutschlands.
Bernd Birnbach denkt schon jetzt über neue Verbesserungen nach: „Ich habe noch ein paar Ideen im Köcher“, sagt Birnbach, „da wird es bei einigen Herren klingeln.“









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Alle Kommentare lesen26.11.2010, 19:04 UhrAnonymer Benutzer:Robert Murmann
Alles innovative Ansätze, die häufig aber zu beginn viel Managementkapazität und Liquidität im Aufsetzen der Wissenstransfersysteme benötigen. Wie geht man mit mangelndem Wissen/Erfahrung im Unternehmen um, bei erstmaligem Auftreten besonderer Problemstellungen? Mit dem Erfahrungsportal www.seniorprofis.de läßt sich Erfahrung schnell transferieren
26.11.2010, 13:52 UhrAnonymer Benutzer:Klaus Werner
Von Grohe kann man gut lernen, wie Mitarbeiter ausgebeutet werden oder wie man die Produktion ins Ausland verlagert. Wie man Mitarbeiter demotiviert und wie man deutsche Steuergesetze umgehen kann und wie man Politiker einlullt und vor allem wie man eine gute Außendarstellung betreibt. Wie Fabriken geschlossen werden, nachdem man Millionen von Steuergeldern vom Staat kassiert hat. Eben eine Heuschrecke, der übelsten Sorte.
26.11.2010, 11:02 UhrAnonymer Benutzer:mathias
ich hoffe WiWO lässt sich diese WERbUNG GUT bezahlen !!
Wie bei "Ricola" Wer hat es erfunden???