Stromkonzerne: Der Energiepreis ist heiß – Messen und Sparen als Geldquelle

Stromkonzerne: Der Energiepreis ist heiß – Messen und Sparen als Geldquelle

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Für Strom müssen die Verbraucher in Deutschland immer tiefer in die Tasche greifen

Ein Strommanager fasste sich kürzlich mehr als nachdenklich an den Kopf. "Wir haben eine Studie gemacht zum Thema ‚Wie spare ich Strom’, und wissen Sie, was dabei herausgekommen ist?“ Der Mann konnte es nicht fassen: "Den höchsten Stromverbrauch haben Hartz-IV-Empfänger!“

Der Grund: Diese Leute bleiben die längste Zeit tagsüber zu Haus. Im Jogginganzug verzehren sie ihre Pommes Majo auf dem Sofa oder im Bett - und in allen Zimmern dudelt dabei der Fernseher – nonstop. Der Strommanager weiter: „Wir haben denen gesagt, schaltet wenigstens einen Fernseher aus, dann könnt ihr Strom sparen“. Das Besondere an diesem Satz ist, dass er von einem Vorstandsmitglied eines Kraftwerksbetreibers stammt. Solche Leute wollten früher nicht etwa den Stromverbrauch für ihre Kunden drosseln, sondern ganz im Gegenteil – noch ein wenig steigern.

Das hat sich grundlegend geändert. Und die Art und Weise, wie die großen Energieversorger in der vergangenen Woche ihre Preistafeln änderten oder neue Generationen von Zählern ankündigten, zeigt das Ausmaß der Angst unter den Kraftwerksbetreibern, als Abzocker dazustehen.

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Sie wollen viel mehr durch Leistungsangebote, bei denen der Kunde Strom und Geld spart, bundesweit neue Verträge in Massen an sich ziehen -  nach dem Motto: Wer dem Verbraucher von Gas und Strom zu mehr Energieeffizienz verhilft, bekommt den größeren Marktanteil und damit einen Wettbewerbsvorteil. Das Kalkül dabei ist, dass derjenige, der dem Kunden Energieeffizienz, also die konkrete Möglichkeit bietet, Strom zu sparen, auch bei der Preisgestaltung einen Überraschungscoup landen kann.

Beispiel Nuon. Das Newcomer-Unternehmen in Deutschland, das mit günstigen Strom- und Gasangeboten zuerst den Berliner Markt aufrollte, schafft für einen speziellen Stromtarif den Grundpreis ab. Gestartet wird nach Nuon-Art in Berlin und Hamburg. Der Grundpreis von jährlich 69,90 Euro und 71,40 Euro fällt weg. Gleichzeitig wird ein konkretes Angebot gemacht, Strom zu sparen – mit einer Box.

So erhält man bei einem Tarif ein Strommessgerät, eine Solartaschenlampe sowie sechs hochwertige Energiesparleuchten. Die Stromersparnis mit Hilfe dieser Leuchten beträgt jährlich 274 Kilowattstunden, das sind knapp zehn Prozent des Stromverbrauchs eines durchschnittlichen Dreipersonenhaushalts. Bei anderem anderen Tarif werden alle Geräte im Haushalt ausgeschaltet, die sich in einem Bereitschafts-Modus (Standby) befinden und unnötig viel Strom verbrauchen. Übrigens: Alle Standby-Leuchten zusammen verbrauchen in Deutschland jährlich so viel Strom, wie ein Atomkraftwerk produziert. Nuon nennt sein Angebot: „Geniaale Strom“.

Neuartige Zähler misst Strom und Gas

Die deutschen Stadtwerke tüfteln an einem Zähler, der weit mehr kann, als nur im Keller Staub zu lagern und gelegentlich Besuch vom örtlichen Gasableser zu bekommen. Dieser Zähler soll sowohl Gas als auch Strom messen können und ein sogenanntes Lastprofil erstellen, das heißt, die Nutzungsgewohnheit eines Verbrauchers minutengenau dokumentieren.

Noch ist so ein integrierter Strom-und Gaszähler nicht serienreif. Unternehmen wie Siemens oder die frühere Ruhrgastochter Elster entwickeln ein solches System. Auch die großen Wohnungsbaugesellschaften sind an einem intelligenten Zähler interessiert, der ihnen Energiekosten einsparen kann. Und die Stadtwerke können sich auf einen Schlag 100 bis 150 000 Haushalte sichern, wenn sie einen Rahmenvertrag mit eines der großen internationalen Wohnungsbetreibergesellschaften abschließen.

Die Energie-Discounter-Tochter von EnBW, Yello, liefert seinen Kunden ab Herbst den „intelligenten Stromzähler“. Ein Testlauf mit 1000 Kunden sei gut verlaufen, sagte Yello-Geschäftsführer Martin Vesper. „Die Kunden entdecken Verbräuche, von denen sie vorher nichts wussten und können daraus die Konsequenzen ziehen.“ Ein Kunde hatte gemerkt, dass die Brunnenpumpe im Garten permanent lief und jährlich 5600 Kilowattstunden fraß. Auch RWE befindet sich an der Spitze der Unternehmen, die sich Energieeffizienz auf die Fahnen geschrieben haben. Entwickelt werden Effizienz-Überprüfungen für Industriekunden, aber auch für Endverbraucher.

Der harte Kampf um den Kunden birgt aber auch Risiken für den Verbraucher. So garantierte der Energieriese E.On mit seiner Discountermarke „E wie einfach“ bisher den Gaspreis für ein Jahr – Grund für viele Haushalte, bei E.Ons Angebot anzubeißen. Doch Pustekuchen. "E wie einfach" wird Neukunden von Mitte Juli an keine einjährige Preisgarantie mehr gewähren. Dafür steige der Gaspreis im Zusammenhang mit den Rohölpreisen zu dramatisch an, räumte der Vertriebsvorstand kleinlaut ein. „Das Risiko ist nicht mehr beherrschbar“, sagt der E.On-Vorstand. Nicht mehr beherrschbar soll nicht heißen, dass E.On den Kampf um den Kunden aufgegeben hat. In einem Feldversuch will E.On in ganz Bayern den Einsatz intelligenter Stromzähler testen. 10.000 Versuchs-Haushalte sollen demnächst angeschlossen werden.

Man müsste zu diesen Versuchskaninchen gehören, die einige Monate lang zum Günstig-Tarif diese intelligente Art des Stromverbrauchs für E.On testen darf.

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